Der rich­ti­ge Rechts­be­helf bei gericht­li­cher Wert­fest­set­zung für Gerichts­ge­büh­ren und Ver­gleich

Der Rechts­an­walt kann regel­mä­ßig nur die Her­auf­set­zung des Gebüh­ren­streit­wer­tes begeh­ren. Er han­delt inso­weit nicht im Inter­es­se sei­ner Par­tei, son­dern im eige­nen Inter­es­se. Er ist dar­um selbst Par­tei des Streit­wert-Fest­set­zungs­ver­fah­rens. Bleibt unklar, ob die Beschwer­de vom Man­dan­ten selbst (grund­sätz­lich nur zuläs­sig zur Her­ab­set­zung des Streit­wer­tes) oder vom Rechts­an­walt in eige­nem Recht (grund­sätz­lich nur zuläs­sig zur Her­auf­set­zung des Streit­wer­tes) erho­ben wor­den ist, ist im Zwei­fel davon aus­zu­ge­hen, dass die Par­tei das pro­zes­su­al "Ver­nünf­ti­ge" anstrebt, also den­je­ni­gen Rechts­be­helf gewählt hat, der der Inter­es­sen­la­ge der Par­tei nach objek­ti­ven Maß­stä­ben ent­spricht 1.

Der rich­ti­ge Rechts­be­helf bei gericht­li­cher Wert­fest­set­zung für Gerichts­ge­büh­ren und Ver­gleich

Dies gilt auch, wenn man­gels Erfül­lung der jewei­li­gen Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen letzt­lich kei­ner der in Betracht kom­men­den Rechts­be­hel­fe Erfolg ver­spricht 2. "Ver­nünf­tig" in die­sem Sin­ne ist hier allein eine Beschwer­de­ein­le­gung aus eige­nem Recht der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten 3.

Fest­set­zung eines Ver­gleichs­mehr­werts

Wird eine Anhe­bung des Werts erstrebt, der für den Ver­gleichs­mehr­wert fest­ge­setzt wur­de, so ist die­ser Wert aus­schließ­lich für die Anwalts­ge­büh­ren rele­vant. Damit ist die Vor­aus­set­zung des § 33 Abs. 1 RVG erfüllt, wonach sich die Gebüh­ren nicht nach dem für die Gerichts­ge­büh­ren maß­geb­li­chen Wert – der hier auf 19.427,69 Euro fest­ge­setzt wur­de – rich­ten. Viel­mehr gibt es für die Mit­wir­kung der Anwäl­te an dem Ver­gleichs­schluss einen beson­de­ren Gebüh­ren­tat­be­stand (Nr. 1000 VV RVG), der sich aus dem für die Gerichts­ge­büh­ren fest­ge­setz­ten Wert errech­nen kann (dann Anwen­dungs­fall des § 32 RVG), aber nicht muss. Letz­te­res ist hier der Fall, weil ein Mehr­wert fest­ge­setzt wur­de. In die­sem Fall ist die Anwend­bar­keit des § 33 RVG aner­kannt 4.

Erhö­hung des Streit­werts

Wird die Her­auf­set­zung des Streit­werts begehrt, han­delt es sich dabei nicht um einen Anwen­dungs­fall des § 33 RVG, son­dern des § 32 GKG, da inso­weit vom Amts­ge­richt der Wert für die Gerichts­ge­büh­ren fest­ge­setzt wor­den war. Die Maß­geb­lich­keit die­ses Werts für die Anwalts­ge­büh­ren ergibt sich aus § 32 Abs. 1 RVG.

Gegen die­se Fest­set­zung des Streit­werts hat der Anwalt aus eige­nem Recht (dazu oben, 1.) die Beschwer­de­mög­lich­keit gemäß § 32 Abs. 2 Satz 1 RVG. Er ist dabei aber an die Beschwer­de­frist gemäß §§ 63 Abs. 3 Satz 2, 68 Abs. 1 Satz 3 GKG i.V.m. § 63 Abs. 3 Satz 2 GKG gebun­den 5. Die Beschwer­de muss also inner­halb von sechs Mona­ten, nach­dem die Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che Rechts­kraft erlangt oder das Ver­fah­ren sich ander­wei­tig erle­digt hat, ein­ge­legt wer­den.

Abän­de­rung von Amts wegen

§ 63 Abs. 3 GKG gibt dem Rechts­mit­tel­ge­richt, solan­ge die Sache bei ihm schwebt, das Recht zu Abän­de­rung der erst­in­stanz­li­chen Fest­set­zung. Dies ist jedoch eben­falls nur sechs Mona­te nach Erle­di­gung des Haupt­sa­che­ver­fah­rens mög­lich, § 63 Abs. 3 Satz 2 GKG 6.

Auch wenn das erst­in­stanz­li­che Gericht auf eine etwai­ge Gegen­vor­stel­lung sei­nen eige­nen Streit­wert­be­schluss kor­ri­gie­ren will ist die Sechs­mo­nats­frist ent­spre­chend anzu­wen­den 7.

Land­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 9. Okto­ber 2013 – 9 T 281/​12

  1. BGH, NJW-RR 1995, 1183[]
  2. OLG Dres­den, NJW-RR 2001, 792[]
  3. vgl. OLG Karls­ru­he, Fam­RZ 2004, 1303; Mayer/​Kroiß/​Kießling, Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz, 6. Auf­la­ge 2013, § 32 Rn. 91; Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 42. Auf­la­ge 2012, § 32 RVG, Rn. 14 m.w.N.[]
  4. vgl. Ham­bur­gi­sches OVG, Beschluss vom 11.02.2013 – 3 Nc 48/​11; Hes­si­sches LAG, Beschluss vom 05.08.2013 – 1 Ta 120/​13[]
  5. Mayer/​Kroiß/​Kießling, a.a.O., Rn. 105; Hart­mann, a.a.O., § 32 RVG, Rn. 19[]
  6. vgl. Hart­mann, a.a.O., § 63 GKG, Rn. 54 m.w.N.[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 12.02.1986 – IVa ZR 138/​83[]