Der Unfall beim Kite­sur­fen

Ein im Kite­sur­fen unkun­di­ger 15jähriger, der beim Kite­sur­fen durch einen Unfall schwer ver­letzt wird, hat kei­nen Anspruch auf Scha­dens­er­satz gegen die Bekann­ten, die ihm die Kite-Aus­rüs­tung über­las­sen und Start­hil­fe geleis­tet haben, wenn kein pflicht­wid­ri­ges und schuld­haf­tes Ver­hal­ten vor­liegt.

Der Unfall beim Kite­sur­fen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Scha­dens­er­satz­kla­ge eines seit dem Unfall beim Kite­sur­fen quer­schnitts­ge­lähm­ten Klä­gers abge­wie­sen und damit das erst­in­stanz­li­che Urteil des Land­ge­richts Essen bestä­tigt. Der sei­ner­zeit 15jährige und im Kite­sur­fen unkun­di­ge Klä­ger aus Marl hat­te am 12.04.2008 auf dem Strand von Kij­du­in (Nie­der­lan­de) die gelie­he­ne Kite-Aus­rüs­tung der 26 Jah­re alten Beklag­ten ange­legt und unter­nahm mit Hil­fe des 28 Jah­re alten Beklag­ten einen Start­ver­such. Zu die­ser Zeit befand sich ein mit ihm ange­reis­ter und im Kite­sur­fen erfah­re­ner Beglei­te­ter auf dem Meer. Bei dem Start­ver­such wur­de der Klä­ger mit dem Kite von einer Wind­boe erfasst und prall­te gegen eine min­des­tens 50 m ent­fernt lie­gen­de Strand­bu­de. Dabei erlitt der Klä­ger so schwe­re Ver­let­zun­gen, dass er seit­her vom Kopf abwärts quer­schnitts­ge­lähmt ist.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hät­ten die Beklag­ten zwar den zur Ver­let­zung des Klä­gers füh­ren­den Gesche­hens­ab­lauf in Gang gesetzt. Ein pflicht­wid­ri­ges und schuld­haf­tes Ver­hal­ten ihrer­seits sei aber nicht fest­stell­bar. Dass sie sich über die Anwei­sung des wei­te­ren Beglei­ters, der die Ver­ant­wor­tung für den min­der­jäh­ri­gen Klä­ger gehabt habe, hin­weg­ge­setzt hät­ten, sei nicht bewie­sen. Ein Feh­ler des Beklag­ten durch eine fal­sche Hal­tung des Kites beim Start­ver­such ste­he eben­falls nicht fest. Den Beklag­ten sei auch nicht die Wahl eines unge­eig­ne­ten Start­plat­zes vor­zu­wer­fen oder anzu­las­ten, dass sie den Klä­ger bei zu star­kem Wind hät­ten star­ten las­sen. Da sie selbst Anfän­ger im Kite­sur­fen gewe­sen sei­en, hät­ten sie die Wind­stär­ke von 5 bis 6 nicht als zu stark­ein­schät­zen müs­sen, zumal der wei­te­re Beglei­ter den Wind am Mor­gen des Unfall­ta­ges als gut bezeich­net habe.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 10. Dezem­ber 2012 – I‑6 U 57/​12