Der (nicht) hinreichend bestimmte Feststellungantrag

Ein Feststellungsantrag nach § 256 ZPO muss dem Bestimmtheitserfordernis gemäß § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO genügen. Er muss das Rechtsverhältnis, dessen Bestehen oder Nichtbestehen festgestellt werden soll, so genau bezeichnen, dass über dessen Identität und damit über den Umfang der Rechtskraft der Feststellung keine Ungewissheit bestehen kann1. Genügt die wörtliche Fassung eines Antrags nicht dem Bestimmtheitserfordernis des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, ist er unter Heranziehung der Klagebegründung auszulegen. Im Zweifel gilt, was nach den Maßstäben der Rechtsordnung vernünftig ist und der recht verstandenen Interessenlage der Parteien entspricht2.

Der (nicht) hinreichend bestimmte Feststellungantrag

Der Mangel der Bestimmtheit des Klageantrags ist auch im Revisionsverfahren von Amts wegen zu beachten3.

Die erstmals in der Revisionsinstanz festgestellte fehlende Bestimmtheit des Feststellungsantrags hat indes nicht zur Folge, dass dieser Antrag als unzulässig abzuweisen ist. Vielmehr ist auch insoweit die Entscheidung des Berufungsgerichts aufzuheben und die Sache an das Berufungsgericht zurückzuverweisen, um der Klägerin aus Gründen der prozessualen Fairness Gelegenheit zu geben, das mit dem Feststellungsantrag verfolgte Begehren in einen Antrag zu fassen, der dem Bestimmtheitsgebot genügt4.

Der Lauf der Verjährungsfrist wird auch durch die Zustellung einer zwar unzulässigen, aber dennoch wirksamen Klage gehemmt. Eine mit einem nicht hinreichend bestimmten Antrag erhobene Klage hemmt daher die Verjährung, wenn sie die Richtung und den Umfang des Klagebegehrens individualisiert und den Streitgegenstand in ausreichendem Maße erkennen lässt5. Aus dem Vortrag der Klägerin in ihrer Klagebegründung ergibt sich mit der erforderlichen Deutlichkeit, dass sie von der Beklagten die Erstattung von angeblich zuviel in Rechnung gestellten Frachtvergütungen verlangt. Das reicht zur Individualisierung des mit dem Feststellungsantrag verfolgten Klagebegehrens aus.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 8. Mai 2014 – I ZR 217/12

  1. BGH, Urteil vom 22.11.2007 – I ZR 12/05, GRUR 2008, 357 Rn. 21 = WRP 2008, 499 Planfreigabesystem; Urteil vom 26.06.2008 – I ZR 190/05, GRUR 2008, 917 Rn. 31 = WRP 2008, 1319 EROS []
  2. vgl. BGH, Versäumnisurteil vom 16.09.2008 – VI ZR 244/07, GRUR 2009, 83 Rn. 11 = WRP 2009, 71; Urteil vom 07.03.2013 – VII ZR 223/11, NJW 2013, 1744 Rn. 23 []
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 17.08.2011 – I ZR 108/09, GRUR 2011, 1043 Rn. 36 = WRP 2011, 1454 TÜV II; Urteil vom 28.11.2013 – I ZR 7/13, GRUR 2014, 398 Rn. 14 = WRP 2014, 431 Online-Versicherungsvermittlung, mwN []
  4. vgl. BGH, Urteil vom 08.03.2012 – I ZR 85/10, GRUR 2012, 1153 Rn. 16 = WRP 2012, 1390 Unfallersatzgeschäft; Urteil vom 20.06.2013 – I ZR 55/12, GRUR 2013, 1235 Rn. 14 = WRP 2014, 75 Restwertbörse II []
  5. BGH, Urteil vom 23.10.1997 – I ZR 123/95, GRUR 1998, 481, 483 = WRP 1998, 169 Auto ’94; Urteil vom 11.03.2004 – I ZR 81/01, GRUR 2004, 517, 519 = WRP 2004, 731 EMail-Werbung []