Der Voll­stre­ckungs­ti­tel und die Umfir­mie­rung des Voll­stre­ckungs­gläu­bi­gers

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs steht die blo­ße Ände­rung des Namens oder der Fir­ma einer Par­tei der Voll­stre­ckung eines Titels dann nicht ent­ge­gen, wenn der Gläu­bi­ger die Per­so­nen­iden­ti­tät dem zustän­di­gen Voll­stre­ckungs­or­gan durch ent­spre­chen­de Urkun­den zwei­fels­frei nach­weist.

Der Voll­stre­ckungs­ti­tel und die Umfir­mie­rung des Voll­stre­ckungs­gläu­bi­gers

Dass die Namens­än­de­rung bzw. Umfir­mie­rung einer Par­tei in der Voll­stre­ckungs­klau­sel nicht ver­merkt wird, führt ledig­lich dazu, dass das zustän­di­ge Voll­stre­ckungs­or­gan, das zu eige­nen Ermitt­lun­gen hin­sicht­lich der Par­teiiden­ti­tät zwar berech­tigt, aber nicht ver­pflich­tet ist, die Durch­füh­rung der Voll­stre­ckung mit der Begrün­dung ver­wei­gern kann, die Iden­ti­tät las­se sich nicht zwei­fels­frei fest­stel­len1.

Der Schuld­ner­schutz gebie­tet nicht den Ver­merk der Namens­än­de­rung und die anschlie­ßen­de Zustel­lung der Voll­stre­ckungs­klau­sel. Der Anspruch des Schuld­ners auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs, dem das Zustel­lungs­er­for­der­nis (§ 750 Abs. 1 ZPO) dient2, ist durch die Zustel­lung des den ursprüng­li­chen Namen des Gläu­bi­gers ent­hal­ten­den Titels nebst Voll­stre­ckungs­klau­sel gewahrt. Die­se Zustel­lung unter­rich­tet ihn aus­rei­chend über die förm­li­chen Grund­la­gen der Zwangs­voll­stre­ckung und gibt ihm aus­rei­chend Gele­gen­heit, deren Zuläs­sig­keit zu prü­fen und Ein­wen­dun­gen gel­tend zu machen3. Denn das Bei­be­hal­ten der ursprüng­li­chen Gläu­bi­ger­be­zeich­nung spricht – anders als bei der einem Rechts­nach­fol­ger erteil­ten Klau­sel – für die Per­so­nen­iden­ti­tät zwi­schen dem dama­li­gen und dem nun­mehr die Zustel­lung ver­an­las­sen­den Gläu­bi­ger.

Nimmt der Schuld­ner an, die­ser Gläu­bi­ger sei nicht iden­tisch mit dem ursprüng­li­chen Gläu­bi­ger, kann er die Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge gemäß § 767 ZPO erhe­ben.

Sieht er davon ab, kann er gegen spä­te­re Voll­stre­ckungs­maß­nah­men, wel­che die Beja­hung der Iden­ti­tät durch das Voll­stre­ckungs­or­gan vor­aus­set­zen, die dafür vor­ge­se­he­nen Rechts­be­hel­fe erhe­ben. So kann er gegen die Anord­nung der Zwangs­ver­stei­ge­rung die Voll­stre­ckungs­er­in­ne­rung gemäß § 766 ZPO ein­le­gen, wenn er – wie regel­mä­ßig – vor­her nicht zu dem Anord­nungs­an­trag ange­hört wor­den ist4. Wur­de er vor­her ange­hört, steht ihm gemäß § 95 ZVG die sofor­ti­ge Beschwer­de gegen den Anord­nungs­be­schluss zu. Sei­ne Rech­te sind somit aus­rei­chend gewahrt5.

  1. BGH, Beschluss vom 21.07.2011 – I ZB 93/​10, NJW-RR 2011, 1335, 1336 Rn. 13 []
  2. sie­he nur BGH, Beschluss vom 08.11.2012 – V ZR 124/​12, WM 2013, 43, 44 []
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 25.01.2007 – V ZB 47/​06, NJW 2007, 3357, 3358 []
  4. BGH, Beschluss vom 30.09.2010 – V ZB 219/​09, BGHZ 187, 132, 135 f. Rn. 9 ff. []
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 21.07.2011 – I ZB 93/​10, NJW 2011, 1335, 1336 Rn. 13 []