Der ver­spä­te­te Rück­flug – Rei­se­preis­min­de­rung oder Aus­gleichs­zah­lung?

Ver­spä­tet sich der Rück­flug, steht dem Rei­sen­den grund­sätz­lich sowohl ein Recht auf Aus­gleichs­zah­lung wegen der Flug­ver­spä­tung als auch auf Rei­se­preis­min­de­rung zu. Der Rei­sen­de kann die­se bei­den Rech­te jedoch nicht kumu­la­tiv gel­tend machen, er muss sich viel­mehr Aus­gleichs­zah­lun­gen nach der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung auf sei­nen Rei­se­preis­min­de­rungs­an­spruch anrech­nen las­sen.

Der ver­spä­te­te Rück­flug – Rei­se­preis­min­de­rung oder Aus­gleichs­zah­lung?

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall buch­te die Klä­ge­rin für sich und ihren Ehe­mann bei der beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­te­rin eine Kreuz­fahrt ab und nach Dubai inklu­si­ve Hin- und Rück­flug. Der Rück­flug nach Deutsch­land erfolg­te 25 Stun­den spä­ter als vor­ge­se­hen. Die aus­füh­ren­de Flug­ge­sell­schaft zahl­te an die Klä­ge­rin und ihren Ehe­mann jeweils 600 € wegen erheb­li­cher Ver­spä­tung nach Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung (EG) Nr. 261/​2004. Sodann mach­te die Klä­ge­rin wegen der Flug­ver­spä­tung gegen die beklag­te Rei­se­ver­an­stal­te­rin auf­grund des deut­schen Rei­se­ver­trags­rechts einen Min­de­rungs­an­spruch nach § 651d Abs. 1 BGB in Höhe von fünf Pro­zent des antei­li­gen Tages­rei­se­prei­ses ab der fünf­ten Stun­de der Ver­spä­tung gel­tend.

Die Par­tei­en strei­ten dar­über, ob nach Art. 12 Abs. 1 Satz 2 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung die Leis­tun­gen der Flug­ge­sell­schaft auf den gel­tend gemach­ten Min­de­rungs­an­spruch anzu­rech­nen sind. Die Klä­ge­rin meint, eine Anrech­nung kom­me nicht in Betracht, weil es sich bei der Min­de­rung des Rei­se­prei­ses nicht um einen Scha­dens­er­satz­an­spruch im Sin­ne die­ser Bestim­mung han­de­le.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Bonn hat die Aus­gleichs­leis­tun­gen ange­rech­net und die Kla­ge abge­wie­sen1. Die dage­gen gerich­te­te Beru­fung blieb vor dem Land­ge­richt Bonn eben­falls ohne Erfolg2. Der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te nun die­se Bon­ner Inst­anz­ur­tei­le und wies die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Klä­gers zurück:

Für die Qua­li­fi­ka­ti­on eines Anspruchs als wei­ter­ge­hen­der Scha­dens­er­satz­an­spruch i.S.v. Art. 12 Abs. 1 der Ver­ord­nung ist ent­schei­dend, ob dem Flug­gast mit dem Anspruch eine Kom­pen­sa­ti­on für durch die Nicht- oder Schlech­ter­fül­lung der Ver­pflich­tung zur Luft­be­för­de­rung, etwa durch eine gro­ße Ver­spä­tung, ent­stan­de­ne Beein­träch­ti­gun­gen gewährt wird. Bei die­sen Beein­träch­ti­gun­gen kann es sich auch um einen imma­te­ri­el­len Scha­den wie die dem Flug­gast durch die gro­ße Ver­spä­tung ver­ur­sach­ten Unan­nehm­lich­kei­ten han­deln. Da die ver­lang­te Min­de­rung im Streit­fall aus­schließ­lich zum Aus­gleich der­sel­ben, durch den ver­spä­te­ten Rück­flug beding­ten Unan­nehm­lich­kei­ten die­nen soll­te, für die bereits die Aus­gleichs­leis­tun­gen erbracht waren, war die Anrech­nung gebo­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Sep­tem­ber 2014 – – X ZR 126/​13

  1. AG Bonn, Urteil vom 13.05.2013 – 113 C 204/​12 []
  2. LG Bonn, Urteil vom 26.09.2013 – 8 S 156/​13 []