Der schla­fen­de Hund im Geschäfts­ein­gang

Stürzt jemand über einen schla­fen­den Hund, der im Ein­gangs­be­reich eines Geschäfts liegt, begrün­det das die Tier­hal­ter­haf­tung.

Der schla­fen­de Hund im Geschäfts­ein­gang

Mit die­ser Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall eine Hun­de­be­sit­ze­rin zum Scha­dens­er­satz ver­ur­teilt. Die­se war als Ver­käu­fe­rin in einem Reit­sport­ge­schäft in Mein­erz­ha­gen beschäf­tigt, in dem die 61jährige Klä­ge­rin aus Gum­mers­bach am 28.08.2009 ein­kauf­te. Beim Ver­las­sen des Geschäfts stürz­te die Klä­ge­rin über die im Ein­gangs­be­reich lie­gen­de Schä­fer­hün­din der Beklag­ten. Als Hun­de­hal­te­rin nahm die Beklag­te ihre Hün­din mit Zustim­mung des Geschäfts­in­ha­bers regel­mä­ßig ins Laden­ge­schäft mit. Am Unfall­tag hat­te sich die Hün­din eigen­mäch­tig in den ca. 1,5 m von der Kas­se ent­fern­ten Ein­gangs­be­reich bege­ben und ruh­te dort so, dass sie den Zugang zum Geschäft so gut wie ver­sperr­te. Sie war von der Klä­ge­rin, hin­ter deren Rücken sie lag, über­se­hen wor­den, als sich die Klä­ge­rin nach dem Bezah­len an der Kas­se zum Aus­gang bege­ben hat­te. Durch den Sturz zog sich die Klä­ge­rin eine schwe­re Knie­ver­let­zung zu, für die sie von der Beklag­ten Scha­dens­er­satz ver­langt, u.a. ein Schmer­zens­geld in der Grö­ßen­ord­nung von 15.000 €. Die Beklag­te hat gemeint, dass kei­ne Tier­hal­ter­haf­tung ein­grei­fe und die Klä­ge­rin den Sturz auf­grund ihrer Unauf­merk­sam­keit selbst ver­schul­det habe.

In Abän­de­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung des Land­ge­richts Hagen hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm die Vorraus­se­tu­un­gen einer Tier­hal­ter­haf­tung gemäß § 833 BGB bejaht und die Beklag­te dem Grun­de nach zum umfas­sen­den Scha­dens­er­satz ver­ur­teilt. Mit dem Sturz der Klä­ge­rin habe sich eine einem Tier typi­scher­wei­se anhaf­ten­de Gefahr ver­wirk­licht, die auf der Unbe­re­chen­bar­keit und Selbst­stän­dig­keit tie­ri­schen Ver­hal­tens beru­he. Die Schä­fer­hün­din sei ein gefähr­li­ches Hin­der­nis gewe­sen, weil sie sich ohne Rück­sicht auf das Publi­kum in den Geschäfts­zu­gang bege­ben und dort geruht habe. Ein solch unbe­küm­mer­tes Ver­hal­ten ent­spre­che­der tie­ri­schen Natur. Das begrün­de die Tier­hal­ter­haf­tung. Inso­weit sei nicht dar­auf abzu­stel­len, dass die Hün­din schla­fend und damit regungs­los auf dem Boden gele­gen habe, als die Klä­ge­rin über sie gestürzt sei. Ein Mit­ver­schul­den der Klä­ge­rin sei nicht zu berück­sich­ti­gen, weil die Hün­din für die Klä­ge­rin schwer wahr­nehm­bar gewe­sen sei. Dem­ge­gen­über habe die Beklag­te den Unfall fahr­läs­sig ver­schul­det, weil sie die Klä­ge­rin weder gewarnt noch den Hund aus dem Ein­gangs­be­reich weg­ge­schafft habe, obwohl sie mit ihm dort an sei­nem Lieb­lings­platz rech­ne­te.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 15. Febru­ar 2013 – 19 U 96/​12