Der Streit um die Miet­hö­he – und sein Streit­wert

Geht es um die Fest­stel­lung der Höhe der Mie­te, so bemisst sich der Streit­wert nach § 3 ZPO mit dem 42-fachen strei­ti­gen Dif­fe­renz­be­trag. Es fehlt an einer plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke und damit an der Vor­aus­set­zung für eine Ana­lo­gie zu § 41 Abs. 5 GKG, der nur Miet­erhö­hun­gen betrifft.

Der Streit um die Miet­hö­he – und sein Streit­wert

Damit folgt das Land­ge­richt Ham­burg im vor­lie­gen­den Fall dem Bun­des­ge­richts­hof 1 und wen­det § 41 Abs. 5 Satz 1 GKG auf den vor­lie­gen­den Streit­fall nicht ana­log an. Gemäß §§ 48 Abs. 1 Satz 1 GKG, §§ 3, 9 ZPO ist dann der drei­ein­halb­fa­che Jah­res­be­trag des strei­ti­gen Betra­ges maß­geb­lich 2. Auch wenn das zitier­te BGH, Urteil zur Min­de­rung ergan­gen ist, so sind die dort auf­ge­führ­ten Grund­sät­ze auf das vor­lie­gen­de Fest­stel­lungs­be­geh­ren man­gels ander­wei­ti­ger gesetz­li­cher Rege­lung über­trag­bar.

Eine direk­te Anwen­dung des § 41 Abs. 5 GKG schei­det auf­grund des ent­ge­gen­ste­hen­den Wort­lau­tes aus.

Für die ana­lo­ge Anwen­dung des § 41 Abs. 5 GKG fehlt es an der plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke. Eine Ana­lo­gie ist nur zuläs­sig, wenn das Gesetz eine plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke ent­hält und der zu beur­tei­len­de Sach­ver­halt in recht­li­cher Hin­sicht so weit mit dem Tat­be­stand, den der Gesetz­ge­ber gere­gelt hat, ver­gleich­bar ist, dass ange­nom­men wer­den kann, der Gesetz­ge­ber wäre bei einer Inter­es­sen­ab­wä­gung, bei der er sich von den glei­chen Grund­sät­zen hät­te lei­ten las­sen wie bei dem Erlass der her­an­ge­zo­ge­nen Geset­zes­vor­schrift, zu dem glei­chen Abwä­gungs­er­geb­nis gekom­men 3. Hier liegt jedoch kein unbe­ab­sich­tig­tes Abwei­chen des Gesetz­ge­bers vor.

§ 41 Abs. 5 GKG regelt die Gebüh­ren­streit­wert­fest­set­zung für den Fall eines Anspruchs des Ver­mie­ters auf Erhö­hung der Wohn­raum­mie­te. Der Gesetz­ge­ber hat mit die­ser Rege­lung die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung über­nom­men 4. Die blo­ße Fest­stel­lung über die Höhe der Mie­te, ohne eine Erhö­hung der Mie­te, wird nicht erfasst. Der Gesetz­ge­ber hat in der Geset­zes­be­grün­dung von § 41 Abs. 5 GKG zum Aus­druck gebracht, dass die­se Norm nur ein spe­zi­el­les Rechts­pro­blem regeln sol­le und kei­ne gene­rel­le Rege­lung für Kla­gen zwi­schen Mie­ter und Ver­mie­ter sein soll­te 5.

Aus den Erwä­gun­gen des Gesetz­ge­bers geht nicht mit hin­rei­chen­der Klar­heit her­vor, dass Strei­tig­kei­ten über die Höhe der Mie­te stets auf den strei­ti­gen Jah­res­be­trag beschränkt sein sol­len. § 41 Abs. 5 GKG soll kei­ne all­ge­mei­ne Begren­zung des Streit­wer­tes im Miet­recht schaf­fen. Eine plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke besteht somit nicht, so dass § 41 Abs. 5 GKG ana­log nicht zur Anwen­dung kommt.

Der Gebüh­ren­streit­wert einer Fest­stel­lungs­kla­ge über die Höhe der Mie­te rich­tet sich viel­mehr nach § 3 ZPO, begrenzt durch den Wert einer ent­spre­chen­den Leis­tungs­kla­ge 6. Nach § 48 Abs. 1 S. 1 GKG, §§ 3, 9 ZPO ist der drei­ein­halb­fa­che Jah­res­be­trag anzu­set­zen.

Land­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 10. Dezem­ber 2018 – 316 T 51/​18

  1. BGH, Urteil vom 14.06.2016 – VIII ZR 43/​15[]
  2. Beck­OK Streitwert/​Meyer, 25. Edi­ti­on, Miet­recht-Mie­te, Rn. 1; vgl. BGH, Beschluss vom 17.03.2004 – XII ZR 162/​00, Rn. 12 ff[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 01.07.2014 – VI ZR 345/​13, Rn. 14 ; vom 16.07.2003 – VIII ZR 274/​02, Rn. 22; vom 13.11.2001 – X ZR 134/​00, Rn. 35[]
  4. vgl. etwa OLG Ham­burg, ZMR 1977, 248 f.; LG Han­no­ver, MDR 1981, 232, 233; LG Ans­bach, WuM 1979, 129 f.[]
  5. BT-Drs. 15/​1971, S. 154 f.[]
  6. Beck­OK Streitwert/​Meyer, a.a.O vgl. BGH, Beschluss vom 17.03.2004 a.a.O.[]