Der Wert einer Ent­las­tung des WEG-Ver­wal­ters

Das Inter­es­se an der Ent­las­tung oder Nicht­ent­las­tung des Ver­wal­ters bestimmt sich nach den mög­li­chen Ansprü­chen gegen die­sen und nach dem Wert, den die mit der Ent­las­tung ver­bun­de­ne Bekräf­ti­gung der ver­trau­ens­vol­len Zusam­men­ar­beit der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer mit der Ver­wal­tung der Gemein­schaft hat. Deren Wert ist, wenn beson­de­re Anhalts­punk­te für einen höhe­ren Wert feh­len, regel­mä­ßig mit 1.000 € anzu­set­zen.

Der Wert einer Ent­las­tung des WEG-Ver­wal­ters

Der Wert der Anfech­tungs­kla­ge ent­spricht dem Inter­es­se des Klä­gers an der Auf­he­bung der Ent­las­tung des Ver­wal­ters. Bei der Bemes­sung die­ses Inter­es­ses ist der Wert von For­de­run­gen gegen den Ver­wal­ter zu berück­sich­ti­gen, wenn die Ent­las­tung wegen sol­cher For­de­run­gen ver­wei­gert wird oder ver­wei­gert wer­den soll. Denn in der Ent­las­tung liegt dann ein nega­ti­ves Schuld­an­er­kennt­nis nach § 397 Abs. 2 BGB1. Zu berück­sich­ti­gen ist bei der Bemes­sung des Inter­es­ses aber auch der Zweck, den die Ent­las­tung des Ver­wal­ters neben der Ver­zichts­wir­kung hat. Sie dient näm­lich dazu, die Grund­la­ge für die wei­te­re ver­trau­ens­vol­le Zusam­men­ar­beit in der Zukunft zu legen2.

Der Wert der Ent­las­tung kann hier nicht nach dem Wert der Rück­for­de­rung des Hono­rars bemes­sen wer­den. Dafür muss nicht ent­schie­den wer­den, ob die Abrech­nung des Hono­rars über­haupt Gegen­stand der Ent­las­tung für das Geschäfts­jahr 2008 ist. Die Gemein­schaft hat näm­lich schon wäh­rend des Ver­fah­rens ers­ter Instanz bestands­kräf­tig beschlos­sen, wegen die­ser Abrech­nung kei­ne Ansprü­che gegen den Ver­wal­ter gel­tend zu machen. Ande­re Ersatz­an­sprü­che, nach denen der Wert der Ent­las­tung bemes­sen wer­den könn­te, sind nicht erkenn­bar. Das hat zur Fol­ge, dass der Wert der Beschwer des Klä­gers nicht nach der Ver­zichts­wir­kung der Ent­las­tung bestimmt wer­den kann. Es kann des­halb offen blei­ben, ob, was zwei­fel­haft ist, die Beschwer des Klä­gers mit Rück­sicht auf die Erfolgs­aus­sich­ten bei der Durch­set­zung der von ihm behaup­te­ten Ansprü­che zu kür­zen wäre.

Die Beschwer des Klä­gers bestimmt sich dann aber nach dem Wert, den die neben etwai­gen For­de­run­gen zu berück­sich­ti­gen­de ver­trau­ens­vol­le Zusam­men­ar­beit hat. Die­ser wird sich nicht ohne wei­te­res in einem Pro­zent­satz der Gesamt­ab­rech­nung für das Wirt­schafts­jahr bemes­sen las­sen3. Er hängt im Regel­fall nicht von dem Volu­men der Abrech­nung ab und ist des­halb dann nach bil­li­gem Ermes­sen zu bestim­men. Feh­len, wie hier, beson­de­re Anhalts­punk­te für einen höhe­ren Wert, erscheint ein Wert von 01.000 € sach­ge­recht4. Das Inter­es­se der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer an der ver­trau­ens­vol­len Zusam­men­ar­beit mit der Ver­wal­tung der Gemein­schaft ist nicht teil­bar und bei allen Woh­nungs­ei­gen­tü­mern das­sel­be.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. März 2011 – V ZB 236/​10

  1. BGH, Beschluss vom 17.07.2003 – V ZB 11/​03, BGHZ 156, 20, 25 f. []
  2. BGH, aaO S. 27 f. []
  3. so aber offen­bar OLG Köln, NZM 2003, 125; Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 41. Aufl., § 49a GKG Rn. 12 – Ver­walter­ent­las­tung []
  4. so: LG Des­sau-Roß­lau, ZMR 2009, 794; wohl auch: Jennißen/​Suilmann, WEG, 2. Aufl., § 49a GKG Rn. 20 []