Der Scha­dens­er­satz des Auto­käu­fers

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te jetzt über den Scha­dens­er­satz­an­spruch eines Auto­käu­fers zu ent­schei­den, der den Ver­käu­fer des Autos zur "umge­hen­den" Man­gel­be­sei­ti­gung, aber ohne Nen­nung einer kon­kre­ten Frist, auf­ge­for­dert hat­te. Der BGH nahm die­sen Fall zu Anlass für die Fest­le­gung, wel­che Anfor­de­run­gen an die Bestim­mung einer Frist zur Nach­er­fül­lung bei Gel­tend­ma­chung von Scha­dens­er­satz nach § 281 Abs. 1 BGB zu stel­len sind.

Der Scha­dens­er­satz des Auto­käu­fers

Dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit lag fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de: Im Dezem­ber 2005 erwarb der Käu­fer von der Beklag­ten einen gebrauch­ten Pkw Mer­ce­des SL 230 Pago­de, Bau­jahr 1966, zum Kauf­preis von 34.900,00 €. Im Früh­jahr 2006 bean­stan­de­te der Käu­fer gegen­über der Beklag­ten Män­gel am Motor des Fahr­zeugs. Er for­der­te die Beklag­te auf, die­se Män­gel "umge­hend" zu besei­ti­gen, sonst wer­de er eine ande­re Werk­statt mit der Behe­bung der Män­gel beauf­tra­gen. Dar­auf erklär­te ein Mit­ar­bei­ter der Beklag­ten, dass er sich um die Ange­le­gen­heit küm­mern und umge­hend Mit­tei­lung machen wer­de. Nach­dem sich die Beklag­te in der Fol­ge­zeit nicht wie­der bei dem Käu­fer gemel­det und er anschlie­ßend ver­geb­lich ver­sucht hat­te, die Beklag­te tele­fo­nisch zu errei­chen, beauf­trag­te er am 7. April 2006 ein ande­res Unter­neh­men mit der Besei­ti­gung der behaup­te­ten Män­gel am Motor des Fahr­zeugs. Nach Durch­füh­rung der Arbei­ten zahl­te er den Rech­nungs­be­trag in Höhe von 2.194,09 € und for­der­te die Beklag­te ver­geb­lich zur Erstat­tung des Betra­ges auf.

Der Klä­ger, an den der Käu­fer sei­ne Scha­dens­er­satz­an­sprü­che abge­tre­ten hat, macht die­se mit der Kla­ge gel­tend. Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Amts­ge­richt Bochum hat die Kla­ge abge­wie­sen1. Das Land­ge­richt Bochum hat die dage­gen gerich­te­te Beru­fung des Klä­gers mit der Begrün­dung zurück­ge­wie­sen, es feh­le an der nach § 281 BGB erfor­der­li­chen Frist­set­zung zur Nach­er­fül­lung2. Die Revi­si­on des Klä­gers hat­te jedoch beim Bun­des­ge­richts­hof Erfolg:

Nach § 281 Abs. 1 Satz 1 BGB kann der Käu­fer wegen eines beheb­ba­ren Man­gels der Kauf­sa­che Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung regel­mä­ßig nur dann ver­lan­gen, wenn er dem Ver­käu­fer zuvor erfolg­los eine ange­mes­se­ne Frist zur Leis­tung oder Nach­er­fül­lung gesetzt hat. Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass es für die erfor­der­li­che Frist­set­zung aus­reicht, wenn der Käu­fer den Ver­käu­fer auf­for­dert, den Man­gel "umge­hend" zu besei­ti­gen. Die Anga­be eines bestimm­ten (End-) Ter­mins oder Zeit­raums ist für die Bestim­mung einer ange­mes­se­nen Frist nicht erfor­der­lich. Eine Frist ist ein bestimm­ter oder bestimm­ba­rer Zeit­raum. Mit der Auf­for­de­rung zur umge­hen­den Nach­er­fül­lung wird eine zeit­li­che Gren­ze gesetzt, die auf­grund der jewei­li­gen Umstän­de des Ein­zel­falls bestimm­bar ist. Dem Zweck der Frist­set­zung, dem Schuld­ner vor Augen zu füh­ren, dass er die Leis­tung nicht zu einem belie­bi­gen Zeit­punkt erbrin­gen kann, son­dern dass hier­für eine zeit­li­che Gren­ze besteht, wird auf die­se Wei­se hin­rei­chend Genü­ge getan.

Da es an Fest­stel­lun­gen zu den behaup­te­ten Män­geln fehl­te, hat der Bun­des­ge­richts­hof das Ver­fah­ren an das Land­ge­richt Bochum zurück­ver­wie­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. August 2009 – VIII ZR 254/​08

  1. AG Bochum, Urteil vom 19. Febru­ar 2008 – 63 C 491/​07 []
  2. LG Bochum, Urteil vom 27. August 2008 – I-9 S 73/​08 []