Der Nach­bar und der Metall­git­ter­zaun

Ein Metall­git­ter­zaun ist kein Draht­zaun im Sin­ne des baden-würt­tem­ber­gi­schen Nach­bar­rechts­ge­set­zes.

Der Nach­bar und der Metall­git­ter­zaun

Im hier vom Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he ent­schie­de­nen Fall hat der unmit­tel­bar ent­lang der Ost­gren­ze des Grund­stücks errich­te­te Zaun – von der Ober­flä­che des Grund­stücks des Nach­barn aus gemes­sen 1 – eine Höhe von 2, 15 m und über­schrei­tet damit die dort zuläs­si­ge Höhe einer "toten Ein­frie­dung" i. S. v. § 11 NRG als dau­er­haf­te, mit dem Boden fest ver­bun­de­nen Ein­frie­dung nicht pflanz­li­cher Art 2 von 1, 50 m.

Bei dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Metall­git­ter­zaun han­delt es sich auch nicht um einen – von der Höhen­be­schrän­kung auf 1, 50 m aus­ge­nom­me­nen – Draht­zaun i. S. v. § 11 Abs. 2 NRG. Ein Draht­zaun in die­sem Sin­ne ist ein Zaun aus Maschen­draht o.Ä., der kaum Schat­ten wirft 3.

Bereits der Wort­laut von § 11 Abs. 2 NRG spricht gegen die recht­li­che Ein­ord­nung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Metall­git­ter­zauns unter die inso­weit nor­mier­te Aus­nah­me­re­ge­lung. Unter einem Metall­draht ist – dem all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch ent­spre­chend – ein dünn, lang und bieg­sam geform­tes Metall zu ver­ste­hen. Der streit­ge­gen­ständ­li­che Zaun hin­ge­gen besteht nach unwi­der­spro­che­nem Vor­trag des Klä­gers aus Dop­pel­stabmat­ten, gefer­tigt aus mas­si­ven geschweiß­ten Rund­ei­sen­stä­ben 4. Dies ergibt sich über­dies aus den vom Sach­ver­stän­di­gen hin­sicht­lich der Ver­hält­nis­se an der Ost­gren­ze des Grund­stücks des Beklag­ten gefer­tig­ten Licht­bil­dern.

Zwar mag der vom streit­ge­gen­ständ­li­chen Metall­git­ter­zaun aus­ge­hen­de Schat­ten­wurf ver­gleich­bar gering sein wie der­je­ni­ge eines Draht­zau­nes. Dies recht­fer­tigt vor dem Hin­ter­grund des Wort­lauts von § 11 Abs. 2 NRG jedoch nicht eine aus­deh­nen­de Aus­le­gung der Vor­schrift dahin­ge­hend, dass über Draht­zäu­ne hin­aus auch aus mas­si­ven Metall­stä­ben bzw. Stab­mat­ten gefer­tig­te Zäu­ne erfasst wären. Soweit § 11 Abs. 2 NRG Draht­zäu­ne vom Erfor­der­nis eines Grenz­ab­stan­des bei einer 1, 50 m über­schrei­ten­den Höhe aus­nimmt, han­delt es sich um eine Aus­nah­me­re­ge­lung. Als sol­che ist die Vor­schrift, die die Rechts­po­si­ti­on des von dem Zaun betrof­fe­nen Grund­stücks­nach­barn beschränkt, aber eng und dem Wort­laut ent­spre­chend aus­zu­le­gen. Eine nur gering­fü­gi­ge Schat­ten­wir­kung käme bei­spiels­wei­se auch bei einem aus dün­nen Lat­ten mit gro­ßem Zwi­schen­ab­stand bestehen­den Holz­zaun in Betracht. Auch ein sol­cher wird jedoch nach dem kla­ren Wort­laut von § 11 Abs. 2 NRG von der inso­weit nor­mier­ten Aus­nah­me­re­ge­lung hin­sicht­lich des Abstands­er­for­der­nis­ses bei einer Höhe von mehr als 1, 50 m nicht erfasst.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 25. Juli 2014 – 12 U 162/​13

  1. vgl. inso­weit zur Mes­sung vom Ober­flä­chen­ni­veau des Grund­stück des anspruchs­be­rech­tig­ten Nach­barn aus: Pel­ka, a.a.O., Anm. zu § 11 NRG, S. 99[]
  2. vgl. Bruns, NRG Baden-Würt­tem­berg, 2. Aufl.2012, § 11 NRG, Rn. 13[]
  3. vgl. Bruns, a.a.O., § 11 NRG, Rn. 27[]
  4. vgl. zur Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Zäu­nen aus Eisen einer­seits und Draht­zäu­nen i. S. v. § 11 Abs. 2 NRG ande­rer­seits: Bruns, a.a.O., § 11 NRG, Rn. 13[]