Der nicht nach­ge­las­se­ne Schrift­satz – und die Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung

Nach § 156 Abs. 2 ZPO ist die münd­li­che Ver­hand­lung ins­be­son­de­re bei einer Ver­let­zung der Hin­weis- und Auf­klä­rungs­pflicht (§ 139 ZPO) anzu­ord­nen. Gemäß § 139 Abs. 4 ZPO sind Hin­wei­se so früh wie mög­lich zu ertei­len, so dass die Par­tei Gele­gen­heit hat, ihre Pro­zess­füh­rung hier­auf ein­zu­rich­ten.

Der nicht nach­ge­las­se­ne Schrift­satz – und die Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung

Erteilt das Gericht den Hin­weis erst in der münd­li­chen Ver­hand­lung, muss es der Par­tei Gele­gen­heit geben, auf den Hin­weis zu reagie­ren.

Kann eine sofor­ti­ge Äuße­rung nach den Umstän­den nicht erwar­tet wer­den, darf die münd­li­che Ver­hand­lung nicht geschlos­sen wer­den. Das Gericht muss dann die münd­li­che Ver­hand­lung ver­ta­gen, in das schrift­li­che Ver­fah­ren über­ge­hen oder der Par­tei auf ihren Antrag nach § 139 Abs. 5 ZPO eine Schrift­satz­frist ein­räu­men.

Unter­lässt das Gericht die gebo­te­ne pro­zes­sua­le Reak­ti­on und erkennt es aus einem nicht nach­ge­las­se­nen Schrift­satz der betrof­fe­nen Par­tei, dass die­se sich offen­sicht­lich in der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht aus­rei­chend hat erklä­ren kön­nen, ist gemäß § 156 Abs. 1 Nr.1 ZPO die münd­li­che Ver­hand­lung wie­der­zu­eröff­nen 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Juni 2015 – IX ZR 182/​14

  1. BGH, Urteil vom 31.03.2010 – I ZR 34/​08, WM 2010, 2094 Rn. 39; st. Rspr[]