Der PKH-Antrag – und die Wie­der­ein­set­zung in die Beru­fungs­frist

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist ein Rechts­mit­tel­füh­rer, der – wie hier die Beklag­te – inner­halb der Rechts­mit­tel­frist die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe bean­tragt hat, bis zur Ent­schei­dung über sei­nen Antrag als unver­schul­det ver­hin­dert anzu­se­hen, das Rechts­mit­tel wirk­sam ein­zu­le­gen, wenn er nach den gege­be­nen Umstän­den ver­nünf­ti­ger­wei­se nicht mit der Ableh­nung sei­nes Antrags wegen feh­len­der Bedürf­tig­keit rech­nen muss­te 1.

Der PKH-Antrag – und die Wie­der­ein­set­zung in die Beru­fungs­frist

Mit der Bekannt­ga­be des Beschlus­ses über die Bewil­li­gung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe ent­fällt das Hin­der­nis für die Ein­le­gung des Rechts­mit­tels, so dass der Lauf der Zwei-Wochen-Frist des § 234 Abs. 1 Satz 1 ZPO zu die­sem Zeit­punkt gemäß § 234 Abs. 2 ZPO beginnt 2.

Zwar kann gemäß § 233 Satz 1 ZPO Wie­der­ein­set­zung auch hin­sicht­lich der Frist nach § 234 Abs. 1 Satz 1 ZPO gewährt wer­den. Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat die Beklag­te die­se Frist jedoch schuld­haft ver­säumt, weil sie sich das Ver­schul­den ihres Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten gemäß § 85 Abs. 2 ZPO zurech­nen las­sen muss. Eine Wie­der­ein­set­zung kommt des­halb nicht in Betracht:

Auf Grund der im Novem­ber 2016 erhal­te­nen voll­stän­di­gen Akten­ein­sicht und der Mit­tei­lung des Land­ge­richts vom 16.05.2017, wonach das Ver­fah­ren seit der letz­ten Akten­ein­sicht nicht geför­dert wor­den sei, hät­te Rechts­an­walt L. bei Anwen­dung der für eine ordent­li­che Pro­zess­füh­rung erfor­der­li­chen, übli­chen Sorg­falt ohne wei­te­res erken­nen kön­nen, dass bis­lang nur ein Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such vor­lag und des­halb das beab­sich­tig­te Rechts­mit­tel bin­nen zwei Wochen nach Zugang des Pro­zess­kos­ten­hil­fe­be­schlus­ses ein­zu­le­gen war. Es kommt hin­zu, dass die Klä­ge­rin mit Schrift­satz vom 22.05.2017 aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen hat, Beru­fung sei bis­her nicht ein­ge­legt wor­den. Da ein Rechts­an­walt, der – wie Rechts­an­walt L. – nach einem Anwalts­wech­sel ein Beru­fungs­man­dat über­nimmt, die Erfolgs­aus­sich­ten des Rechts­mit­tels zu prü­fen hat, wozu zwin­gend die Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen gehö­ren, muss­te er sein Augen­merk ins­be­son­de­re auf die Ein­hal­tung der Beru­fungs- und Beru­fungs­be­grün­dungs­frist rich­ten 3. Die­se Prü­fung ist offen­sicht­lich unter­blie­ben. Nur so lässt es sich erklä­ren, dass der ein­deu­ti­ge Akten­in­halt von ihm nicht beach­tet wur­de. Es ent­las­tet den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des­halb auch nicht, dass im Rubrum des Pro­zess­kos­ten­hil­fe­be­schlus­ses vom 11.07.2017 die Par­tei­en als "Beklag­te und Beru­fungs­klä­ge­rin" sowie "Klä­ge­rin und Beru­fungs­be­klag­te" bezeich­net wur­den, zumal sich die­se Par­tei­be­zeich­nung ersicht­lich auf das beab­sich­tig­te Beru­fungs­ver­fah­ren bezog 4.

Soweit die Beklag­te gel­tend macht, das Land­ge­richt hät­te im Hin­blick auf die schrift­sätz­li­che Mit­tei­lung vom 12.05.2017, die "Beru­fungs­klä­ge­rin" habe sich ent­schie­den, das "Beru­fungs­ver­fah­ren" fort­set­zen zu wol­len, einen klar­stel­len­den Hin­weis nach § 139 ZPO ertei­len müs­sen, recht­fer­tigt dies kei­ne ande­re Beur­tei­lung. Denn das Land­ge­richt hat – wie bereits aus­ge­führt – mit Vor­sit­zen­den­ver­fü­gung vom 16.05.2017 aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Ver­fah­ren seit der letz­ten Akten­ein­sicht im Novem­ber 2016 (also seit Ein­gang des Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­suchs) nicht geför­dert wor­den sei. Es bestan­den somit kei­ne Anhalts­punk­te für eine zwi­schen­zeit­lich erfolg­te Beru­fungs­ein­le­gung (durch den frü­he­ren Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten).

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Mai 2018 – III ZA 30/​17

  1. vgl. nur BGH, Beschluss vom 24.07.2014 – III ZB 4/​14 3; BGH, Beschluss vom 14.03.2017 – VI ZB 36/​16, NJW-RR 2017, 895 Rn. 6; jeweils mwN[]
  2. z.B. BGH, Beschluss vom 30.11.2011 – III ZB 34/​11 8; BGH, Beschlüs­se vom 19.06.2007 – XI ZB 40/​06, BGHZ 173, 14 Rn. 10; und vom 28.11.2012 – XII ZB 235/​09, NJW 2013, 697 Rn.10; jeweils mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 26.09.2002 – III ZB 44/​02, NJW 2002, 3636, 3637[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 15.12 2016 – IX ZA 22/​16 4 f[]