Der Umzug in ein ande­res Urlaubs­ho­tel

Die Anzei­ge von Rei­se­män­geln bei der Hotel­re­zep­ti­on ist nicht aus­rei­chend, viel­mehr sind die Män­gel dem Rei­se­un­ter­neh­men oder des­sen Ver­tre­tern anzu­zei­gen. Das Ange­bot eines Umzu­ges in ein ande­res Hotel ist für einen Rei­sen­den zumut­bar, auch wenn der Urlaub nur noch vier Tage dau­ert.

Der Umzug in ein ande­res Urlaubs­ho­tel

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­ge­den Fall die Kla­ge eines Paa­res abge­wie­sen, die wegen Rei­se­män­gel vom Rei­se­ver­an­stal­ter einen Teil des Rei­se­prei­ses zurück­ver­langt und Scha­dens­er­satz gefor­dert haben. Das Paar buch­te für Mit­te Juli 2011 eine 14-tägi­ge All-inclu­si­ve-Pau­schal­rei­se auf die grie­chi­sche Halb­in­sel Chal­ki­di­ki zum Preis von 1946 Euro. Dort ange­kom­men, fan­den die Rei­sen­den nach ihrer Mei­nung vie­ler­lei Män­gel vor: groß­flä­chi­ge Schim­mel­ab­la­ge­run­gen an den Wän­den des Bades und an der Dusch­wan­ne, Gebrauchs­spu­ren der vor­he­ri­gen Nut­zer an Toi­let­ten­bürs­te und Zahn­putz­be­cher, lose aus der Wand hän­gen­de Steck­do­sen, schmut­zi­ge Wäsche, eine zer­split­ter­te Bal­kon­tür, eine defek­te Kli­ma­an­la­ge, ein schmut­zi­ger Pool, einen ver­wil­der­ten Beach­vol­ley­ball­platz, defek­te Lie­gen und Son­nen­schir­me, lieb­lo­se Mahl­zei­ten und ver­schmutz­te Tische. Die­se Män­gel zeig­te das Paar aber erst 10 Tage nach Ankunft der Rei­se­lei­tung an. Die­se bot einen kos­ten­frei­en Umzug in ein ande­res Hotel an. Dies lehn­ten die Urlau­ber aber ab. Statt­des­sen ver­lang­ten sie nach ihrer Rück­kehr vom Rei­se­ver­an­stal­ter 1167 Euro vom Rei­se­preis zurück sowie jeweils 973 Euro Scha­den­er­satz wegen ver­ta­ner Urlaubs­zeit, also ins­ge­samt 3113 Euro. Das Rei­se­un­ter­neh­men wei­ger­te sich zu zah­len. Zum einen bestrei­te es die Män­gel, die auch viel zu spät ange­zeigt wur­den. Im Übri­gen habe man als Kulanz einen Umzug ange­bo­ten. Die­ses Ange­bot sei nicht ange­nom­men wor­den. Dar­auf­hin ist Kla­ge vor dem Amts­ge­richt Mün­chen erho­ben wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen bestün­de schon für die ers­ten 10 Tage kein Anspruch, da das Paar in die­sem Zeit­raum die Män­gel nicht dem Rei­se­un­ter­neh­men oder des­sen Ver­tre­tern ange­zeigt habe. Eine Anzei­ge bei der Hotel­re­zep­ti­on sei dies­be­züg­lich nicht aus­rei­chend. Die­se sei auch nicht der Erfül­lungs­ge­hil­fe der Rei­se­lei­tung und habe die Rei­sen­den auch an die­se ver­wie­sen. Eine sol­che Anzei­ge sei auch erfor­der­lich, um der Rei­se­ver­an­stal­tung die Mög­lich­keit der Abhil­fe zu geben.

Auch für die letz­ten Tage bestün­den kei­ne Ansprü­che. Nach der Män­gel­an­zei­ge habe die Rei­se­lei­tung sofort einen kos­ten­frei­en Umzug in ein ande­res Hotel ange­bo­ten. Dies sei von den Urlau­bern abge­lehnt wor­den. Ein sol­cher Umzug wäre aber zumut­bar gewe­sen, auch vor dem Hin­ter­grund, dass der Urlaub nur noch vier Tage dau­er­te. Ein kos­ten­frei­er Umzug sei für ein Paar ohne Kin­der unpro­ble­ma­tisch in kur­zer Zeit mög­lich. Damit hät­ten die Rei­sen­den auch für die letz­ten Tage einen etwai­gen Min­de­rungs­an­spruch oder Scha­den­er­satz­an­spruch ver­lo­ren.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 12. April 2013 – 264 C 25862/​11