Der ori­gi­nä­re Ein­zel­rich­ter – und die Zulas­sung der wei­te­ren Beschwer­de

Ent­schei­det der Ein­zel­rich­ter in einer Sache, der er rechts­grund­sätz­li­che Bedeu­tung bei­misst, über die Beschwer­de und läßt die wei­te­re Beschwer­de zu, so ist die Zulas­sung wirk­sam. Die Ent­schei­dung unter­liegt jedoch auf die wei­te­re Beschwer­de wegen feh­ler­haf­ter Beset­zung des Beschwer­de­ge­richts der Auf­he­bung von Amts wegen1.

Der ori­gi­nä­re Ein­zel­rich­ter – und die Zulas­sung der wei­te­ren Beschwer­de

Die wei­te­re Beschwer­de des Bezirks­re­vi­sors ist auf­grund der – für das Ober­lan­des­ge­richt bin­den­den – Zulas­sung zuläs­sig. Dabei wird die Wirk­sam­keit der erfolg­ten Zulas­sung der wei­te­ren Beschwer­de wegen rechts­grund­sätz­li­cher Bedeu­tung auch nicht dadurch in Fra­ge gestellt, daß sie im Rah­men einer Beschwer­de­ent­schei­dung durch den ori­gi­nä­ren Ein­zel­rich­ter erfolgt ist2.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BGH gilt für den Fall der Rechts­be­schwer­de­zu­las­sung durch den ori­gi­nä­ren Ein­zel­rich­ter der nach­fol­gen­de Grund­satz:

Ent­schei­det der ori­gi­nä­re Ein­zel­rich­ter in einer Sache, der er rechts­grund­sätz­li­che Bedeu­tung bei­mißt, über die Beschwer­de und läßt er die Rechts­be­schwer­de zu, so unter­liegt die Ent­schei­dung auf die Rechts­be­schwer­de wegen feh­ler­haf­ter Beset­zung des Beschwer­de­ge­richts der Auf­he­bung von Amts wegen, weil der Ein­zel­rich­ter in Rechts­sa­chen, denen er grund­sätz­li­che Bedeu­tung bei­mißt, zwin­gend das Ver­fah­ren an das Kol­le­gi­um zu über­tra­gen hat. Bejaht er mit der Zulas­sungs­ent­schei­dung zugleich die grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Rechts­sa­che, ist sei­ne Ent­schei­dung objek­tiv will­kür­lich und ver­stößt gegen das Ver­fas­sungs­ge­bot des gesetz­li­chen Rich­ters nach Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG3.

Die­ser in stän­di­ger Recht­spre­chung des BGH beton­te Grund­satz muß ent­spre­chend auch für die vor­lie­gen­de Kon­stel­la­ti­on gel­ten, in der der – gemäß § 4 Abs. 7 Satz 1 JVEG – ori­gi­nä­re Ein­zel­rich­ter des Beschwer­de­ge­richts gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 JVEG die wei­te­re Beschwer­de wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zuläßt. Denn auch in § 4 Abs. 7 Satz 2 JVEG ist zwin­gend vor­ge­schrie­ben, daß der Ein­zel­rich­ter die Sache auf die Kam­mer bzw. das Ober­lan­des­ge­richt zu über­tra­gen hat, wenn die Rechts­sa­che grund­sätz­li­che Bedeu­tung hat.

Etwas ande­res ergibt sich schließ­lich auch nicht dadurch, daß gemäß § 4 Abs. 7 Satz 4 JVEG ein Rechts­mit­tel nicht auf eine erfolg­te oder unter­las­se­ne Über­tra­gung auf den voll­be­setz­ten Spruch­kör­per gestützt wer­den kann. Zum einen ist die wei­te­re Beschwer­de des Bezirks­re­vi­sors vor­lie­gend nicht mit die­sem Gesichts­punkt begrün­det. Zum ande­ren liegt im Fall der rechts­wid­rig unter­blie­be­nen Über­tra­gung auf die Kam­mer trotz im Rah­men der Zulas­sung der wei­te­ren Beschwer­de selbst fest­ge­stell­ter grund­sätz­li­cher Bedeu­tung der Rechts­sa­che – wie auch der zutref­fen­den Recht­spre­chung des BGH zu ent­neh­men ist – ein Ver­stoß gegen den gesetz­li­chen Rich­ter und damit ein stets beacht­li­cher unheil­ba­rer Ver­fah­rens­feh­ler vor, der zwin­gend von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen ist.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 26. August 2014 – 10 W 3/​14

  1. vgl. BGHZ 154, 200 für den par­al­le­len Fall der Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de durch den Ein­zel­rich­ter []
  2. vgl. inso­fern die stän­di­ge Recht­spre­chung des BGH zur par­al­le­len Pro­ble­ma­tik bei der Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de durch den ori­gi­nä­ren Ein­zel­rich­ter seit BGHZ 154, 200 []
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 13.03.2003 – IX ZB 134/​02, BGHZ 154, 200, 201 ff; vom 03.02.2011 – IX ZB 168/​10; vom 22.11.2011 – VIII ZB 81/​11, NJW-RR 2012, 125 Rn. 8 f.; vom 28.06.2012 – IX ZB 298/​11, ZIn­sO 2012, 1439; vom 14.05.2013 – VIII ZB 51/​12, Miet­Prax-AK § 91a ZPO Nr. 5 []