Der unzu­stän­di­ge Rich­ter – und das Ein­ver­ständ­nis der Par­tei­en

Die Maß­nah­me, einen – hier: nach Ände­rung der Mit­wir­kungs­grund­sät­ze des zustän­di­gen Zivil­se­nats – nicht mehr zustän­di­gen Rich­ter wegen sei­ner Teil­nah­me an einem frü­he­ren Ver­hand­lungs­ter­min gleich­wohl hin­zu­zu­zie­hen, ent­zieht den Par­tei­en den gesetz­li­chen Rich­ter, wenn sie nicht auf­grund einer feh­ler­haf­ten Aus­le­gung der für die Geschäfts­ver­tei­lung maß­ge­ben­den Rege­lun­gen, son­dern trotz der Erkennt­nis getrof­fen wird, dass sie den Mit­wir­kungs­grund­sät­zen des Senats wider­sprach. Der dar­in lie­gen­de Ver­stoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG ist ein abso­lu­ter Revi­si­ons­grund (§ 547 Nr. 1 ZPO).

Der unzu­stän­di­ge Rich­ter – und das Ein­ver­ständ­nis der Par­tei­en

Das im Ver­hand­lungs­ter­min erklär­te Ein­ver­ständ­nis der Par­tei­en mit der Mit­wir­kung des Rich­ters am Land­ge­richt J. und ihr Ver­zicht auf eine "Beset­zungs­rü­ge" ändern an die­ser Beur­tei­lung nichts. Das Recht auf den gesetz­li­chen Rich­ter ist unver­zicht­bar, da die Ein­hal­tung der Beset­zungs­vor­schrif­ten im öffent­li­chen Inter­es­se liegt 1; die Vor­schrift des § 295 ZPO fin­det bei einem Ver­stoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG kei­ne Anwen­dung 2.

Etwas ande­res lässt sich daher auch nicht aus dem Ver­bot wider­sprüch­li­chen Ver­hal­tens ablei­ten. Die Unver­zicht­bar­keit des gesetz­li­chen Rich­ters kann durch einen Rück­griff auf den Grund­satz von Treu und Glau­ben nicht unter­lau­fen wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Okto­ber 2013 – II ZR 112/​11

  1. BGH, Beschluss vom 21.04.1993 BLw 40/​92, WM 1993, 1656, 1658; Musielak/​Ball, ZPO, 10. Aufl., § 547 Rn. 6[]
  2. BGH, Urteil vom 16.10.2008 IX ZR 183/​06, ZIP 2009, 91 Rn. 13; Münch­Komm-ZPO/Prüt­ting, 4. Aufl., § 295 Rn. 22, jew. mwN[]