Der wei­te­re Kla­ge­grund in der Beru­fungs­in­stanz

Will der in ers­ter Instanz erfolg­rei­che Klä­ger in der Beru­fungs­in­stanz erst­mals einen zusätz­li­chen Anspruch in den Rechts­streit ein­füh­ren (hier: Anspruch auf Urteils­be­kannt­ma­chung wegen Kenn­zei­chen­ver­let­zung) oder sei­nen schon in ers­ter Instanz gel­tend gemach­ten Anspruch auf einen wei­te­ren Kla­ge­grund (etwa ein wei­te­res Kenn­zei­chen) stüt­zen, muss er sich der Beru­fung des Beklag­ten anschlie­ßen.

Der wei­te­re Kla­ge­grund in der Beru­fungs­in­stanz

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs wird der Streit­ge­gen­stand (der pro­zes­sua­le Anspruch) durch den Kla­ge­an­trag, in dem sich die vom Klä­ger in Anspruch genom­me­ne Rechts­fol­ge kon­kre­ti­siert, und den Lebens­sach­ver­halt (Kla­ge­grund) bestimmt, aus dem der Klä­ger die begehr­te Rechts­fol­ge her­lei­tet 1. Will die Klä­ger­sei­te, die in ers­ter Instanz voll obsiegt hat oder die – wie vor­lie­gend – die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung, soweit die Kla­ge abge­wie­sen wor­den ist, nicht anfech­ten möch­te, die Kla­ge erwei­tern oder einen neu­en Anspruch in den Rechts­streit ein­füh­ren, muss sie sich gemäß § 524 ZPO der Beru­fung der Gegen­sei­te anschlie­ßen 2.

Die nach § 524 Abs. 1 Satz 2 ZPO erfor­der­li­che Anschlie­ßung durch Ein­rei­chung der Beru­fungs­an­schluss­schrift hat im hier vom Bun­des­ge­richtts­hof ent­schie­de­nen Fall die Klä­ge­rin mit ihrem Schrift­satz vom 23.10.2008 vor­ge­nom­men, mit dem sie den auf Urteils­be­kannt­ma­chung gerich­te­ten Kla­ge­an­trag anhän­gig gemacht hat. Dies reicht für eine Anschlie­ßung an die Beru­fung der Beklag­ten aus. Eine aus­drück­li­che Erklä­rung, es wer­de Anschluss­be­ru­fung ein­ge­legt, ist nicht erfor­der­lich 3. Viel­mehr genügt jede Erklä­rung, die sich ihrem Sinn nach als ein Begeh­ren auf Abän­de­rung des Urteils ers­ter Instanz dar­stellt 4. Die Beru­fungs­an­schlie­ßung konn­te daher auch kon­klu­dent in der Wei­se erfol­gen, dass die Klä­ge­rin – wie im Streit­fall gesche­hen – ihr Kla­ge­be­geh­ren durch Gel­tend­ma­chung eines wei­te­ren Anspruchs erwei­ter­te.

Die Anschlie­ßung muss jedoch inner­halb der Frist des § 524 Abs. 2 Satz 2 ZPO erklärt wer­den. Nach die­ser Bestim­mung kann sich der Beru­fungs­be­klag­te der Beru­fung des Geg­ners nur bis zum Ablauf der Frist bis zur Beru­fungs­er­wi­de­rung anschlie­ßen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Janu­ar 2011 – I ZR 10/​09

  1. vgl. BGH, Urteil vom 03.04.2003 – I ZR 1/​01, BGHZ 154, 342, 347 f. – Rei­ni­gungs­ar­bei­ten[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 17.12. 1951 – GSZ 2/​51, BGHZ 4, 229, 234; Zöller/​Heßler, ZPO, 28. Aufl., § 524 Rn. 33; Wieczorek/​Schütze/​Gerken, ZPO, 3. Aufl., § 524 Rn. 7[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 06.07.1989 – IX ZR 280/​88, NJWRR 1990, 318[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 28.10.1953 – VI ZR 217/​52, NJW 1954, 266, 267[]