Der wegen Befan­gen­heits­be­sorg­nis abge­lehn­te Rich­ter – und sei­ne War­te­pflicht

Die War­te­pflicht des wegen Befan­gen­heits­be­sorg­nis abge­lehn­ten Rich­ters endet bereits mit der erst­in­stanz­li­chen Zurück­wei­sung des Ableh­nungs­ge­su­ches; die Rechts­kraft der Ent­schei­dung über das Ableh­nungs­ge­such ist nicht abzu­war­ten 1.

Der wegen Befan­gen­heits­be­sorg­nis abge­lehn­te Rich­ter – und sei­ne War­te­pflicht

Dass das Befan­gen­heits­ge­such noch nicht rechts­kräf­tig beschie­den ist, ist uner­heb­lich. Maß­geb­lich und aus­rei­chend ist, dass das Ableh­nungs­ge­such erst­in­stanz­lich mit Beschluss der hie­si­gen Land­ge­richt zurück­ge­wie­sen wor­den ist. Nach zutref­fen­der und von hier aus geteil­ter Auf­fas­sung u.a. des Reichs­ge­richts und meh­re­re Ober­ge­rich­te ist näm­lich der abge­lehn­te Rich­ter bereits mit der erst­in­stanz­li­chen Zurück­wei­sung des Ableh­nungs­ge­su­ches wie­der zur wei­te­ren Ent­schei­dung – auch jen­seits unauf­schieb­ba­rer Amts­hand­lun­gen i. S. des § 47 Abs. 1 ZPO – beru­fen, ohne Rück­sicht auf den Rechts­kraft­ein­tritt, weil näm­lich die Beschwer­de gegen den Zurück­wei­sungs­be­schluss gemäß § 570 Abs. 1 ZPO kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung ent­fal­tet, mit­hin den wei­te­ren Ver­fah­rens­gang nicht hin­dert 2. Der ver­brei­te­ten gegen­tei­li­gen Auf­fas­sung 3, die den Begriff der "Erle­di­gung" i. S. des § 48 ZPO im Ergeb­nis über­dehnt und sich mit dem Cha­rak­ter der Beschwer­de als Rechts­be­helf ohne Sus­pen­siv­ef­fekt nicht in Ein­klang brin­gen lässt, wird von hier aus nicht bei­getre­ten. Selbst wenn man aller­dings die­ser gegen­tei­li­gen Auf­fas­sung im Prin­zip fol­gen soll­te, könn­ten sich die Beklag­ten vor­lie­gend nach Treu und Glau­ben nicht dar­auf beru­fen, dass in der Ableh­nungs­fra­ge zweit­in­stanz­lich noch nicht ent­schie­den ist. Es sind hier näm­lich die Beklag­ten selbst, die durch Anbrin­gung eines Rechts­be­helfs gegen den ober­lan­des­ge­richt­li­chen Beschluss vom 05.09.2011 betref­fend die Fra­ge der Land­ge­richt­zu­stän­dig­keit in (posi­ti­ver) Kennt­nis des Umstan­des, dass ein Rechts­mit­tel nach der Pro­zess­or­dung inso­weit unzwei­fel­haft nicht gege­ben ist, die Sache zum Bun­des­ge­richts­hof "getra­gen" haben und dadurch eine Beschwer­de­ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts in der Ableh­nungs­fra­ge "blo­ckie­ren".

Land­ge­richt Stral­sund, Urteil vom 8. Mai 2012 – 6 O 39/​11

  1. im Anschluss u.a. an RGZ 66, 46, 47, und BFH, BB 1982, 605[]
  2. so zurecht und dezi­diert u.a. bereits RG, Beschluss vom 23.04.1907 – B.-Rep. VII 49/​07, Z 66, 46, 47, unter Bezug auch auf RG, JW 1895, 539, Nr. 11, wo bereits gleich­lau­tend ent­schie­den wor­den war; vgl. fer­ner aus der jün­ge­ren Judi­ka­tur u.a. BFH, Beschluss vom 30.11.1981 – GrS 1/​80, BB 1982, 605, hier zitiert nach Juris, dort Tz. 23 ff.; OLG Frank­furt a. M., Urteil vom 04.06.1991 – 5 U 224/​91, MDR 1992, 409, hier zitiert nach Juris, Tz. 51; OVG Müns­ter, Beschluss vom 23.02.1990 – 18 B 23082/​89, NJW 1990, 1749, hier zitiert nach Juris, dort Tz. 18 ff.; aus der Lite­ra­tur etwa Gün­ther, MDR 1989, 695 ff.; aus der älte­ren ober­ge­richt­li­chen Judi­ka­tur etwa OLG Kiel, HRR 1933, 1696; KG, MDR 1954, 750; OLG Cel­le, NdsRpfl.1971, 230, Nr. 9[]
  3. u.a. BayO­blG, MDR 1988, 500; Voll­kom­mer, in: Zöl­ler, a.a.O., § 47 Rdnr. 1 m.w.N[]