Der Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag einer GmbH – und die Rechts­mit­tel­frist

Eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand gemäß §§ 233, 234 Abs. 1 Satz 1 ZPO gegen die Ver­säu­mung der Frist zur Ein­le­gung eines Rechts­mit­tels kommt nicht in Betracht, wenn die Rechts­mit­tel­füh­re­rin nicht ohne ihr Ver­schul­den an der Ein­hal­tung der Frist gemäß § 544 Abs. 1 Satz 2 ZPO gehin­dert war (§ 233 Satz 1 ZPO). Ein man­geln­des Ver­schul­den an der Frist­ver­säum­nis setzt vor­aus, dass die Pro­zess­par­tei, die vor Ablauf der Rechts­mit­tel­frist ledig­lich Pro­zess­kos­ten­hil­fe bean­tragt hat­te, ver­nünf­ti­ger­wei­se nicht mit einer Ver­wei­ge­rung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe man­gels Bedürf­tig­keit rech­nen muss­te 1.

Der Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag einer GmbH – und die Rechts­mit­tel­frist

Eine juris­ti­sche Per­son kann Pro­zess­kos­ten­hil­fe nur unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO erhal­ten. Begehrt eine juris­ti­sche Per­son Pro­zess­kos­ten­hil­fe für ein beab­sich­tig­tes Rechts­mit­tel, ohne dass die­ses zugleich ein­ge­legt wird, hat sie inner­halb der Rechts­mit­tel­frist dar­zu­le­gen, dass die Kos­ten weder von ihr noch von am Gegen­stand des Rechts­streits wirt­schaft­lich Betei­lig­ten auf­ge­bracht wer­den kön­nen und dass ihre Rechts­ver­fol­gung im all­ge­mei­nen Inter­es­se liegt. Fehlt ent­spre­chen­der Vor­trag, kann Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nicht gewährt wer­den 2.

Im vor­lie­gen­den Fall bemän­gel­te der Bun­des­ge­richts­hof das Feh­len eines sol­chen Vor­trags: Die Beklag­te hat zu den Vor­aus­set­zun­gen der Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe nach § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO nicht inner­halb der bis zum 5.03.2014 wäh­ren­den Frist zur Ein­le­gung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de vor­ge­tra­gen. Sie hat bereits nicht dar­ge­legt, dass die Kos­ten der Rechts­ver­fol­gung von ihr nicht auf­ge­bracht wer­den kön­nen. Soweit sie in die­sem Zusam­men­hang eine Beschei­ni­gung ihres steu­er­li­chen Bera­ters vom 05.03.2014 vor­ge­legt hat, ergibt sich hier­aus nicht hin­rei­chend, dass die Beklag­te die Kos­ten der Rechts­ver­fol­gung nicht aus ihrem Ver­mö­gen auf­brin­gen kann. Zu den wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen des § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO, das heißt ins­be­son­de­re dazu, ob ihre Gesell­schaf­ter als wirt­schaft­li­che Betei­lig­te die Kos­ten der Rechts­ver­tei­di­gung auf­zu­brin­gen in der Lage sind 3 und inwie­fern die Unter­las­sung der Rechts­ver­fol­gung all­ge­mei­nen Inter­es­sen zuwi­der lau­fen wür­de, ent­hält der Vor­trag der Beklag­ten kei­ne Anga­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. April 2014 – III ZA 8/​14

  1. BGH, Beschluss vom 11.06.2008 – XII ZB 184/​05, NJW-RR 2008, 1313 Rn. 26 mwN; Zöller/​Greger, ZPO, 30. Aufl., § 233 Rn. 23 Stich­wort "Pro­zess­kos­ten­hil­fe"[]
  2. KG, MDR 2005, 647; Zöller/​Geimer aaO § 116 Rn. 31; Völker/​Zempel in Prütting/​Gehrlein, ZPO, 5. Aufl., § 116 Rn.19[]
  3. zu den Gesell­schaf­tern einer GmbH als wirt­schaft­lich Betei­lig­ten im Sin­ne von § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO vgl. Münch­Komm-BGB/­Mot­zer, ZPO, 4. Aufl., § 116 Rn. 23; Zöller/​Geimer aaO § 116 Rn. 22[]