Der Sturz der Kran­ken­haus­pa­ti­en­tin

Eine Kli­nik haf­tet nicht für den Sturz einer Pati­en­tin bei einem Toi­let­ten­gang, wenn die Pati­en­tin die Toi­let­te allei­ne und ohne mög­li­che Hil­fe­stel­lun­gen des Pfle­ge­per­so­nals auf­sucht.

Der Sturz der Kran­ken­haus­pa­ti­en­tin

In einem jetzt vom Ober­lan­des­ge­richt Hamm ent­schie­de­nen Fall stürt­z­te die 1940 gebo­re­ne Klä­ge­rin aus dem Hoch­sauer­land­kreis im März 2011 auf einer Trep­pe und zog sich eine Frak­tur am lin­ken Ober­arm zu. Die­se wur­de im nahe gele­ge­nen beklag­ten Kran­ken­haus ope­ra­tiv ver­sorgt. Wäh­rend des Kran­ken­haus­auf­ent­hal­tes muss­te sie zudem mit dem Ein­satz einer Total­en­do­pro­the­se an der Hüf­te ope­riert wer­den. Weni­ge Tage nach der Hüft­ope­ra­ti­on stürz­te die Pati­en­tin, als sie die Kran­ken­haus­toi­let­te ohne Unter­stüt­zung des Pfle­ge­per­so­nals auf­such­te. Sie fiel auf einen erhöh­ten Toi­let­ten­sitz zurück, der sich ver­schob. Die Pati­en­tin ver­letz­te sich erneut am lin­ken Ober­arm, als sie ver­such­te, sich abzu­stüt­zen. Auch die­se Ver­let­zung muss­te ope­ra­tiv ver­sorgt wer­den.

Sie ver­lang­te dar­auf­hin vom beklag­ten Kran­ken­haus Scha­dens­er­satz, unter ande­rem ein Schmer­zens­geld in der Grö­ßen­ord­nung von 40.000 €. Unter Hin­weis auf im Schul­ter­be­reich ver­blie­be­ne Schmer­zen hat sie gemeint, ihre Ober­arm­frak­tu­ren sei­en feh­ler­haft ope­riert wor­den. Zudem hat sie gel­tend gemacht, das Kran­ken­haus sei für ihren Sturz auf der Toi­let­te ver­ant­wort­lich, bei dem sie von einem nur lose auf­ge­leg­ten Toi­let­ten­ring gerutscht sei.

Das Scha­dens­er­satz­be­geh­ren der Klä­ge­rin ist erfolg­los geblie­ben. Das OLG Hamm konn­te nach der Anhö­rung eines medi­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen kei­ne feh­ler­haf­te ope­ra­ti­ve Ver­sor­gung der Ober­arm­frak­tu­ren der Pati­en­tin fest­stel­len. Die bei den Ope­ra­tio­nen ver­wand­ten Schrau­ben sei­en ord­nungs­ge­mäß ein­ge­setzt wor­den. Nach der letz­ten Ope­ra­ti­on im Schul­ter­be­reich ver­blie­be­ne Schmer­zen sei­en schick­sal­haft und trä­ten etwa bei einem Drit­tel der Pati­en­ten mit ver­gleich­ba­ren Ver­let­zun­gen auf.

Für den Sturz der Pati­en­tin beim Toi­let­ten­gang sei das beklag­te Kran­ken­haus eben­falls nicht ver­ant­wort­lich. Es kön­ne nicht fest­ge­stellt wer­den, dass die Pati­en­tin durch eine ver­kehrs­un­si­che­re Sani­tär­ein­rich­tung zu Fall gekom­men sei. Die ver­wand­te Toi­let­ten­er­hö­hung sei aus­rei­chend sta­bil befes­tigt gewe­sen, auch wenn sie bei einem Sich-Fal­len­las­sen des Benut­zers aus­ge­he­belt wer­den kön­ne. Dass die Pati­en­tin die Toi­let­te ohne Hil­fe des Pfle­ge­per­so­nals auf­ge­sucht habe, kön­ne dem Kran­ken­haus nicht vor­ge­wor­fen wer­den. Nach den Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen habe sie die Toi­let­te auch nach den durch­ge­führ­ten Ope­ra­tio­nen allei­ne auf­su­chen dür­fen, wenn sich dies selbst zuge­traut habe. Die Pati­en­tin selbst habe ein­ge­räumt, dass sie am Unfall­ta­ge auf Hil­fe des Pfle­ge­per­so­nals ver­zich­tet habe, die Hil­fe aber auf ihr Ver­lan­gen hin bekom­men hät­te. Da die Pati­en­tin die mög­li­che Hil­fe­leis­tung des Pfle­ge­per­so­nals nicht in Anspruch genom­men habe, wir­ke sich ihr Sturz nicht zulas­ten des Kran­ken­hau­ses aus.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 2. Dezem­ber 2014 – 26 U 13/​14