Der Vor­sit­zen­de Rich­ter in Eltern­zeit

Ver­hin­de­rung des Vor­sit­zen­den im Sin­ne des § 21f Abs. 2 Satz 1 GVG ist nur eine vor­über­ge­hen­de Ver­hin­de­rung. Unzu­läs­sig ist des­halb die dau­ern­de oder für eine unab­seh­ba­re Zeit erfol­gen­de Ver­tre­tung des ordent­li­chen Vor­sit­zen­den 1. Als ein die ent­spre­chen­de Anwen­dung von § 21f Abs. 2 Satz 1 GVG recht­fer­ti­gen­der Fall der Ver­hin­de­rung des Vor­sit­zen­den ist auch sein end­gül­ti­ges Aus­schei­den aus dem Spruch­kör­per wegen Eltern­zeit und anschlie­ßen­der Beur­lau­bung (hier: ins­ge­samt zwei Jah­re und vier Mona­te) anzu­se­hen. Eine dau­ern­de Ver­hin­de­rung des Vor­sit­zen­den über einen Zeit­raum von sie­ben Mona­ten und 23 Tagen ist grund­sätz­lich nicht mit § 21f Abs. 2 Satz 1 GVG ver­ein­bar.

Der Vor­sit­zen­de Rich­ter in Eltern­zeit

Bei nicht ord­nungs­ge­mä­ßer Beset­zung des Gerichts ist der abso­lu­te Revi­si­ons­grund des § 547 Nr. 1 ZPO gege­ben. Ein Beset­zungs­man­gel im Sin­ne die­ser Bestim­mung liegt ins­be­son­de­re vor, wenn bei der Geschäfts­ver­tei­lung gegen die Vor­schrif­ten der §§ 21e – 21g GVG ver­sto­ßen wur­de 2. Damit kann eine Revi­si­on gegen ein Beru­fungs­ur­teil auf die Rüge gestützt wer­den, dass wie die Beklag­te erst­mals nach der Ent­schei­dung über ihre Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gel­tend gemacht hat das Beru­fungs­ge­richt man­gels geschäfts­plan­mä­ßi­ger Ein­set­zung eines Vor­sit­zen­den Rich­ters nicht ord­nungs­ge­mäß besetzt gewe­sen ist 3. Ob das Gericht ord­nungs­ge­mäß besetzt war, beur­teilt sich nach dem Inhalt des Geschäfts­ver­tei­lungs­plans, der im Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung galt 4.

Aus­ge­hend hier­von war in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die erho­be­ne Ver­fah­rens­rüge begrün­det. Das Beru­fungs­ge­richt war zum Zeit­punkt der dem ange­foch­te­nen Urteil zugrun­de lie­gen­den münd­li­chen Ver­hand­lung vom 23.04.2013 nicht ord­nungs­ge­mäß besetzt, weil er ent­ge­gen den Rege­lun­gen in § 21f Abs. 1, § 115 GVG nicht in der Beset­zung mit einem Vor­sit­zen­den und zwei Berufs­rich­tern ent­schie­den hat. Die als Vor­sit­zen­de tätig gewor­de­ne Rich­te­rin am Ober­lan­des­ge­richt M. war nicht gemäß § 21f Abs. 2 Satz 1 GVG zur Ver­tre­tung des Vor­sit­zen­den beru­fen, weil zu die­sem Zeit­punkt kei­ne "Ver­hin­de­rung" im Sin­ne die­ser Vor­schrift mehr vor­ge­le­gen hat.

Im Zeit­punkt der dem ange­foch­te­nen Urteil zugrun­de lie­gen­den münd­li­chen Ver­hand­lung vom 23.04.2013 war der als Beru­fungs­ge­richt ent­schei­den­de 4. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Ros­tock seit sie­ben Mona­ten und 23 Tagen ohne ordent­li­chen Vor­sit­zen­den. Der vor­ma­li­ge Vor­sit­zen­de hat­te nach der vom Bun­des­ge­richts­hof ein­ge­hol­ten dienst­li­chen Stel­lung­nah­me des Prä­si­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Ros­tock unter dem 30.06.2012 für die Zeit ab dem 1.09.2012 bis zum 31.08.2013 Eltern­zeit sowie für die Zeit ab dem 1.09.2013 bis zum 31.12 2014 eine Beur­lau­bung aus fami­liä­ren Grün­den bean­tragt. Bei­de Anträ­ge wur­den am 17./18.07.2012 bewil­ligt.

Das Ver­fah­ren zur Wie­der­be­set­zung der Vor­sit­zen­den­stel­le wur­de durch das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern aus­weis­lich der dienst­li­chen Stel­lung­nah­me des Prä­si­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Ros­tock im Dezem­ber 2012 ein­ge­lei­tet, nach­dem der Neu­aus­schrei­bung bis Ende Novem­ber 2012 haus­halts­recht­li­che Beden­ken ent­ge­gen­stan­den. Nach Ein­gang meh­re­rer Bewer­bun­gen for­der­te das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um am 26.03.2013 die Beur­tei­lun­gen für die Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber an. Für eine noch im Juni 2013 ein­ge­gan­ge­ne Bewer­bung wur­de die Beur­tei­lung Anfang Juli 2013 ange­for­dert. Ende August 2013 lag dem Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um der Beset­zungs­be­richt vor. Am 22.11.2013 stell­te ein unter­le­ge­ner Bewer­ber beim Ver­wal­tungs­ge­richt einen Antrag auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz mit dem Ziel der Unter­sa­gung der Beset­zung der Stel­le mit dem aus­ge­wähl­ten Bewer­ber.

Seit dem 1.09.2012 wur­de der 4. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts R. durch­ge­hend von der Rich­te­rin am Ober­lan­des­ge­richt M. als der vom Prä­si­di­um bestimm­ten Ver­tre­te­rin gemäß § 21f Abs. 2 Satz 1 GVG geführt. In den von der Beklag­ten vor­ge­leg­ten Geschäfts­ver­tei­lungs­plä­nen des Ober­lan­des­ge­richts R., Stand 17.10.2012 und Stand 5.11.2013, ist für den 4. Zivil­se­nat als Vor­sit­zen­der "N.N." ein­ge­tra­gen. Erst zu Beginn des Geschäfts­jah­res 2014 wur­de die Vakanz im Vor­sitz durch die Auf­tei­lung des Senats und die Bestel­lung von drei Inte­rims­vor­sit­zen­den been­det.

Aus­weis­lich der im Revi­si­ons­ver­fah­ren ein­ge­hol­ten dienst­li­chen Stel­lung­nah­me des Prä­si­di­ums des Ober­lan­des­ge­richts Ros­tock wur­de die durch den Weg­gang des vor­ma­li­gen Vor­sit­zen­den zum 1.09.2012 ent­stan­de­ne Situa­ti­on erst­mals in einer Sit­zung am 15.08.2012 erör­tert. Auf­grund einer Mit­tei­lung des Prä­si­den­ten habe das Prä­si­di­um über­wie­gen­de Anhalts­punk­te dafür gese­hen, dass es zu einer Neu­aus­schrei­bung der Stel­le kom­me. Eine unge­bühr­li­che, die übli­che Dau­er über­stei­gen­de Ver­zö­ge­rung des Beset­zungs­ver­fah­rens sei nicht erkenn­bar gewe­sen, wes­halb zu die­sem Zeit­punkt weder für eine Auf­lö­sung des Senats noch für eine Beset­zung des Senats mit einem ande­ren Vor­sit­zen­den Rich­ter eine zwin­gen­de Ver­an­las­sung gese­hen wor­den sei. Die Situa­ti­on sei dann erneut in der Prä­si­di­ums­sit­zung vom 27.11.2012 anläss­lich der Auf­stel­lung des Geschäfts­ver­tei­lungs­plans 2013 erör­tert wor­den. Auf­grund der Infor­ma­ti­on durch den Prä­si­den­ten, die vakan­te Vor­sit­zen­den­stel­le sei nun­mehr zur Aus­schrei­bung vor­ge­se­hen, sei das Prä­si­di­um zu der Ein­schät­zung gelangt, dass mit einer Neu­be­set­zung der Stel­le nun in abseh­ba­rer Zeit gerech­net wer­den kön­ne. Von der Mög­lich­keit, den Senats­vor­sitz zusätz­lich auf einen der ande­ren Senats­vor­sit­zen­den des Ober­lan­des­ge­richts zu über­tra­gen, sei wegen der all­ge­mei­nen Geschäfts­la­ge des Hau­ses abge­se­hen wor­den. Die alter­na­tiv erör­ter­te Mög­lich­keit, den Senat auf­zu­lö­sen und die dort behan­del­ten Sach­ge­bie­te auf ande­re Sena­te des Ober­lan­des­ge­richts zu ver­tei­len, sei wegen der zu erwar­ten­den Neu­be­set­zung der Stel­le ver­wor­fen wor­den. Eine erneu­te Befas­sung des Prä­si­di­ums mit der Beset­zung des Vor­sit­zes im 4. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Ros­tock vor der maß­geb­li­chen, dem ange­foch­te­nen Urteil zugrun­de lie­gen­den münd­li­chen Ver­hand­lung vom 23.04.2013 hat nicht statt­ge­fun­den.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Umstän­de des Ein­zel­falls kann von einer zuläs­si­gen Ver­tre­tung des Vor­sit­zen­den am 23.04.2013 in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 21f Abs. 2 Satz 1 GVG nicht mehr gespro­chen wer­den.

Gemäß § 21f Abs. 1, § 115 GVG füh­ren den Vor­sitz in den Spruch­kör­pern beim Ober­lan­des­ge­richt neben dem Prä­si­den­ten die Vor­sit­zen­den Rich­ter. Nur bei Ver­hin­de­rung des Vor­sit­zen­den führt stell­ver­tre­tend nach § 21f Abs. 2 Satz 1 GVG das vom Prä­si­di­um bestimm­te Mit­glied des Spruch­kör­pers den Vor­sitz. § 21f GVG hat zum Ziel, dass die Füh­rung der Sena­te Rich­tern anver­traut wird, die ver­mö­ge ihrer beson­de­ren Aus­wahl die Güte und die Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung durch den Senat, dem sie vor­sit­zen, in beson­de­rem Maße gewähr­leis­ten 5. Dies zwingt dazu, die Vor­schrift des § 21f Abs. 2 Satz 1 GVG eng aus­zu­le­gen und als Ver­hin­de­rung im Sin­ne die­ser Vor­schrift nur die vor­über­ge­hen­de tat­säch­li­che oder recht­li­che Unmög­lich­keit, den Vor­sitz zu füh­ren, anzu­se­hen 6. Die dau­ern­de oder für eine unab­seh­ba­re Zeit erfol­gen­de Ver­tre­tung des ordent­li­chen Vor­sit­zen­den ist dage­gen unzu­läs­sig 7. Eine dau­ern­de "Ver­hin­de­rung" erfor­dert gege­be­nen­falls eine Berück­sich­ti­gung im Geschäfts­ver­tei­lungs­plan des lau­fen­den Geschäfts­jahrs, § 21e Abs. 3 Satz 1 GVG 8.

Als einen die ent­spre­chen­de Anwen­dung von § 21f Abs. 2 Satz 1 GVG recht­fer­ti­gen­den Fall der Ver­hin­de­rung des Vor­sit­zen­den wird nach der über­ein­stim­men­den höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung auch das durch Ein­tritt oder Ver­set­zung in den Ruhe­stand, durch Abord­nung oder durch Tod beding­te end­gül­ti­ge Aus­schei­den eines Vor­sit­zen­den aus dem Spruch­kör­per ange­se­hen 9. Da es sich bei die­ser Vakanz aber tat­säch- lich um eine dau­ern­de Ver­hin­de­rung des Vor­sit­zen­den han­delt, kann die­ser norm­wid­ri­ge Zustand bis zur Wie­der­be­set­zung der Stel­le nur für eine kur­ze Über­gangs­zeit hin­ge­nom­men wer­den 10.

Grund­sätz­lich ist bei der Prü­fung der zur Behe­bung des norm­wid­ri­gen Zustands gebo­te­nen Maß­nah­men zwi­schen der Wie­der­be­set­zung einer frei gewor­de­nen Plan­stel­le durch die Jus­tiz­ver­wal­tung und der Zuwei­sung des Vor­sit­zes des Spruch­kör­pers an einen Vor­sit­zen­den Rich­ter durch das Prä­si­di­um des Gerichts im Rah­men der Geschäfts­ver­tei­lung nach § 21e Abs. 1 Satz 2 GVG oder nach § 21e Abs. 3 Satz 1 GVG zu unter­schei­den. Wäh­rend eine Wie­der­be­set­zung durch die Jus­tiz­ver­wal­tung in aller Regel mit einer Aus­schrei­bung der Stel­le, dem Tref­fen der Aus­wahl­ent­schei­dung, der Mit­tei­lung der Ent­schei­dung an die unter­le­ge­nen Bewer­ber unter Ein­räu­mung einer aus­rei­chen­den Rechts­schutz­frist und unter Umstän­den der Betei­li­gung von Mit­wir­kungs­gre­mi­en wie Rich­ter­wahl­aus­schüs­sen und Prä­si­di­al­rä­ten ver­bun­den ist und damit meh­re­re Mona­te oder län­ger in Anspruch neh­men kann, besteht für die Neu­ver­tei­lung der Geschäf­te durch das Gerichts­prä­si­di­um eine schnel­le­re Hand­lungs­mög­lich­keit und Hand­lungs­pflicht 11. Wie lan­ge das Prä­si­di­um im Fal­le der nicht naht­lo­sen Beset­zung der Stel­le eines Vor­sit­zen­den mit der Ent­schei­dung zuwar­ten darf, einen ande­ren Vor­sit­zen­den zusätz­lich mit dem vakant gewor­de­nen Senats­vor­sitz zu betrau­en oder den Senat auf­zu­lö­sen und sei­ne Rich­ter und Rechts­sa­chen ande­ren Sena­ten zuzu­schrei­ben, lässt sich nicht all­ge­mein­gül­tig und los­ge­löst vom Grund der Ver­hin­de­rung beant­wor­ten 12.

Der vor­lie­gen­de Fall zeich­net sich durch eine nicht lang­fris­tig vor­her­seh­ba­re Vakanz im Vor­sitz infol­ge eines Antrags auf Eltern­zeit mit anschlie­ßen­der Beur­lau­bung aus. Dies recht­fer­tigt es nicht, die für die Beset­zungs­rü­ge maß­geb­li­che Vakanz von sie­ben Mona­ten und 23 Tagen als noch hin­nehm­bar ein­zu­stu­fen. Spä­tes­tens ab dem Zeit­punkt der Bewil­li­gung der Anträ­ge auf Eltern­zeit und Beur­lau­bung Mit­te Juli 2012 war sowohl für das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern als auch für das Prä­si­di­um des Ober­lan­des­ge­richts Ros­tock vor­her­seh­bar, dass der bis­he­ri­ge ordent­li­che Vor­sit­zen­de des 4. Zivil­se­nats ab dem 1.09.2012 für einen Zeit­raum von mehr als zwei Jah­ren sein Amt nicht aus­üben wür­de, mit­hin in sei­ner Per­son ein Fall der dau­ern­den Ver­hin­de­rung vor­lie­gen wür­de, auf den sowohl die Jus­tiz­ver­wal­tung als auch das Prä­si­di­um im Rah­men ihrer Auf­ga­ben und Kom­pe­ten­zen in der gebo­te­nen Wei­se zu reagie­ren hat­ten. Sowohl der Jus­tiz­ver­wal­tung als auch dem Prä­si­di­um sind inso­weit Ver­säum­nis­se anzu­las­ten.

Für die Jus­tiz­ver­wal­tung bestand Anlass, die Stel­le umge­hend nach Bewil­li­gung der bean­trag­ten Eltern­zeit, spä­tes­tens aber zum 1.09.2012 neu aus­zu­schrei­ben. Die Zeit­span­ne von sechs Wochen zwi­schen Kennt­nis vom Bevor­ste­hen der Vakanz und deren Ein­tritt muss­te aus­rei­chen, um die Fra­ge der Nach­be­set­zung der Stel­le zu klä­ren, denn eine den Vor­schrif­ten des Gerichts­ver­fas­sungs­ge­set­zes wider­spre­chen­de Beset­zung eines Spruch­kör­pers lässt sich nicht mit haus­halts­recht­li­chen Grün­den recht­fer­ti­gen 13. Statt­des­sen wur­de das Ver­fah­ren zur Wie­der­be­set­zung der Stel­le erst im Dezem­ber 2012 ein­ge­lei­tet.

Auch das Prä­si­di­um des Ober­lan­des­ge­richts Ros­tock ist sei­ner Auf­ga­be, im Rah­men sei­ner Befug­nis­se zur Geschäfts­ver­tei­lung für eine den Vor­schrif­ten des Gerichts­ver­fas­sungs­ge­set­zes ent­spre­chen­de Beset­zung des 4. Zivil­se­nats Sor­ge zu tra­gen, nicht gerecht gewor­den. Aus­ge­hend von der Annah­me, dass eine zeit­na­he Neu­aus­schrei­bung der frei­wer­den­den Stel­le durch das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um erfol­gen wür­de, mag es in der Prä­si­di­ums­sit­zung vom 15.08.2012 zunächst noch gerecht­fer­tigt gewe­sen sein, von einer die ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 21f Abs. 2 Satz 1 GVG recht­fer­ti­gen­den vor­über­ge­hen­den Ver­hin­de­rung des Vor­sit­zen­den ab dem 1.09.2012 aus­zu­ge­hen. Bedenk­lich war es indes schon, an die­ser Sicht­wei­se auch in der Prä­si­di­ums­sit­zung vom 27.11.2012 noch fest­zu­hal­ten. Denn bereits zu die­sem Zeit­punkt war abseh­bar, dass das Beset­zungs­ver­fah­ren für die Stel­le, die zu die­sem Zeit­punkt noch nicht ein­mal aus­ge­schrie­ben war, nicht in ange­mes­se­ner Zeit abge­schlos­sen sein wür­de. Das Prä­si­di­um wäre daher bei der Beschluss­fas­sung vom 27.11.2012 zumin­dest gehal­ten gewe­sen, durch geeig­ne­te Maß­nah­men sicher­zu­stel­len, sich zeit­nah des Pro­blems noch ein­mal anzu­neh­men. Ange­sichts der bereits seit dem 1.09.2012 andau­ern­den Vakanz hät­te sich das Prä­si­di­um spä­tes­tens im Febru­ar 2013 mit der Ange­le­gen­heit erneut befas­sen müs­sen. Nach­dem das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um Ende Febru­ar 2013 noch nicht ein­mal die für die Beset­zungs­ent­schei­dung not­wen­di­gen Beur­tei­lun­gen der Bewer­ber ange­for­dert hat­te und die Neu­be­set­zung auch nicht bis zu einem bestimm­ten Zeit­punkt in Aus­sicht gestellt war, bestand kei­ne Recht­fer­ti­gung mehr dafür, den bestehen­den Zustand noch für eine wei­te­re unge­wis­se Zeit­dau­er fort­be­stehen zu las­sen. Das Prä­si­di­um hät­te spä­tes­tens für die Zeit ab 1.03.2013 Maß­nah­men nach § 21e Abs. 3 Satz 1 GVG ergrei­fen kön­nen und müs­sen und ent­we­der den Vor­sitz zusätz­lich auf einen oder meh­re­re der ande­ren Senats­vor­sit­zen­den des Ober­lan­des­ge­richts über­tra­gen oder aber den SenatSe­nat auf­lö­sen und des­sen Geschäf­te auf die ande­ren Sena­te des Ober­lan­des­ge­richts umver­tei­len müs­sen. Die zu Beginn des Geschäfts­jah­res 2014 getrof­fe­nen Maß­nah­men zei­gen, dass dem Prä­si­di­um Hand­lungs­op­tio­nen zur Ver­fü­gung stan­den, die geeig­net gewe­sen wären, den gesetz­wid­ri­gen Zustand im Vor­sitz des 4. Zivil­se­nats zu been­den. Die gemäß § 21e Abs. 3 Satz 1 GVG gebo­te­nen Maß­nah­men waren bis zum 23.04.2013 nicht getrof­fen, obwohl die Zeit aus­ge­reicht hät­te, um sie zu tref­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. März 2015 – VII ZR 173/​13

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 13.09.2005 – VI ZR 137/​04, BGHZ 164, 87[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 13.09.2005 – VI ZR 137/​04, BGHZ 164, 87; Beschluss vom 11.07.1985 – VII ZB 6/​85, BGHZ 95, 246[]
  3. BGH, Urteil vom 13.09.2005 – VI ZR 137/​04, BGHZ 164, 87 ff.[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 13.11.2008 – IX ZB 231/​07, NJW-RR 2009, 210 Rn. 14; Urteil vom 13.09.2005 – VI ZR 137/​04, BGHZ 164, 87, 90[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 09.02.1955 – IV ZR 153/​54, BGHZ 16, 254, 256; Beschluss vom 11.07.1985 – VII ZB 6/​85, BGHZ 95, 246, 247[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 29.05.1987 – 3 StR 242/​86, BGHSt 34, 379, 381; Beschluss vom 11.07.1985 – VII ZB 6/​85, BGHZ 95, 246, 247; Urteil vom 28.05.1974 – 4 StR 37/​74, NJW 1974, 1572 f.; BVerwG, NJW 1986, 1366, 1367[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 13.09.2005 – VI ZR 137/​04, BGHZ 164, 87, 90; Urteil vom 29.05.1987 3 StR 242/​86, BGHSt 34, 379, 381; Urteil vom 09.02.1955 – IV ZR 153/​54, BGHZ 16, 254, 256; BVerwG, NJW 2001, 3493; NJW 1986, 1366, 1367[]
  8. BGH, Urteil vom 13.09.2005 – VI ZR 137/​04, BGHZ 164, 87, 90; BVerwG, NJW 1986, 1366, 1367[]
  9. vgl. BGH, Beschluss vom 26.03.2013 4 StR 556/​12, NStZ-RR 2013, 259; Urteil vom 29.05.1987 – 3 StR 242/​86, BGHSt 34, 379, 381 f.; Beschluss vom 11.07.1985 – VII ZB 6/​85, BGHZ 95, 246, 247; BSG, NJW 2007, 2717 f.; BFHE 190, 47, 52 f.; 155, 470, 471; BVerwG, NJW 2001, 3493; NJW 1986, 1366, 1367[]
  10. BVerwG, NJW 2001, 3493; NJW 1986, 1366, 1367; vgl. auch BVerfGE 18, 423, 426 und BSG, NJW 2007, 2717, 2718[]
  11. BVerwG, NJW 2001, 3493; OLG Ros­tock, OLGR 2008, 254, 256[]
  12. vgl. BGH, Beschluss vom 26.03.2013 4 StR 556/​12, NStZ-RR 2013, 259; BSG, NJW 2007, 2717, 2718[]
  13. vgl. BGH, Beschluss vom 11.07.1985 – VII ZB 6/​85, BGHZ 95, 246 ff.; BFHE 155, 470, 471[]