Der Motor­rad­club und das Ver­eins­ver­bot

Für das Ver­bot einer straf­ge­setz­wid­ri­gen Ver­ei­ni­gung nach Art. 9 Abs. 2 1. Alt. GG ist die Ein­lei­tung eines Straf­ver­fah­rens oder gar eine straf­ge­richt­li­che Ver­ur­tei­lung wegen Bil­dung einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung nach § 129 Abs. 1 StGB nicht erfor­der­lich 1.

Der Motor­rad­club und das Ver­eins­ver­bot

Ein sol­ches Ver­bot ist auch recht­lich auch unab­hän­gig von einer straf­rich­ter­li­chen Ver­ur­tei­lung ein­zel­ner Mit­glie­der oder Funk­tio­nä­re der Ver­ei­ni­gung ist 2.

Die Straf­ge­setz­wid­rig­keit muss viel­mehr von der Ver­bots­be­hör­de und dem Ver­wal­tungs­ge­richt in eige­ner Kom­pe­tenz geprüft wer­den 3.

Es folgt unmit­tel­bar aus dem Gesetz, dass eine Fest­stel­lung nach § 3 Abs. 1 Ver­einsG recht­mä­ßig auch dann auf Grund einer vor­läu­fi­gen Ein­schät­zung eines noch nicht voll­stän­dig aus­er­mit­tel­ten Sach­ver­halts getrof­fen wer­den kann, wenn und soweit die­se vor­läu­fi­ge Ein­schät­zung das Ver­bot trägt und sich die­se das Ver­bot tra­gen­de Bewer­tung im wei­te­ren Ver­lau­fe der Sach­ver­halts­auf­klä­rung auch als im Kern zutref­fend erweist. Dies folgt nicht zuletzt aus dem gefah­ren­ab­wehr­recht­li­chen Sinn und Zweck des Ver­bots­tat­be­stan­des des § 3 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 Ver­einsG 4.

Über­dies kommt es für die gericht­li­che Ent­schei­dung über die gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 Ver­einsG recht­lich gebun­de­ne ver­eins­recht­li­che Ver­bots­ver­fü­gung dar­auf an, ob das Gericht sich die vol­le Über­zeu­gungs­ge­wiss­heit von tat­säch­li­chen Umstän­den und Vor­komm­nis­sen zu ver­schaf­fen ver­mag, die den Ver­bots­grund der Straf­ge­setz­wid­rig­keit unter Berück­sich­ti­gung des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit tra­gen.

Eine für ein Ver­bot hin­rei­chend trag­fä­hi­ge Fest­stel­lung, eine Ver­ei­ni­gung ver­wirk­li­che den Ver­bots­tat­be­stand des § 3 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 Ver­einsG, kann auch auf der Grund­la­ge einer vor­läu­fi­gen Ein­schät­zung eines noch nicht voll­stän­dig ermit­tel­ten Sach­ver­halts getrof­fen wer­den, wenn und soweit sich die­se als zutref­fend erweist, und die erfor­der­li­che Ver­läss­lich­keit der Tat­sa­chen­ba­sis für eine bestimm­te recht­li­che Bewer­tung von der Fra­ge zu tren­nen ist, wel­che Tat­sa­chen mit wel­cher Gewiss­heit fest­zu­stel­len sind.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20.40.2015 – 1 B 12015

  1. BVerwG, Urteil vom 18.10.1988 – 1 A 89.83, BVerw­GE 80, 299[]
  2. BVerwG, Urteil vom 05.08.2009 – 6 A 3.08, BVerw­GE 134, 275[]
  3. s.a. BVerwG, Beschluss vom 19.11.2013 – 6 B 25.13, Buch­holz 402.45 Ver­einsG Nr. 61[]
  4. s.a. BVerwG, Urteil vom 19.12 2012 – 6 A 6.11, Buch­holz 402.45 Ver­einsG Nr. 59[]