Der offen lie­gen­ge­las­se­ne Auto­schlüs­sel

Bei Weg­nah­me oder Beschä­di­gung eines Fahr­zeu­ges hat der­je­ni­ge mit einer erheb­li­chen Kür­zung der Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen zu rech­nen, der die erfor­der­li­che Sorg­falt in hohem Maße außer Acht lässt, indem er sei­nen Auto­schlüs­sel an der Arbeits­stel­le unbe­auf­sich­tigt lässt und nahe­lie­gen­de Mög­lich­kei­ten nicht nutzt, den Schlüs­sel sorg­fäl­tig auf­zu­be­wah­ren und dem Zugriff Drit­ter zu ent­zie­hen.

Der offen lie­gen­ge­las­se­ne Auto­schlüs­sel

So das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Klä­ge­rin, die von ihrer Teil­kas­ko­ver­si­che­rung Scha­dens­er­satz wegen der Weg­nah­me und Beschä­di­gung ihres Fahr­zeugs begehr­te. An einem Abend im April 2010 park­te die Klä­ge­rin ihr Auto auf dem Park­platz ihrer Arbeits­stel­le, einem Senio­ren­heim im Rhein-Lahn-Kreis. Die Fahr­zeug­schlüs­sel leg­te sie in einen Korb, den sie in einem nicht abge­schlos­se­nen Auf­ent­halts­raum im zwei­ten Stock abge­stellt hat­te. Gegen 20:50 Uhr begab sie sich zu einer Sta­ti­on in einem ande­ren Stock­werk, nach 21:00 Uhr wur­de ihr Auto mit ihrem Schlüs­sel ent­wen­det und etwas spä­ter in erheb­lich beschä­dig­tem Zustand auf­ge­fun­den. Den Scha­den in Höhe von ca. 7.000,- € ver­lang­te sie nun von der Ver­si­che­rung ersetzt, die im Lau­fe des Pro­zes­ses aber nur die Hälf­te des Betra­ges zahl­te. Dage­gen hat die Klä­ge­rin Kla­ge erho­ben. Nach­dem das Land­ge­richt Koblenz eine Kür­zung der Ver­si­che­rungs­leis­tung um 50 % für gerecht­fer­tigt gehal­ten hat­te, hat die Klä­ge­rin Beru­fung ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz habe die Klä­ge­rin die erfor­der­li­che Sorg­falt in hohem Maße außer Acht gelas­sen, indem sie nahe­lie­gen­de Mög­lich­kei­ten nicht genutzt habe, ihren Auto­schlüs­sel sorg­fäl­tig auf­zu­be­wah­ren und dem Zugriff Drit­ter zu ent­zie­hen. Mit die­sem leicht­fer­ti­gen Ver­hal­ten habe sie nicht beach­tet, was unter den gege­be­nen Umstän­den jedem hät­te ein­leuch­ten müs­sen.

Auch der Umstand, dass es bereits Abend und damit kei­ne offi­zi­el­le Besuchs­zeit mehr war, führt nicht zu einer ande­ren Ein­schät­zung. Denn die Klä­ge­rin habe gewusst, dass die Ein­gangs­tür bis min­des­tens 21:00 Uhr geöff­net war und daher Bewoh­ner oder Besu­cher noch frei­en Zugriff auf den Schlüs­sel im unver­schlos­se­nen Raum hat­ten. Zudem hät­te sie ein­fa­che Mög­lich­kei­ten gehabt, mit wenig Auf­wand eine siche­re Ver­wah­rung des Schlüs­sels zu gewähr­leis­ten (Spind, abschließ­ba­rer Raum).

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Beschlüs­se vom 14. Mai und 9. Juli 2012 – 10 U 1292/​11