Der sit­ten­wid­ri­ge Bau­be­treu­ungs­ver­trag

Nach § 138 Abs. 1 BGB ist ein Rechts­ge­schäft nich­tig, das gegen die guten Sit­ten ver­stößt, weil sein Inhalt mit grund­le­gen­den Wer­tun­gen der Rechts­ord­nung unver­ein­bar ist.

Der sit­ten­wid­ri­ge Bau­be­treu­ungs­ver­trag

Bei einem beson­ders gro­ben Miss­ver­hält­nis zwi­schen Leis­tung und Gegen­leis­tung begrün­det dies die Sit­ten­wid­rig­keit. Ein sol­ches Miss­ver­hält­nis liegt in der Regel vor, wenn der Wert der Leis­tung den der Gegen­leis­tung um rund 100 % über­steigt.

Dabei kann dahin­ste­hen, ob das Preis­ge­fü­ge der HOAI auch auf einen Bau­be­treu­er anzu­wen­den ist, wenn in den Bau­be­treu­ungs­ver­trag /​Dienstleistungsvertrag ledig­lich Archi­tek­ten- und Inge­nieur­leis­tun­gen in Auf­trag genom­men und hier­für ein Hono­rar ver­langt wird. Das für die­se Leis­tun­gen bezahl­te Hono­rar ist mit dem übli­chen, nach der HOAI berech­ne­ten Hono­rar zu ver­glei­chen.

Ist der Dienst­leis­tungs­ver­trag nich­tig, ist er nach den Grund­sät­zen der unge­recht­fer­tig­ten Berei­che­rung abzu­wi­ckeln. Damit hat die Auf­trag­neh­me­rin die von den Auf­trag­ge­bern erhal­te­ne Ver­gü­tung zurück­zu­zah­len.

Soweit der Auf­trag­neh­me­rin mög­li­cher­wei­se Berei­che­rungs­an­sprü­che gegen die Auf­trag­ge­ber auf­grund der erbrach­ten Archi­tek­ten- und Inge­nieur­leis­tun­gen zuste­hen, steht der Gel­tend­ma­chung die­ser wei­ter­ge­hen­den Ansprü­che § 817 Satz 2 BGB ent­ge­gen.

Land­ge­richt Kiel, Urteil vom 23. März 2013 – 11 O 295/​12