Der Unfall zwi­schen Auto und Fuß­gän­ger – und die Abwä­gung der Ver­ur­sa­chungs­bei­trä­ge

Bei einem Unfall zwi­schen einem Fuß­gän­ger und einem Kraft­fahr­zeug darf bei der Abwä­gung der Ver­ur­sa­chungs­an­tei­le im Rah­men des § 254 Abs. 1 BGB nur schuld­haf­tes Ver­hal­ten des Fuß­gän­gers ver­wer­tet wer­den, von dem fest­steht, dass es zu dem Scha­den oder zu dem Scha­dens­um­fang bei­getra­gen hat. Die Beweis­last für den unfall­ur­säch­li­chen Mit­ver­schul­dens­an­teil des Fuß­gän­gers trägt regel­mä­ßig der Hal­ter des Kraft­fahr­zeugs.

Der Unfall zwi­schen Auto und Fuß­gän­ger – und die Abwä­gung der Ver­ur­sa­chungs­bei­trä­ge

Fah­rer, Hal­ter und Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Autos haben auch ohne den Beweis eines Ver­schul­dens des Fuß­gän­gers grund­sätz­lich auf­grund der Betriebs­ge­fahr des Fahr­zeu­ges für den unfall­be­ding­ten Scha­den gemäß § 7 Abs. 1, § 11 Satz 2 StVG, § 115 Abs. 1 VVG ein­zu­ste­hen, wenn sie nicht den Beweis der Ver­ur­sa­chung durch höhe­re Gewalt gemäß § 7 Abs. 2 StVG füh­ren kön­nen.

Da der Fuß­gän­ger weder Hal­ter noch Füh­rer eines betei­lig­ten Fahr­zeu­ges war, kommt eine Anspruchs­kür­zung nach den §§ 17, 18 StVG nicht in Betracht. Fah­rer, Hal­ter und Haft­pflicht­ver­si­che­rer des Kraft­fahr­zeugs haf­ten dem Fuß­gän­ger grund­sätz­lich als Gesamt­schuld­ner in vol­lem Umfang. Die Gefähr­dungs­haf­tung kann aller­dings im Rah­men der Abwä­gung nach § 9 StVG, § 254 Abs. 1 BGB ent­fal­len, wenn die im Vor­der­grund ste­hen­de Scha­dens­ur­sa­che ein grob ver­kehrs­wid­ri­ges Ver­hal­ten des Geschä­dig­ten dar­stellt 1. Die Abwä­gung nach § 9 StVG, § 254 Abs. 1 BGB setzt jedoch stets die Fest­stel­lung eines haf­tungs­be­grün­den­den Tat­be­stan­des auf der Sei­te des Geschä­dig­ten vor­aus. Die für die Abwä­gung maß­ge­ben­den Umstän­de müs­sen fest­ste­hen, d.h. unstrei­tig, zuge­stan­den oder nach § 286 ZPO bewie­sen und für die Ent­ste­hung des Scha­dens ursäch­lich gewor­den sein 2. Nur ver­mu­te­te Tat­bei­trä­ge oder die blo­ße Mög­lich­keit einer Scha­dens­ver­ur­sa­chung auf­grund geschaf­fe­ner Gefähr­dungs­la­ge haben außer Betracht zu blei­ben 3. Für die Abwä­gung der Ver­ur­sa­chungs­an­tei­le im Rah­men des § 254 Abs. 1 BGB ist mit­hin nur das Ver­hal­ten des Fuß­gän­gers maß­ge­bend, das sich erwie­se­ner­ma­ßen als Gefah­ren­mo­ment in dem Unfall ursäch­lich nie­der­ge­schla­gen hat 4.

Man­gels aus­rei­chen­der Fest­stel­lun­gen zum Unfall­her­gang ergibt sich ein der­art über­wie­gen­des Mit­ver­schul­den des Fuß­gän­gers am Zustan­de­kom­men des Unfalls nicht bereits dar­aus, dass die­ser in erheb­lich alko­ho­li­sier­tem Zustand unter Ver­stoß gegen § 25 Abs. 3 StVO die Stra­ße über­quer­te, ohne auf den Fahr­zeug­ver­kehr zu ach­ten.

Bei einer Nicht­be­weis­bar­keit des Unfall­her­gangs tra­gen nach all­ge­mei­nen Beweis­grund­sät­zen 5 Fah­rer, Hal­ter und Haft­pflicht­ver­si­che­rer des Kraft­fahr­zeugs die Beweis­last für den unfall­ur­säch­li­chen Mit­ver­schul­dens­an­teil des Fuß­gän­gers und nicht der Fuß­gän­ger.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2013 – VI ZR 255/​12

  1. st. Rspr., vgl. BGH, Urtei­le vom 21.12.1955 – VI ZR 63/​55, VersR 1956, 238 f.; vom 12.10.1965 – VI ZR 81/​64, VersR 1966, 39 f.; vom 18.03.1969 – VI ZR 242/​67, VersR 1969, 571, 572 und vom 13.02.1990 – VI ZR 128/​89, VersR 1990, 535, 536[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 15.11.1960 – VI ZR 30/​60, VersR 1961, 249, 250; vom 08.01.1963 – VI ZR 35/​62, VersR 1963, 285, 286; vom 29.11.1977 – VI ZR 51/​76, VersR 1978, 183, 185; vom 10.01.1995 – VI ZR 247/​94, VersR 1995, 357, 358 und vom 21.11.2006 – VI ZR 115/​05, VersR 2007, 263 Rn. 15 ff.; BGH, Urteil vom 20.02.2013 – VIII ZR 339/​11, NJW 2013, 2018 Rn. 34[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 20.03.2012 – VI ZR 3/​11, VersR 2012, 865 Rn. 12[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 10.01.1995 – VI ZR 247/​94 aaO[]
  5. vgl. Baumgärtel/​Helling, Hand­buch der Beweis­last 3. Aufl. § 254 Rn. 6 f.[]