Der schla­fen­de Rei­sen­de

Schläft ein Teil­neh­mer einer Rei­se­grup­pe bei einem Zwi­schen­stopp in der War­te­lounge ein und ver­passt dadurch sei­nen Wei­ter­flug, ver­letzt die Rei­se­füh­re­rin ihre Betreu­ungs­pflicht dann nicht, wenn sie ihn vor­her dar­auf hin­ge­wie­sen hat­te, dass es Zeit sei, zum Check-In zu gehen und er danach wie­der ein­schlief. Eine wei­te­re Kon­trol­le ist nicht not­wen­dig.

Der schla­fen­de Rei­sen­de

In einem jetzt vom Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­de­nen Fall buch­te der spä­te­re Beklag­te bei einem Rei­se­un­ter­neh­men eine Flug­pau­schal­rei­se mit einer Rei­se­grup­pe in den Jemen für den Zeit­raum Ende Oktober/​Anfang Novem­ber 2006. Die Rei­se­grup­pe hat­te am Anrei­se­tag einen plan­mä­ßi­gen Zwi­schen­stopp in Dubai mit einem ca. sie­ben­stün­di­gen Auf­ent­halt, in der sich die Rei­se­grup­pe in der Mar­ha­ba-Lounge im Flug­ha­fen von Dubai auf­hal­ten, Geträn­ke kon­su­mie­ren und sich aus­ru­hen konn­te. Auch der Beklag­te hielt sich dort auf und schlief, nach dem er unter ande­rem auch alko­ho­li­sche Geträn­ke kon­su­miert hat­te, ein. In der Lounge befand sich ein Bild­schirm, auf dem die Abflü­ge ange­zeigt waren. Als dann um 6 Uhr 20 am Moni­tor der Check-In-Auf­ruf zum Wei­ter­flug nach Sana’a erschien, erho­ben sich die Teil­neh­mer der Rei­se­grup­pe, um zum Schal­ter zu gehen. Der Beklag­te ver­schlief jedoch den Check-In und ver­pass­te des­halb den Wei­ter­flug. Er traf erst mit einem ande­ren Flug 2 Tage spä­ter in Sayoun wie­der mit der Rei­se­grup­pe zusam­men. Die Kos­ten für die­sen Flug leg­te das Rei­se­un­ter­neh­men zunächst aus, ver­lang­te aber dann die 281 Euro vom Beklag­ten. Sie habe im Vor­feld den Beklag­ten auf­ge­weckt und auf­ge­for­dert, ein­zu­che­cken. Die­ser habe jedoch gesagt, er kom­me nach. Die Rei­se­grup­pe habe von Anfang an nicht geschlos­sen ein­ge­checkt und habe auch im Flug­zeug ver­teil­te Sit­ze gehabt. Daher sei sein Feh­len auch nicht auf­ge­fal­len.

Der Beklag­te wei­ger­te sich zu zah­len. Schließ­lich sei das Rei­se­un­ter­neh­men schuld an
sei­nem Ver­schla­fen. Im Gegen­teil stün­den ihm noch Mehr­auf­wen­dun­gen und Min­de­rung in Höhe von 1011 Euro zu.

Die zustän­di­ge Rich­te­rin am Amts­ge­richt Mün­chen gab der Kla­ge statt und wies die Gegen­for­de­rung des Rei­sen­den zurück:

Der Beklag­te sei selbst schuld, dass er den Flug ver­passt habe. Des­halb müs­se er den
Ersatz­flug auch bezah­len. Gegen­for­de­run­gen habe er nicht. Durch die Ein­ver­nah­me von Zeu­gen stün­de fest, dass der Beklag­te zwi­schen­drin ein­mal geweckt wor­den sei. Er habe geant­wor­tet, dass er zum Schal­ter nach kom­me. Ansons­ten sei­en die Teil­neh­mer der Rei­se­grup­pe, wie von Anfang an, unab­hän­gig von ein­an­der zum Schal­ter gegan­gen. Auch im Flug­zeug habe man nicht gemerkt, dass der Beklag­te fehl­te. Danach stün­de für das Gericht fest, dass die Rei­se­lei­tung ihre Betreu­ungs­pflicht erfüllt habe. Eine wei­ter­ge­hen­de Betreu­ungs­pflicht habe nicht bestan­den. Der Beklag­te habe nicht ver­lan­gen kön­nen, dass die Rei­se­lei­te­rin am Schal­ter war­te­te und ver­gleich­bar einer Leh­re­rin alle Teil­neh­mer auf einer Lis­te abha­ke. Jeder Teil­neh­mer sei für sich ver­ant­wort­lich gewe­sen, auch weil ihnen
unstrei­tig frei­ge­stellt wur­de, wo sie sich am Flug­ha­fen auf­hal­ten woll­ten. Ein ein­ma­li­ges Wecken sei daher aus­rei­chend.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 18. Janu­ar 2008 – 183 C 15864/​07 (rechts­kräf­tig)