Der Psych­ia­ter in der Insol­venz

Die Ver­pflich­tung, dem Insol­venz­ver­wal­ter die für die Durch­set­zung pri­vat­ärzt­li­cher Hono­rar­for­de­run­gen erfor­der­li­chen Daten über die Per­son des Dritt­schuld­ners und die For­de­rungs­hö­he mit­zu­tei­len, besteht auch im Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen eines Fach­arz­tes für Psych­ia­trie, Psy­cho­the­ra­pie und Psy­cho­ana­ly­se.

Der Psych­ia­ter in der Insol­venz

Pri­vat­ärzt­li­che Hono­rar­for­de­run­gen sind grund­sätz­lich pfänd­bar und unter­lie­gen dem Insol­venz­be­schlag 1. Der Schuld­ner ist im Insol­venz­ver­fah­ren ver­pflich­tet, dem Insol­venz­ver­wal­ter die für die Durch­set­zung des Insol­venz­be­schlags erfor­der­li­chen Daten über die Per­son des Dritt­schuld­ners und die For­de­rungs­hö­he mit­zu­tei­len. Zwar unter­lie­gen auch die­se Daten dem Arzt­ge­heim­nis; auf­grund des Zurück­tre­tens der ärzt­li­chen Schwei­ge­pflicht gegen­über vor­ran­gi­gen Belan­gen Drit­ter – im Insol­venz­ver­fah­ren der Insol­venz­gläu­bi­ger – ist die ein­ge­schränk­te Beein­träch­ti­gung des Per­sön­lich­keits­rechts der Pati­en­ten aber hin­nehm­bar 2.

Die­se für die Mit­wir­kungs­pflich­ten eines Inter­nis­ten im Insol­venz­ver­fah­ren über sein Ver­mö­gen auf­ge­stell­ten Grund­sät­ze gel­ten auch für einen Psych­ia­ter und des­sen Mit­wir­kungs­pflich­ten im Rah­men des § 290 Abs. 1 Nr. 5 InsO. Wird die Tat­sa­che, dass ein Pati­ent eine Fach­arzt­pra­xis für Psych­ia­trie, Psy­cho­the­ra­pie und Psy­cho­ana­ly­se auf­ge­sucht hat, den Gläu­bi­gern des betref­fen­den Arz­tes bekannt, belas­tet dies den Pati­en­ten nicht mehr, als wenn es sich um eine sons­ti­ge Fach­arzt­pra­xis gehan­delt hät­te. Das Bedürf­nis nach Offen­le­gung der Pati­en­ten­da­ten gegen­über dem Insol­venz­ver­wal­ter hat Vor­rang vor dem Anspruch des Pati­en­ten auf Schutz sei­ner Daten. Dies folgt aus dem vor­ran­gi­gen Inter­es­se der Insol­venz­gläu­bi­ger an der Trans­pa­renz der Ein­nah­men ihres Schuld­ners 2. Folg­te man dem­ge­gen­über der gegen­tei­li­gen Ansicht, könn­te über das Ver­mö­gen eines Arz­tes, der aus­schließ­lich Pri­vat­pa­ti­en­ten behan­delt, über­haupt kein Insol­venz­ver­fah­ren durch­ge­führt wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Febru­ar 2009 – IX ZB 85/​08

  1. BGHZ 162, 187, 190; BGH, Beschl. v. 20. März 2003 – IX ZB 388/​02, WM 2003, 980, 983[]
  2. BGHZ 162, 187, 194[][]