Der Sturz eines Hand­wer­kers vom Dach und die Fol­gen für den Bau­herrn

Die grund­sätz­lich bestehen­de Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht eines Bau­herrn ver­kürzt sich, soweit er Hand­wer­ker mit der Aus­füh­rung von Arbei­ten beauf­tragt. Für die Ein­hal­tung von Siche­rungs­maß­nah­men zur Unfall­ver­hü­tung ist ein pri­va­ter Bau­herr gegen­über einem beauf­trag­ten Fach­mann nicht ver­ant­wort­lich.

Der Sturz eines Hand­wer­kers vom Dach und die Fol­gen für den Bau­herrn

So das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Hand­wer­kers, der vom Dach gestürzt ist und für die Scha­dens­er­satz­kla­ge gegen den ihn beauf­tra­gen­den Bau­herrn Pro­zess­kos­ten­hil­fe begehrt hat. Der in Anspruch genom­me­ne Bau­herr ließ im Febru­ar 2010 durch den an-trag­stel­len­den Elek­tri­ker aus Hei­den eine Pho­to­vol­ta­ik-Anla­ge auf dem Flach­dach sei­ner Hal­le in Velen mon­tie­ren. In Rand­be­reich der Eter­nit-Dach­flä­chen befan­den sich Licht­fel­der aus trans­pa­ren­tem Plas­tik. Ohne Ab-siche­rung der Licht­fel­der führ­te der Antrag­stel­ler die Dach­ar­bei­ten aus. Bei den Arbei­ten trat er ver­se­hent­lich auf ein Licht­feld. Die­ses brach. Der Antrag-stel­ler stürz­te auf den ca. 7 m dar­un­ter lie­gen­den Hal­len­bo­den und ver­letz­te sich schwer. Vom Antrags­geg­ner ver­langt er unter Berück­sich­ti­gung sei­nes über­wie­gen­den Mit­ver­schul­dens Scha­dens­er­satz, u.a. ein Schmer­zens­geld in Höhe von 27.000 Euro. Der Antrags­geg­ner habe die ihm als Bau­herrn ob-lie­gen­den Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten ver­letzt, so der Antrag­stel­ler, weil er kei­ne Anwei­sung zur ord­nungs­ge­mä­ßen Absi­che­rung der Licht­fel­der gege-ben habe. Nach­dem sein Antrag vor dem Land­ge­richt Müns­ter ohne Erfolg geblie­ben ist, ver­folgt der Antrag­stel­ler sein Ziel wei­ter vor dem Ober­lan­des­ge­richt Hamm.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm aus­ge­führt, als pri­va­ter Bau­herr sei der Antrags­geg­ner im Rah­men sei­ner bestehen­den Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht nicht ver­pflich­tet gewe­sen, den als Hand­wer­ker beauf­trag­ten Antrag­stel­ler anzu­wei­sen, die für die Dach­ar­bei­ten erfor­der­li­chen Siche­rungs­maß­nah­men zu ergrei­fen. Die grund­sätz­lich bestehen­de Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht eines Bau­herrn ver­kür­ze sich, soweit er Hand­wer­ker mit der Aus­füh­rung von Arbei­ten beauf­tra­ge. Als Fach­leu­te sei­en Hand­wer­ker mit den aus der Aus­füh­rung ihrer Arbei­ten für sie selbst und für Drit­te ver­bun­de­nen Gefah­ren ver­traut. Des­we­gen habe der Antrags­geg­ner davon aus­ge­hen dür­fen, dass der Antrag­stel­ler die von den Licht­fel­dern aus­ge­hen­den, sofort ersicht­li­chen Gefah­ren erken­ne und sich auf sie ein­stel­le. Die eige­ne Sicher­heit bei der Aus­füh­rung der Arbei­ten habe ein Hand­wer­ker grund­sätz­lich selbst zu gewähr­leis­ten.

Der Bau­herr haf­te im vor­lie­gen­den Fall auch nicht, weil er vor dem Unfall gese­hen habe, dass der Antrag­stel­ler kei­ne spe­zi­el­len Siche­rungs­mit­tel auf das Dach mit­ge­nom­men habe. Er habe anneh­men dür­fen, dass sich der Hand­wer­ker auf ande­re Wei­se schüt­ze, z.B. durch eine beson­ders vor­sich­ti­ge Fort­be­we­gung auf dem Dach. Er habe des­we­gen nicht ein­grei­fen und den Hand­wer­ker zu den Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrif­ten ent­spre­chen­den Siche­rungs­maß­nah­men ver­an­las-sen müs­sen. Für deren Ein­hal­tung sei ein Bau­herr gegen­über einem beauf­trag­ten Fach­mann nicht ver­ant­wort­lich.

Aus die­sen Grün­den kön­ne der Antrag­stel­ler vom Antrags­geg­ner kei­nen Scha­dens­er­satz ver­lan­gen. Daher war die begehr­te Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu ver­sa­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 21. Febru­ar 2014 – 11 W 15/​14