Der Sturz im Dop­pel­schlepp­lift

Der Mit­be­nut­zer eines Dop­pel­schlepp­lifts haf­tet nicht für den Sturz des ande­ren Benut­zers, wenn kein Ver­stoß gegen die all­ge­mei­nen Ver­hal­tens­re­geln des inter­na­tio­na­len Ski­ver­ban­des FIS fest­ge­stellt wer­den kön­nen. Eben­so­we­nig tra­gen meh­re­re ver­schie­de­ne Dar­stel­lun­gen des Gesche­hens­ab­laufs durch die gestürz­te Per­son zur Über­zeu­gung des Gerichts bei.

Der Sturz im Dop­pel­schlepp­lift

So das Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Ski­fah­re­rin, deren Kla­ge gegen den Mit­be­nut­zer eines Dop­pel­schlepp­lifts bereits das Land­ge­richt Coburg [1] abge­wie­sen hat­te. Anfang Janu­ar 2009 fuh­ren die Klä­ge­rin und der spä­te­re Beklag­te mit einem Dop­pel­schlepp­lift in einem Ski­ge­biet. Wäh­rend die­ser Fahrt mit dem Ski­lift kam es zu einem Sturz bei­der Par­tei­en. Nach die­sem Sturz fuhr die Klä­ge­rin min­des­tens noch ein­mal mit dem Schlepp­lift nach oben und von dort wie­der her­un­ter. Die Klä­ge­rin behaup­te­te, dass der Beklag­te habe den Sturz und dadurch einen Bruch in ihrem Hand­ge­lenk ver­ur­sacht. Des­halb woll­te sie min­des­tens 10.000,00 Euro Schmer­zens­geld und über 5.600,00 Euro wei­te­ren Scha­den­er­satz. Am Anfang des Pro­zes­ses hatt­te die Klä­ge­rin behaup­tet, der Beklag­te habe sich hin­ter ihr vor­bei­ge­drän­gelt und sie sei beim Anfah­ren mit dem Lift des­halb so über­rascht gewe­sen, dass sie gestürzt sei. Spä­ter gab sie an, der Beklag­te sei schräg vor ihr mit sei­nen Ski­ern in der Lift­spur und sogar auf ihren Ski­en­den gestan­den. Des­halb sei es zum Sturz gekom­men. Letzt­lich gab die Klä­ge­rin an, dass der Beklag­te den Ski­un­fall dadurch ver­ur­sacht habe, dass er sich gegen ihren Wil­len in den Lift gedrängt habe. Der Beklag­te gab an, dass man gemein­sam im Lift gefah­ren sei. Es habe einen star­ken Ruck gege­ben und bei­de sei­en nach einer kur­zen Stre­cke aus dem Lift gestürzt. Bei dem Sturz habe sich das all­ge­mei­ne Lebens­ri­si­ko beim Benut­zen eines Schlepp­lifts ver­wirk­licht.

Die Klä­ge­rin ver­moch­te das Land­ge­richt Coburg von ihren Anga­ben nicht zu über­zeu­gen. Das Gericht ver­nahm als Zeu­gen den Mann, der den Ski­fah­rern die Schlepp­lift­bü­gel zureich­te. Die­ser ver­moch­te kei­ne der Ver­sio­nen der Klä­ge­rin zu bestä­ti­gen. Das Gericht konn­ten die Anga­ben der Klä­ge­rin auch des­halb nicht über­zeu­gen, weil die­se wäh­rend des Pro­zes­ses min­des­tens drei ver­schie­de­ne Ver­sio­nen des Unfall­her­gangs prä­sen­tier­te. Auch einen Ver­stoß des Beklag­ten gegen die all­ge­mei­nen Ver­hal­tens­re­geln des inter­na­tio­na­len Ski­ver­ban­des FIS konn­te das Gericht nicht fest­stel­len. Das Land­ge­richt hielt es auch für mög­lich, dass es zu einem wei­te­ren Sturz oder sons­ti­gem Unfall­ereig­nis gekom­men war, bei dem sich die Klä­ge­rin ver­letzt haben könn­te. Nach dem Sturz der bei­den Par­tei­en fuhr sie zumin­dest noch ein­mal mit dem Lift die Ski­pis­te hin­auf und anschlie­ßend ab.

Mit die­sem Urteil woll­te sich die Klä­ge­rin nicht zufrie­den geben und zog vor das Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg. Dort streb­te sie die Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens an. In dem soll­te geklärt wer­den, dass es dem Beklag­ten unmög­lich wäre, inner­halb der von der Klä­ge­rin ange­ge­be­nen acht Sekun­den neben ihr eine ord­nungs­ge­mä­ße Stel­lung ein­zu­neh­men.

Das Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg hol­te kein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ein, da zwei von drei Rich­tern selbst alpi­ne Ski­fah­rer waren. Die­se hiel­ten es aus eige­ner Sach­kun­de sehr wohl für mög­lich, inner­halb von acht Sekun­den in eine ord­nungs­ge­mä­ße Posi­ti­on im Schlepp­lift zu gelan­gen. Dazu kam, dass einer der bei­den Rich­ter selbst regel­mä­ßig am Schlepp­lift des Unfall­or­tes Neu­kir­chen Ski fährt. Die­ser wuss­te, dass es sogar Kin­dern mög­lich ist, ord­nungs­ge­mäß in die Lift­spur inner­halb des von der Klä­ge­rin ange­ge­be­nen Zeit­in­ter­valls zu gelan­gen.

Das Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg wies dar­auf hin, dass die mehr­fa­che Ände­rung der Anga­ben durch die Klä­ge­rin durch­grei­fen­de Zwei­fel an ihrer Glaub­wür­dig­keit ergibt. Da die Klä­ge­rin den schrift­li­chen Hin­weis des Ober­lan­des­ge­richts Bam­berg, dass es beab­sich­tigt die Beru­fung zurück­zu­wei­sen, igno­rier­te, wur­de die Beru­fung in einem wei­te­ren Beschluss zurück­ge­wie­sen. Die erfolg­lo­se Klä­ge­rin muss daher auch die vor dem Land­ge­richt Coburg und dem Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg ange­fal­le­nen Kos­ten bezah­len.

Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg, Beschlüs­se vom 15. Okto­ber und 6. Novem­ber 2012 – 6 U 38/​12

  1. LG Coburg, Urteil vom 06.07.2012 – 22 O 600/​11[]