Der recht­li­che Hin­weis des Gerichts – und das abwei­chen­de Urteil

Erteilt das Gericht einen recht­li­chen Hin­weis in einer ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­ge, so darf es die­se Fra­ge im Urteil nicht abwei­chend von sei­ner geäu­ßer­ten Rechts­auf­fas­sung ent­schei­den, ohne die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten zuvor auf die Ände­rung der recht­lich en Beur­tei­lung hin­ge­wie­sen und ihnen Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me gege­ben zu haben [1].

Der recht­li­che Hin­weis des Gerichts – und das abwei­chen­de Urteil

Zur Ver­mei­dung von Über­ra­schungs­ent­schei­dun­gen ist es gene­rell ver­pflich­tet, der hier­von betrof­fe­nen Par­tei Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me zu geben, wenn es von sei­ner in einer gericht­li­chen Ver­fü­gung geäu­ßer­ten Auf­fas­sung spä­ter abwei­chen will [2].

Dies gilt auch dann, wenn die Par­tei auf die ihr zuvor erteil­ten Hin­wei­se kei­nen ergän­zen­den Vor­trag gehal­ten hat­te und des­halb im hier ent­schie­de­nen Fall mit einer Zurück­wei­sung sei­ner Beru­fung bereits im Ver­kün­dungs­ter­min hät­te rech­nen müs­sen. Das schließt aber eine Reak­ti­on auf einen noch­ma­li­gen Hin­weis, der aus pro­zes­sua­len Grün­den gebo­ten war, nicht aus, wes­halb eine feh­len­de Kau­sa­li­tät des unter­blie­be­nen Hin­wei­ses nicht fest­ge­stellt wer­den kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Okto­ber 2020 – IV ZR 17/​20

  1. BGH, Beschluss vom 28.11.2019 – IX ZR 8/​19, NZI 2020, 65 Rn. 5 m.w.N.; st. Rspr.[]
  2. BGH, Urtei­le vom 27.09.2006 – VIII ZR 19/​04, NJW 2007, 2414 Rn.19; und vom 25.06.2002 – X ZR 83/​00, NJW 2002, 3317[]