Der Tod des PKH-Antrag­stel­lers

Ein noch nicht abge­schlos­se­nes Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren ist mit dem Tod der den Antrag stel­len­den Pro­zess­par­tei been­det; der den Rechts­streit auf­neh­men­de Rechts­nach­fol­ger kann die­ses Ver­fah­ren nicht fort­füh­ren 1.

Der Tod des PKH-Antrag­stel­lers

Eine nach­träg­li­che Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe zuguns­ten der frü­he­ren Par­tei kommt nach deren Tod nicht mehr in Betracht, selbst wenn das Gericht das Ver­fah­ren pflicht­wid­rig ver­zö­gert hat­te 2.

Aller­dings konn­te der Erbe hier einen neu­en Antrag auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe stel­len 3. Unab­hän­gig von der Fra­ge, ob und unter wel­chen Umstän­den in einer sol­chen Situa­ti­on die auf den Zeit­punkt der Antrag­stel­lung durch den Erb­las­ser rück­wir­ken­de Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe mög­lich ist 4, ist die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Rechts­nach­fol­ger, sofern, wie hier, im Zeit­punkt des Todes der Par­tei über ihr Gesuch um Pro­zess­kos­ten­hil­fe noch nicht ent­schie­den war, nur dann mög­lich, wenn in der Per­son des Rechts­nach­fol­gers die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe vor­lie­gen und wei­ter­hin Erfolgs­aus­sicht besteht 5.

Eine unbil­li­ge Här­te für den Beklag­ten liegt hier­in selbst für den Fall nicht, dass – was hier in Betracht kom­men mag – im Zeit­punkt des Todes des frü­he­ren Beklag­ten über des­sen Gesuch um Pro­zess­kos­ten­hil­fe noch nicht ent­schie­den war, weil das Gericht das Ver­fah­ren pflicht­wid­rig ver­zö­gert hat­te, und die Erfolgs­aus­sicht der Rechts­ver­tei­di­gung in der Per­son des Ver­stor­be­nen zu einem frü­he­ren Zeit­punkt vor­lag. Für den Beklag­ten bestand die Mög­lich­keit, von einer strei­ti­gen Fort­füh­rung des Rechts­streits abzu­se­hen 6. Sei­ne nach § 29 Nr. 3 GKG, §§ 1922, 1967 Abs. 1 BGB grund­sätz­lich bestehen­de 7Haf­tung für bereits vor dem Tod der frü­he­ren Par­tei ent­stan­de­ne Kos­ten kann der Erbe jeden­falls nach den all­ge­mei­nen erbrecht­li­chen Vor­schrif­ten beschrän­ken 8. Anlass zu wei­ter­ge­hen­dem Schutz besteht nicht.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 5. Mai 2011 – 13 W 20/​11

  1. vgl. OLG Frank­furt, Fam­RZ 2007, 1995; OLG Olden­burg, Fam­RZ 2010, 1587[]
  2. vgl. etwa OLG Olden­burg, Fam­RZ 2010, 1587 m. w. N., auch zur Gegen­auf­fas­sung; Musielak/​Fischer, ZPO, 8. Aufl., § 119 Rn. 15; Fischer, Rpfle­ger 2003, 637, 639[]
  3. vgl. etwa OLG Frank­furt, Fam­RZ 2007, 1995; Kalthoe­n­er/Bütt­ner/W­ro­bel-Sachs, Pro­zess- und Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe, Bera­tungs­hil­fe, 5. Aufl., Rn. 520; Musielak/​Fischer, a.a.O., § 119 Rn. 15[]
  4. hier­zu etwa BSG, MDR 1988, 610, 611; OLG Frank­furt, NJW-RR 1996, 776; Kalthoe­n­er/Bütt­ner/W­ro­bel-Sachs, a.a.O., Rn. 520; Münch­Komm-ZPO/­Mot­zer, 3. Aufl., § 114 Rn. 53, § 119 Rn. 55; Fischer, Rpfle­ger 2003, 637, 638 f.[]
  5. Münch­Komm-ZPO/­Mot­zer, a.a.O., § 114 Rn. 53, § 119 Rn. 55; vgl. auch OLG Hamm, MDR 1977, 409; OLG Karls­ru­he, Fam­RZ 1999, 240, 241; OLG Bran­den­burg, Fam­RZ 2002, 1199, 1200; Fischer, Rpfle­ger 2003, 637, 638 f.[]
  6. vgl. hier­zu etwa OLG Zwei­brü­cken, NJW 1968, 1635, 1636; Zöller/​Herget, ZPO, 28. Aufl., § 93 Rn. 6 „Erbe“; Zöller/​Geimer, a.a.O., § 114 Rn. 25[]
  7. vgl. OLG Düs­sel­dorf, NJW-RR 1999, 1086[]
  8. vgl. etwa OLG Mün­chen, Jur­Bü­ro 1994, 112; Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, ZPO, 69. Aufl., § 780 Rn. 7; Fischer, Rpfle­ger 2003, 637, 639; auch Som­mer­feld, Rpfle­ger 1989, 113[]