Der ver­pass­te Abflug

Geht aus der Buchungs­be­stä­ti­gung her­vor, wann ein Rück­flug statt­fin­den soll und sind auch einem Aus­hang im Hotel die­se Infor­ma­tio­nen zu ent­neh­men, liegt kei­ne schuld­haf­te Pflicht­ver­let­zung der Rei­se­ver­an­stal­te­rin vor, wenn Rei­sen­de ihren Rück­flug ver­pas­sen.

Der ver­pass­te Abflug

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall eine Kla­ge auf Scha­dens­er­satz gegen eine Münch­ner Rei­se­ver­an­stal­te­rin auf Zah­lung von 1.622,97 Euro abge­wie­sen. Für sich, ihren Ehe­mann und zwei Kin­der buch­te die im Raum Kai­sers­lau­tern leben­de Klä­ge­rin für 3.212 Euro eine Pau­schal­rei­se vom 24.12.2017 bis 05.01.2018 nach Hur­gha­da. Sie behaup­tet, es habe vor Ort kei­ne Infor­ma­tio­nen über den Rück­flug und den Trans­fer zum Flug­ha­fen gege­ben. Eine Rei­se­lei­tung sei auch bei mehr­fa­chen Ver­su­chen nicht über die ange­ge­be­nen Num­mern erreich­bar gewe­sen. Es sei an der Tafel ein Blatt Papier ange­hef­tet gewe­sen, das als Abrei­se­infor­ma­ti­on bezeich­net wor­den sei. Dort sei auf­ge­lis­tet wor­den, dass am 05.01.2018 um 22.30 Uhr die Abho­lung statt­fin­den sol­le. Bereits am 02.01.2018 habe sich die Klä­ge­rin in dem vor­ge­se­he­nen Ord­ner nach der Abflug­zeit erkun­digt, wonach die­ser am 05.01.2018 um 22.30 Uhr sein soll­te. Am Mor­gen des 05.01.2018 habe der Rei­se­lei­ter der Beklag­ten bestä­tigt, dass der Flug am Abend gehen wür­de. Am 05.01.2018 habe sich um 22.45h dann her­aus­ge­stellt, dass der regu­lä­re Heim­flug bereits in der vor­an­ge­gan­ge­nen Nacht erfolgt sei. Der Aus­hang sei zumin­dest sehr miss­ver­ständ­lich gewe­sen. Vor der Abfahrt zum Flug­ha­fen hät­te sei­tens der Rei­se­lei­tung geklärt wer­den müs­sen, ob noch Gäs­te im Hotel oder bereits auf dem Weg zum Flug­ha­fen sind.

Ein kurz­fris­ti­ger Rück­flug hät­te 1.300 Euro pro Per­son gekos­tet. Die Klä­ge­rin und ihre Fami­lie hät­ten sich ent­schie­den vier Tage in einem Ersatz­ho­tel zu blei­ben und für 852,87 Euro zurück­zu­flie­gen. Wei­ter sei­en 50 Euro an Taxi­kos­ten zum Flug­ha­fen, 120 Euro für eine wei­te­re Nacht in dem Ursprungs­ho­tel, 560 Euro für vier Über­nach­tun­gen in dem Ersatz­ho­tel sowie Taxi­kos­ten von 50 Euro zu dem Ersatz­ho­tel ange­fal­len.

Die Beklag­te trägt vor, sie habe in den Rei­se­un­ter­la­gen fol­gen­den Hin­weis erteilt: „Hin­weis zur Rück­flug­be­stä­ti­gung: Die­se erfolgt durch ihre Rei­se­lei­tung. Bit­te beach­ten Sie die Infor­ma­tio­nen in den Infom­ap­pen oder an den Info­ta­feln im Hotel bzw. kon­tak­tie­ren Sie ihre Rei­se­lei­tung 1 – 2 Tage vor Rück­flug“. Es sei­en im aus­ge­hän­dig­ten Info­blatt die Kon­takt­da­ten der rund um die Uhr erreich­ba­ren ört­li­chen Agen­tur der Beklag­ten mit­ge­teilt wor­den. Aus der Abrei­se­infor­ma­ti­on erge­be sich ein­deu­tig, wann die Abho­lung erfol­gen soll­te: Aus der Lis­te sei die Flug­num­mer und die Abflug­zeit 2:15 Uhr zu erse­hen gewe­sen, wie sie bereits in der ursprüng­li­chen Buchungs­be­stä­ti­gung gestan­den sei. In der ers­ten Zei­le wer­de klar­ge­stellt „Abhol­zeit ist Don­ners­tag auf Frei­tag“. Da der Flug am 05.01.2018 um 2:15 Uhr statt­fand, sei damit hin­rei­chend klar­ge­macht, dass die Abho­lung am Vor­tag um 22.30 Uhr erfol­gen soll­te.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen dar­auf ver­wie­sen, dass aus der von der Beklag­ten vor­ge­leg­ten Buchungs­be­stä­ti­gung her­vor­geht, dass der Rück­flug für die Klä­ge­rin und die Mit­rei­sen­den von Hur­gha­da nach Frank­furt am 05.01.2018 (…) um 2:15 Uhr statt­fin­det. (…) Der von der Klä­ge­rin erwähn­te Ord­ner aus der sich eine Abflug­zeit am 05.01.2018 um 22:30 Uhr erge­ben soll wur­de nicht als Beweis vor­ge­legt. Im Übri­gen wider­spricht dies ihrem Vor­trag, dass sie davon aus­ge­gan­gen ist, dass die Abho­lung zum Flug­ha­fen zu die­sem Zeit­punkt statt­fin­det.

Des­wei­te­ren gab es im Hotel einen Aus­hang, der die Abrei­se­infor­ma­tio­nen ent­hielt und den die Klä­ge­rin nach ihren eige­nen Anga­ben zur Kennt­nis genom­men hat. In der ers­ten Zei­le wird fett­ge­druckt in gro­ßen Buch­sta­ben dar­auf hin­ge­wie­sen: „Abhol­zeit ist Don­ners­tag auf Frei­tag“. Die­ser Hin­weis ist unmiss­ver­ständ­lich. Danach kommt in sehr gro­ßen fett­ge­druck­ten Buch­sta­ben die Abrei­se­infor­ma­ti­on. In der 8. – 11. Zei­le sind die Namen der Klä­ge­rin und der Mit­rei­sen­den das Datum 05.01.2018, die Abflug­zeit 2:15 Uhr und die Abhol­zeit 22:30 ange­ge­ben. Auch die Infor­ma­ti­on zur Abflug­zeit war unmiss­ver­ständ­lich. (…) Es ver­steht sich von selbst, dass die Abho­lung vor dem Abflug statt­fin­det.“

Eine feh­len­de Erreich­bar­keit des Rei­se­lei­ters am 05.01.2018 sei uner­heb­lich, da der Flug dann bereits statt­ge­fun­den habe. „Selbst wenn ein Rei­se­lei­ter nicht erreich­bar gewe­sen sein soll­te, waren die Infor­ma­tio­nen der Beklag­te aus­rei­chend und ein­deu­tig. Die Flug­zei­ten waren sowohl in der Buchungs­be­stä­ti­gung auf­ge­führt als auch auf dem Infor­ma­ti­ons­blatt zu dem Abflug. Im Übri­gen ist es heut­zu­ta­ge kein Pro­blem sich über die Flug­zei­ten zu infor­mie­ren. Aus den genann­ten Grün­den lag eine schuld­haf­te Pflicht­ver­let­zung der Beklag­ten nicht vor. Die Klä­ge­rin hat kei­nen Anspruch auf Scha­dens­er­satz wegen Ver­let­zung von Infor­ma­ti­ons­pflich­ten der Beklag­ten. Die Kla­ge war abzu­wei­sen.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 5. Okto­ber 2018 – 123 C 9082/​18

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 10.01.2018 XII ZB 451/​17 Fam­RZ 2018, 445[]