Der vor­mut­lich vor­ge­scho­be­ne Eigen­be­darf

Setzt der Ver­mie­ter den behaup­te­ten Selbst­nut­zungs­wil­len nach dem Aus­zug des Mie­ters nicht in die Tat um, so liegt der Ver­dacht nahe, dass der Eigen­be­darf nur vor­ge­scho­ben gewe­sen ist.

Der vor­mut­lich vor­ge­scho­be­ne Eigen­be­darf

Unter die­sen Umstän­den ist es dem Ver­mie­ter zuzu­mu­ten, sub­stan­ti­iert und plau­si­bel ("stim­mig") dar­zu­le­gen, aus wel­chem Grund der mit der Kün­di­gung vor­ge­brach­te Eigen­be­darf nach­träg­lich ent­fal­len sein soll. Hier­bei sind stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Erst wenn der Vor­trag des Ver­mie­ters die­sem Maß­stab genügt, obliegt dem Mie­ter der Beweis, dass ein Selbst­nut­zungs­wil­le des Ver­mie­ters schon vor­her nicht bestand 1.

Eigen­be­darf (§ 573 Abs. 2 Nr. 2 BGB) liegt nicht vor, wenn die vom Ver­mie­ter benann­te Eigen­be­darfs­per­son gar nicht die Absicht hat, in die Woh­nung ein­zu­zie­hen 2.

Der Mie­ter hat in die für den Eigen­be­darf gel­tend gemach­ten Tat­sa­chen regel­mä­ßig kei­nen Ein­blick und kann ohne nähe­re Dar­le­gung sei­tens des Ver­mie­ters nicht beur­tei­len, ob des­sen Kün­di­gung wegen Eigen­be­darfs, die den Mie­ter zum Aus­zug ver­an­lasst hat, berech­tigt war. Setzt der Ver­mie­ter den behaup­te­ten Selbst­nut­zungs­wil­len nach dem Aus­zug des Mie­ters nicht in die Tat um, so liegt der Ver­dacht nahe, dass der Eigen­be­darf nur vor­ge­scho­ben gewe­sen ist 3.

Unter die­sen Umstän­den ist es dem Ver­mie­ter zuzu­mu­ten, sub­stan­ti­iert und plau­si­bel ("stim­mig") 4 dar­zu­le­gen, aus wel­chem Grund der mit der Kün­di­gung vor­ge­brach­te Eigen­be­darf nach­träg­lich ent­fal­len sein soll; inso­weit sind stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Erst wenn der Vor­trag des Ver­mie­ters die­sem Maß­stab genügt, obliegt dem Mie­ter der Beweis, dass ein Selbst­nut­zungs­wil­le des Ver­mie­ters schon vor­her nicht bestand 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Okto­ber 2016 – VIII ZR 300/​15

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 18.05.2005 – VIII ZR 368/​03, aaO[]
  2. vgl. BVerfG, NJW 1993, 2165, 2166 [zu § 564b Abs. 2 Nr. 2 BGB aF][]
  3. BGH, Urteil vom 18.05.2005 – VIII ZR 368/​03, aaO unter – II 3 b cc; sie­he auch BVerfG, NJW 1997, 2377[]
  4. sie­he BGH, Urteil vom 18.05.2005 – VIII ZR 368/​03, aaO, unter Hin­weis auf BVerfG, aaO[]
  5. BGH, Urteil vom 18.05.2005 – VIII ZR 368/​03, aaO[]