Der Streit­wert einer Stu­fen­kla­ge

Der Streit­wert einer Stu­fen­kla­ge bemisst sich nach dem Wert der Aus­kunft, wenn der Klä­ger von vorn­her­ein ankün­digt, nach Ertei­lung der Aus­kunft in der Leis­tungs­stu­fe nur einen Teil­an­spruch gel­tend zu machen, der unter­halb des Werts des Aus­kunfts­an­spruchs liegt.

Der Streit­wert einer Stu­fen­kla­ge

Der für die Gebüh­ren maß­geb­li­che Streit­wert bestimmt sich gemäß §§ 39 ff. GKG, 3 ff. ZPO nach dem wirt­schaft­li­chen Inter­es­se des Klä­gers, wie es in der Kla­ge­schrift zum Aus­druck kommt. Maß­geb­lich ist der Zeit­punkt der Antrag­stel­lung (§ 40 GKG). Bei der Stu­fen­kla­ge wer­den die Wer­te der ein­zel­nen Stu­fen ent­ge­gen der Grund­re­gel von § 39 Abs. 1 GKG nicht zusam­men­ge­rech­net, son­dern gemäß § 44 GKG aus dem höchs­ten der so ver­bun­de­nen Ansprü­che bestimmt. Dies ist grund­sätz­lich der Leis­tungs­an­spruch, da er im Gegen­satz zu den Vor­be­rei­tungs­an­sprü­chen, wie etwa der Aus­kunft, auf eine Ver­mö­gens­meh­rung beim Klä­ger zielt und des­we­gen das höhe­re wirt­schaft­li­che Gewicht hat. Der Wert des Aus­kunfts­an­trags wird dem­ge­gen­über nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung regel­mä­ßig mit einem Bruch­teil des Leis­tungs­an­trags bewer­tet 1.

Aller­dings for­dert es § 44 GKG 2 nicht, den Wert stets nach dem Leis­tungs­an­trag zu bemes­sen. Für die Wert­be­rech­nung ist der höhe­re der ver­bun­de­nen Ansprü­che maß­geb­lich. Dies lässt offen, ob dies der Leis­tungs­an­spruch oder einer der vor­be­rei­ten­den Ansprü­che ist. Wäre stets der Wert des Leis­tungs­an­trags bestim­mend, wäre die For­mu­lie­rung "der höhe­re" in § 44 GKG unver­ständ­lich.

Eine Beschrän­kung ent­spre­chend dem des ange­kün­dig­ten Leis­tungs­an­trags besteht für das Inter­es­se der Klä­ge­rin an der ange­streb­ten Aus­kunft nicht. Eine Beschrän­kung wäre etwa zu erwä­gen, wenn ledig­lich Aus­kunft dahin­ge­hend ver­langt wer­den wür­de, ob der für die Berech­nung der Pro­vi­si­on maß­geb­li­che Kauf­preis einen Betrag von jeden­falls der Höhe erreicht hat, die den ange­streb­ten Teil der Pro­vi­si­on recht­fer­ti­gen wür­de. Dar­um geht es der Klä­ge­rin aber gera­de nicht. Die Aus­kunft wird über den gesam­ten Kauf­preis ver­langt und wür­de bei Ertei­lung die Klä­ge­rin in die Lage ver­set­zen, die in Anspruch genom­me­ne Gesamt­pro­vi­si­on zu bezif­fern.

Mit die­sem Ergeb­nis läuft § 44 GKG ent­ge­gen der Ansicht der Beschwer­de­füh­rer gera­de nicht leer, son­dern wird die Vor­schrift kon­se­quent ange­wen­det. Die Klä­ge­rin ver­mag sich durch die Kom­bi­na­ti­on der Teil-Leis­tungs­kla­ge mit einem aufs Gan­ze gerich­te­ten Aus­kunfts­be­geh­ren im Übri­gen auch kei­nen der Inten­ti­on des Geset­zes wider­spre­chen­den Vor­teil zu ver­schaf­fen: Wür­de sie die Teil-Leis­tungs­kla­ge auf den vol­len Anspruch erwei­tern, wür­de sich der Streit­wert ent­spre­chend erhö­hen.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 14. Dezem­ber 2012 – 5 W 54/​12

  1. vgl. Schneider/​Herget, Streit­wert­kom­men­tar, 13. Aufl., "Stu­fen­kla­ge" Rz. 5050; Binz/​Dörndorfer/​Petzold/​Zimmermann, GKG, 2. Aufl., § 44 GKG Rz. 3[]
  2. ent­ge­gen den ver­kür­zen­den Dar­stel­lun­gen bei Schneider/​Herget, a.a.O., "Stu­fen­kla­ge" Rz. 5051; anders Binz/​Dörndorfer/​Petzold/​Zimmermann, a.a.O., § 44 GKG Rz. 2: "meis­tens"[]
  3. Anschluss an BFHE 244, 536[]