Der vor­sorg­lich für den Fall des Ein­spruchs bestimm­te Ver­hand­lungs­ter­min

Die Bestim­mung eines Ter­mins zur münd­li­chen Ver­hand­lung über den Ein­spruch gegen ein Ver­säum­nis­ur­teil und die Haupt­sa­che darf erst nach Ein­gang des Ein­spruchs erfol­gen. In einem vor­sorg­lich für den Fall des Ein­spruchs bestimm­ten Ter­min kann man­gels ord­nungs­ge­mä­ßer Ter­mins­be­stim­mung und des­halb feh­len­der Säum­nis kein zwei­tes Ver­säum­nis­ur­teil gegen die im Ter­min nicht erschie­ne­ne Par­tei erge­hen [1].

Der vor­sorg­lich für den Fall des Ein­spruchs bestimm­te Ver­hand­lungs­ter­min

Ein zwei­tes Ver­säum­nis­ur­teil darf nach § 345 ZPO erlas­sen wer­den, wenn die Par­tei, die Ein­spruch gegen ein ers­tes Ver­säum­nis­ur­teil ein­ge­legt hat, in dem Ter­min zur Ver­hand­lung über ihren Ein­spruch erneut säu­mig ist.

Die Säum­nis einer Par­tei setzt ihre ord­nungs­ge­mä­ße Ladung zu einem ord­nungs­ge­mäß ange­ord­ne­ten Ter­min vor­aus [2].

An einem ord­nungs­ge­mäß anbe­raum­ten Ter­min fehlt es hier. Nach der Recht­spre­chung des VII. Zivil­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs [3], der sich die herr­schen­de Mei­nung im Schrift­tum ange­schlos­sen hat [4], ist es unzu­läs­sig, nach Erlass eines (ers­ten) Ver­säum­nis­ur­teils vor­sorg­lich einen Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung über den Ein­spruch und die Haupt­sa­che zu bestim­men, bevor der Ein­spruch ein­ge­gan­gen ist, wie es vor­lie­gend der Fall war.

Der VII. Zivil­se­nat hat sei­ne Ent­schei­dung im Wesent­li­chen wie folgt begrün­det: Die Bestim­mung eines Ter­mins erfol­ge nach § 216 Abs. 1 ZPO, wenn Anträ­ge oder Erklä­run­gen ein­ge­reicht wür­den, über die nur nach münd­li­cher Ver­hand­lung ent­schie­den wer­den kön­ne oder über die münd­li­che Ver­hand­lung von dem Gericht ange­ord­net sei. Die Bestim­mung des Ter­mins set­ze vor­aus, dass die ent­spre­chen­den Anträ­ge ein­ge­gan­gen sei­en. Eine vor­sorg­li­che Ter­mi­nie­rung für den Fall des noch ein­ge­hen­den Antrags sehe das Gesetz dage­gen nicht vor. Das erge­be sich aus dem Rege­lungs­zu­sam­men­hang von § 341 Abs. 1 und § 341a ZPO, wonach das Gericht einen unzu­läs­si­gen Ein­spruch ohne erneu­te münd­li­che Ver­hand­lung durch Urteil ver­wer­fen kön­ne und Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung über den Ein­spruch und die Haupt­sa­che gemäß § 341a ZPO nur dann bestim­men müs­se, wenn der Ein­spruch nicht als unzu­läs­sig ver­wor­fen wer­de. Dar­aus erge­be sich der gesetz­ge­be­ri­sche Wil­le, dass die Bestim­mung eines Ter­mins zur münd­li­chen Ver­hand­lung über den Ein­spruch gegen ein Ver­säum­nis­ur­teil erst dann erfol­gen sol­le, wenn das Gericht die Zuläs­sig­keit des Ein­spruchs geprüft und die­se ent­we­der bejaht oder nach Aus­übung pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sens ent­schie­den habe, über den unzu­läs­si­gen Ein­spruch münd­lich zu ver­han­deln. Die Anbe­raumung eines Ter­mins habe gemäß § 216 Abs. 1 ZPO zu unter­blei­ben, solan­ge die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt sei­en. Die Bestim­mung eines Ter­mins zur Ver­hand­lung über den Ein­spruch gegen ein Ver­säum­nis­ur­teil nach § 341a ZPO set­ze mit­hin jeden­falls vor­aus, dass der Ein­spruch bei Gericht ein­ge­gan­gen ist.

Dem schließt sich der hier III. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs an.

Zwar ist zutref­fend, dass es im Ermes­sen des Gerichts steht, bei unzu­läs­si­gem Ein­spruch erst nach münd­li­cher Ver­hand­lung oder ohne eine sol­che zu ent­schei­den [5], wie sich aus § 341 Abs. 2 ZPO ergibt. Dies steht jedoch der Wür­di­gung des VII. Zivil­se­nats nicht ent­ge­gen, bestä­tigt die­se viel­mehr. Das Ermes­sen, ob von einer Ent­schei­dung ohne münd­li­che Ver­hand­lung gemäß § 341 Abs. 2 ZPO Gebrauch gemacht wer­den oder ein Ein­spruchs­ter­min gemäß § 341a ZPO statt­fin­den soll, kann sach­ge­recht erst aus­ge­übt wer­den, wenn die Ein­spruchs­schrift ein­ge­gan­gen ist.

Unbe­hel­flich für den gegen­tei­li­gen Rechts­stand­punkt ist der Hin­weis auf § 218 ZPO [6]. Die­se Vor­schrift betrifft ledig­lich die Ent­behr­lich­keit einer Ladung, wenn Ter­mi­ne in ver­kün­de­ten Ent­schei­dun­gen bestimmt sind, mit­hin die Bekannt­ma­chung von anbe­raum­ten Ter­mi­nen. Vor­lie­gend geht es indes­sen um die Fra­ge, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Ter­min bestimmt wer­den darf.

Schließ­lich über­zeugt den Bun­des­ge­richts­hof auch der Hin­weis auf die Pro­zess­öko­no­mie [7] nicht. Die vor­sorg­li­che Anbe­raumung eines Ver­hand­lungs­ter­mins gemäß § 341a ZPO über einen noch nicht ein­ge­gan­ge­nen Ein­spruch führt nicht not­wen­dig zu einer Beschleu­ni­gung des Ver­fah­rens. Viel­mehr kann es je nach Ter­min­stand des Gerichts zu einer zügi­ge­ren Ver­fah­rens­be­en­di­gung füh­ren, einen unzu­läs­si­gen Ein­spruch ohne münd­li­che Ver­hand­lung gemäß § 341 Abs. 2 ZPO zu ver­wer­fen, statt dies auf­grund eines „auf Vor­rat“ anbe­raum­ten, jedoch zeit­lich wei­ter ent­fernt lie­gen­den Ter­mins zur münd­li­chen Ver­hand­lung vor­zu­neh­men.

Dem­ge­gen­über spricht für die Auf­fas­sung des VII. Zivil­se­nats die fol­gen­de, an sei­ne Aus­füh­run­gen anknüp­fen­de, ergän­zen­de Erwä­gung. Nach § 341a ZPO ist, wenn der Ein­spruch nicht als unzu­läs­sig ver­wor­fen wird, Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung über den Ein­spruch und die Haupt­sa­che zu bestim­men. Die Ver­hand­lung kann, wenn das Gericht nicht von § 341 Abs. 2 ZPO Gebrauch gemacht hat, aber gleich­wohl die Zuläs­sig­keit des Rechts­be­helfs in Zwei­fel steht, ent­spre­chend § 146 ZPO auf den Ein­spruch beschränkt wer­den [8]. Wird eine sol­che Beschrän­kung nicht vor­ge­nom­men und soll die anbe­raum­te münd­li­che Ver­hand­lung, wie im vor­lie­gen­den Fall, auch über die Haupt­sa­che erfol­gen, setzt dies vor­aus, dass die Zuläs­sig­keit des Ein­spruchs zumin­dest mög­lich erscheint. Ande­ren­falls ergä­be die Ter­mins­be­stim­mung zur Ver­hand­lung über die Haupt­sa­che kei­nen Sinn. Die Beur­tei­lung, ob der Ein­spruch, wenn auch nur mög­li­cher­wei­se, zuläs­sig ist, lässt sich jedoch erst vor­neh­men, wenn die­ser Rechts­be­helf auch tat­säch­lich ein­ge­legt ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Okto­ber 2015 – III ZR (Ü) 1/​15

  1. Fort­füh­rung von BGH, Beschluss vom 20.12 2010 – VII ZB 72/​09, NJW 2011, 928[]
  2. BGH, Beschluss vom 20.12 2010 – VII ZB 72/​09, NJW 2011, 928 Rn. 11 und 14; Münch­Komm-ZPO/­Prüt­ting, 4. Aufl., § 330 Rn. 10 f; Musielak in Musielak/​Voit, ZPO, 12. Aufl., Vor­bem. vor § 330 Rn. 6[]
  3. BGH, Beschluss vom 20.12 2010 – VII ZB 72/​09, NJW 2011, 928 Rn. 12 f[]
  4. Münch­Komm-ZPO/­Prüt­ting, aaO Rn. 12 und § 341a Rn. 2.; Musielak aaO; HK-ZPO/Pu­kall, 6. Aufl., § 341a Rn. 2; a.A. Stamm, LMK 2011, 314722[]
  5. BGH aaO; Tous­saint in Beck­OK ZPO, Stand 1.06.2015, § 341 Rn. 5[]
  6. vgl. Stamm, LMK 2011, 314722[]
  7. vgl. hier­zu auch Stamm aaO[]
  8. Münch­Komm-ZPO/­Prüt­ting, 4. Aufl., § 341a Rn.1; Stad­ler in Musielak/​Voit, ZPO, 12. Aufl., § 341a Rn. 1; Zöller/​Herget, ZPO, 30. Aufl., § 341a Rn. 3[]