Der Zei­chen­feh­ler im Grund­buch – und der Fort­füh­rungs­nach­weis

Die Berich­ti­gung eines Zei­chen­feh­lers (also einer gra­phisch fal­schen Dar­stel­lung des rich­ti­gen Ver­mes­sungs­zah­len­werks in der Flur­kar­te des Lie­gen­schafts­ka­tas­ters) durch die Ver­mes­sungs­be­hör­de hat das Grund­buch­amt stets als Berich­ti­gung tat­säch­li­cher Art zu behan­deln; es darf den Voll­zug eines Fort­füh­rungs­nach­wei­ses der Ver­mes­sungs­be­hör­de nicht des­halb ableh­nen, weil ein auf den Grenz­ver­lauf bezo­ge­ner Zei­chen­feh­ler berich­tigt wird 1.

Der Zei­chen­feh­ler im Grund­buch – und der Fort­füh­rungs­nach­weis

Im Aus­gangs­punkt ist das Lie­gen­schafts­ka­tas­ter das amt­li­che Ver­zeich­nis der Grund­stü­cke im Sin­ne von § 2 Abs. 2 GBO (vgl. § 10 Abs. 6 Satz 1 Sächs­VermKatG). Es gibt über die tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se des Grund­stücks Aus­kunft 2. Dem­ge­gen­über ist das Grund­buch der Spie­gel der pri­va­ten ding­li­chen Rech­te an Grund­stü­cken; es hat die Auf­ga­be, über die das Grund­stück betref­fen­den Rechts­ver­hält­nis­se mög­lichst erschöp­fend und zuver­läs­sig Aus­kunft zu geben 3. Die Grund­stü­cke wer­den gemäß § 2 Abs. 2 GBO im Grund­buch nach dem Lie­gen­schafts­ka­tas­ter benannt. Durch die­se Bezug­nah­me des Grund­buchs auf das Lie­gen­schafts­ka­tas­ter wird die Auf­find­bar­keit der Grund­stü­cke in der Natur ermög­licht und gewähr­leis­tet; im Rechts­ver­kehr wird auf die­se Wei­se Klar­heit dar­über geschaf­fen, auf wel­chen kon­kre­ten Teil der Erd­ober­flä­che sich ein ein­ge­tra­ge­nes Recht bezieht 4. Lie­gen­schafts­ka­tas­ter und Grund­buch müs­sen des­halb über­ein­stim­men. So muss sich bei­spiels­wei­se ein im Grund­buch gebuch­tes Flur­stück in dem Lie­gen­schafts­ka­tas­ter wie­der­fin­den und umgekehrt.Im Aus­gangs­punkt ist das Lie­gen­schafts­ka­tas­ter das amt­li­che Ver­zeich­nis der Grund­stü­cke im Sin­ne von § 2 Abs. 2 GBO (vgl. § 10 Abs. 6 Satz 1 Sächs­VermKatG). Es gibt über die tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se des Grund­stücks Aus­kunft 2. Dem­ge­gen­über ist das Grund­buch der Spie­gel der pri­va­ten ding­li­chen Rech­te an Grund­stü­cken; es hat die Auf­ga­be, über die das Grund­stück betref­fen­den Rechts­ver­hält­nis­se mög­lichst erschöp­fend und zuver­läs­sig Aus­kunft zu geben 3. Die Grund­stü­cke wer­den gemäß § 2 Abs. 2 GBO im Grund­buch nach dem Lie­gen­schafts­ka­tas­ter benannt. Durch die­se Bezug­nah­me des Grund­buchs auf das Lie­gen­schafts­ka­tas­ter wird die Auf­find­bar­keit der Grund­stü­cke in der Natur ermög­licht und gewähr­leis­tet; im Rechts­ver­kehr wird auf die­se Wei­se Klar­heit dar­über geschaf­fen, auf wel­chen kon­kre­ten Teil der Erd­ober­flä­che sich ein ein­ge­tra­ge­nes Recht bezieht 4. Lie­gen­schafts­ka­tas­ter und Grund­buch müs­sen des­halb über­ein­stim­men. So muss sich bei­spiels­wei­se ein im Grund­buch gebuch­tes Flur­stück in dem Lie­gen­schafts­ka­tas­ter wie­der­fin­den und umge­kehrt.

Die­se Über­ein­stim­mung von Lie­gen­schafts­ka­tas­ter und Grund­buch wird durch regel­mä­ßi­gen gegen­sei­ti­gen Daten­aus­tausch gewähr­leis­tet, der in Tei­len auto­ma­ti­siert erfol­gen kann (vgl. § 127 Abs. 1 Nr. 1 GBO, § 11 Abs. 5 Satz 2 Sächs­VermKatG).

Das Grund­buch­amt einer­seits hat der das Lie­gen­schafts­ka­tas­ter füh­ren­den Behör­de (in Sach­sen: unte­re Ver­mes­sungs­be­hör­de, § 4 Abs. 4 Sächs­VermKatG) unter ande­rem Ver­än­de­run­gen der grund­buch­mä­ßi­gen Bezeich­nung des Grund­stücks und die Ein­tra­gung eines Eigen­tü­mers mit­zu­tei­len (§ 55 Abs. 3 GBO; vgl. Nr. XVIII der Anord­nung über Mit­tei­lun­gen in Zivil­sa­chen). Die Ver­mes­sungs­be­hör­de ande­rer­seits teilt dem Grund­buch­amt Ver­än­de­run­gen im Lie­gen­schafts­ka­tas­ter durch Fort­füh­rungs­nach­wei­se mit (vgl. § 14 Sächs­VermKatG, § 9 Abs. 1 der Durch­füh­rungs­ver­ord­nung zum Sächs­VermKatG vom 06.07.2011, im Fol­gen­den: Sächs­VermKatGD­VO).

Ein sol­cher Fort­füh­rungs­nach­weis der Ver­mes­sungs­be­hör­de ist kein behörd­li­ches Ein­tra­gungs­er­su­chen gemäß § 38 GBO, son­dern ein fest­stel­len­der Ver­wal­tungs­akt, der die Grund­la­ge für die von dem Grund­buch­amt zu tref­fen­de Ent­schei­dung über die Auf­nah­me der Ver­än­de­rung in das Grund­buch bil­det 5. Gemäß § 9 Abs. 1 Sächs­VermKatGD­VO hat die Ver­mes­sungs­be­hör­de unter ande­rem dann, wenn die Fort­füh­rung wie hier – die Ände­rung eines Ord­nungs­merk­mals, den Ver­lauf einer Flur­stücks­gren­ze oder die Anga­ben zur Nut­zung betrifft, einen Fort­füh­rungs­nach­weis zu erstel­len, der den Zustand des betrof­fe­nen Flur­stücks im Lie­gen­schafts­ka­tas­ter vor und nach der Ände­rung nach­weist. Er ist den Betrof­fe­nen schrift­lich oder durch Offen­le­gung bekannt zu geben (§ 9 Abs. 2 Sächs­VermKatGD­VO). Eine Mehr­fer­ti­gung des bestands­kräf­ti­gen Fort­füh­rungs­nach­wei­ses über­gibt die Ver­mes­sungs­be­hör­de dem zustän­di­gen Grund­buch­amt (§ 9 Abs. 4 Satz 1 Sächs­VermKatGD­VO), das auf­grund die­ser Mehr­fer­ti­gung die Bestands­an­ga­ben im Grund­buch ändert und der Ver­mes­sungs­be­hör­de den Voll­zug der Ein­tra­gung mit­teilt 6.

Ände­run­gen tat­säch­li­cher Art hat das Grund­buch­amt auf­grund der dar­ge­stell­ten Kom­pe­tenz­ver­tei­lung zwi­schen Grund­buch- und Ver­mes­sungs­amt ohne wei­te­res in das Grund­buch zu über­neh­men 7. Bei­spiels­wei­se hat es einen Fort­füh­rungs­nach­weis der Ver­mes­sungs­be­hör­de, mit dem der Flä­chen­in­halt auf­grund einer Neu­ver­mes­sung kor­ri­giert wird, ohne eige­ne Nach­prü­fung zu voll­zie­hen, indem es die im Bestands­ver­zeich­nis des Grund­buch­blatts ver­merk­te Grö­ßen­an­ga­be von Amts wegen berich­tigt 8; das­sel­be gilt für die in einem Fort­füh­rungs­nach­weis aus­ge­wie­se­ne Ände­rung der Wirt­schafts­art bzw. der tat­säch­li­chen Nut­zung 9. Hier­für zustän­dig ist gemäß § 12c Abs. 2 Nr. 2 GBO der Urkunds­be­am­te der Geschäfts­stel­le. Kei­ne Bin­dung erzeugt ein Fort­füh­rungs­nach­weis dage­gen im Hin­blick auf Ver­fü­gun­gen und Ein­tra­gun­gen, die zugleich eine Berich­ti­gung recht­li­cher Art oder eine Berich­ti­gung eines Irr­tums über das Eigen­tum betref­fen (vgl. § 12c Abs. 2 Nr. 2 GBO); hier­über ent­schei­det in eige­ner Zustän­dig­keit das Grund­buch­amt 5 durch den Rechts­pfle­ger (§ 3 Nr. 1h RpflG). Die­ser muss prü­fen, ob der Voll­zug zu Rechts­än­de­run­gen führt und es des­we­gen noch der Erfül­lung wei­te­rer Vor­aus­set­zun­gen bedarf 10. Lehnt der Rechts­pfle­ger den Voll­zug eines Fort­füh­rungs­nach­wei­ses ab, muss im Lie­gen­schafts­ka­tas­ter der vor­he­ri­ge Zustand wie­der­her­ge­stellt wer­den 11.

Danach ist ent­schei­dend, ob der hier zu beur­tei­len­de Fort­füh­rungs­nach­weis eine Berich­ti­gung tat­säch­li­cher oder recht­li­cher Art betrifft. Dass die neu­en Flur­stücks­num­mern und die Ände­run­gen der tat­säch­li­chen Nut­zung als Ände­run­gen tat­säch­li­cher Art in das Grund­buch über­nom­men wer­den müss­ten, zieht das Beschwer­de­ge­richt zutref­fend nicht in Zwei­fel. Es sieht aber die in dem Fort­füh­rungs­nach­weis ent­hal­te­ne Behe­bung des Zei­chen­feh­lers als Berich­ti­gung recht­li­cher Art an.

Unter einem Zei­chen­feh­ler ver­steht man eine gra­phisch fal­sche Dar­stel­lung des Ver­mes­sungs­zah­len­werks in der Flur­kar­te des Lie­gen­schafts­ka­tas­ters 12. Gemäß § 10 Abs. 1 Sächs­VermKatG besteht das (digi­ta­li­sier­te) Lie­gen­schafts­ka­tas­ter aus den Bestands­da­ten und den Daten der Lie­gen­schafts­ka­tas­ter­ak­ten. Letz­te­re umfas­sen gemäß § 10 Abs. 4 Sächs­VermKatG die ver­mes­sungs­tech­ni­schen Unter­la­gen und die sons­ti­gen Unter­la­gen, die für die Flur­stücks­ent­wick­lung von dau­ern­der Bedeu­tung sind, also das soge­nann­te Ver­mes­sungs­zah­len­werk 13. Hier­zu gehö­ren alle Mess­da­ten und die aus ihnen (in der Regel rech­ne­risch) abge­lei­te­ten Maße ein­schließ­lich der Lage­ko­or­di­na­ten im jewei­li­gen Bezugs- und Abbil­dungs­sys­tem für die im Lie­gen­schafts­ka­tas­ter nach­ge­wie­se­nen Ver­mes­sungs, Grenz, Gebäu­de- und sons­ti­gen Punk­te, die im Zuge von Katas­ter­ver­mes­sun­gen ermit­telt wer­den (Ver­mes­sungs­zah­len 14). Die Lie­gen­schafts­kar­te wird aus dem Ver­mes­sungs­zah­len­werk als dem "Basis­ma­te­ri­al" des Lie­gen­schafts­ka­tas­ters abge­lei­tet 15. Als "Prä­sen­ta­ti­ons­ebe­ne" des Lie­gen­schafts­ka­tas­ters stellt sie die Ver­mes­sungs­zah­len gra­phisch dar (vgl. § 6 Abs. 1 Nr. 1 Sächs­VermKatGD­VO: "Prä­sen­ta­ti­ons­aus­ga­be").

Weil eine sol­che Berich­ti­gung die Eigen­tums­ver­hält­nis­se nicht berührt und kei­ne Rechts­än­de­rung bewirkt, stellt sie im Grund­satz eine tat­säch­li­che Berich­ti­gung dar. Das Beschwer­de­ge­richt meint jedoch, nicht aus­schlie­ßen zu kön­nen, dass auf der Grund­la­ge der unrich­ti­gen Lie­gen­schafts­kar­te ein gut­gläu­bi­ger Erwerb erfolgt sei, weil vor der Fort­füh­rung der Lie­gen­schafts­kar­te Ver­fü­gun­gen über eines der betrof­fe­nen Grund­stü­cke erfolgt sei­en. Da die ursprüng­lich unrich­ti­ge Lie­gen­schafts­kar­te rich­tig gewor­den sein kön­ne, dür­fe sie nicht ohne Zustim­mung der Betrof­fe­nen berich­tigt wer­den 16. Das Beschwer­de­ge­richt stützt die­se Über­le­gun­gen unter ande­rem auf ein Urteil des III. Zivil­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs vom 01.03.1973 17, das sich aller­dings nicht mit der Ver­fah­rens­wei­se des Grund­buch­amts, son­dern (im Rah­men einer Amts­haf­tungs­kla­ge) mit den Pflich­ten der Ver­mes­sungs­be­hör­de bei der Berich­ti­gung der Grenz­dar­stel­lung in der Lie­gen­schafts­kar­te befasst.

Rich­ti­ger­wei­se hat das Grund­buch­amt die Berich­ti­gung eines Zei­chen­feh­lers (also einer gra­phisch fal­schen Dar­stel­lung des rich­ti­gen Ver­mes­sungs­zah­len­werks in der Flur­kar­te des Lie­gen­schafts­ka­tas­ters) durch die Ver­mes­sungs­be­hör­de stets als Berich­ti­gung tat­säch­li­cher Art zu behan­deln; es darf den Voll­zug eines Fort­füh­rungs­nach­wei­ses der Ver­mes­sungs­be­hör­de nicht des­halb ableh­nen, weil ein auf den Grenz­ver­lauf bezo­ge­ner Zei­chen­feh­ler berich­tigt wird.

Ob die gra­phisch fal­sche Dar­stel­lung in der Lie­gen­schafts­kar­te über­haupt einen gut­gläu­bi­gen Erwerb nach sich gezo­gen haben kann, lässt sich mit guten Grün­den bezwei­feln. Zwar erstreckt sich die Rich­tig­keits­ver­mu­tung des Grund­buchs (§ 891 BGB) auch auf den sich aus dem Lie­gen­schafts­ka­tas­ter erge­ben­den Grenz­ver­lauf 18. Es spricht aber viel dafür, dass unter "dem Lie­gen­schafts­ka­tas­ter" in die­sem Sin­ne nicht allein die Flur­kar­te 19, son­dern das Lie­gen­schafts­ka­tas­ter als Gan­zes zu ver­ste­hen ist 20. So ver­stan­den gehör­te auch das auf den Grenz­ver­lauf bezo­ge­ne Ver­mes­sungs­zah­len­werk zu dem Inhalt des Grund­buchs, der zuguns­ten eines Erwer­bers gemäß § 892 BGB als rich­tig gilt. Der Grenz­ver­lauf kann zwar in aller Regel über die in Spal­te 3 b des Bestands­ver­zeich­nis­ses des Grund­buchs ein­ge­tra­ge­ne Par­zel­len­num­mern in Ver­bin­dung mit der Katas­ter­kar­te erschlos­sen wer­den 21. Stim­men aber (aus­nahms­wei­se) Ver­mes­sungs­zah­len­werk und Lie­gen­schafts­kar­te nicht über­ein, bezö­ge sich die Rich­tig­keits­ver­mu­tung wohl auf den Grenz­ver­lauf, wie er aus dem Ver­mes­sungs­zah­len­werk her­vor­geht, und nicht auf die dar­aus (gra­phisch feh­ler­haft) abge­lei­te­te Lie­gen­schafts­kar­te. Zudem dürf­te in sol­chen Fäl­len bei einem Ver­kauf des Grund­stücks auch der Kauf­ge­gen­stand nach dem Ver­mes­sungs­zah­len­werk zu bestim­men sein, da der Ver­käu­fer eines Grund­stücks die­ses gewöhn­lich nur in dem aus dem Grund­buch und dem Lie­gen­schafts­ka­tas­ter ersicht­li­chen Zuschnitt und Umfang ver­kau­fen will 22; dabei wird er sich im Zwei­fel nicht allein auf die Lie­gen­schafts­kar­te, son­dern vor allem auf die die­ser zugrun­de­lie­gen­den Basis­da­ten des Lie­gen­schafts­ka­tas­ters stüt­zen wol­len.

Dies bedarf hier jedoch kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung. Selbst wenn ein gut­gläu­bi­ger Erwerb mög­lich sein soll­te und im kon­kre­ten Fall statt­ge­fun­den haben könn­te, ist das Grund­buch­amt an einen Fort­füh­rungs­nach­weis gebun­den, soweit die­ser einen Zei­chen­feh­ler berich­tigt.

Eines "Voll­zugs" durch das Grund­buch­amt bedarf es inso­weit nicht, weil die Berich­ti­gung eines Zei­chen­feh­lers für sich genom­men kei­ne Ein­tra­gung in das Grund­buch erfor­der­lich macht. Des­halb ist – anders als das Beschwer­de­ge­richt meint – eine dar­auf bezo­ge­ne Bewil­li­gung der Betrof­fe­nen gemäß § 19 GBO nicht erfor­der­lich; das Grund­buch wird auch nicht gemäß § 22 GBO berich­tigt. Viel­mehr voll­zieht sich die gra­phi­sche Kor­rek­tur der Grenz­dar­stel­lung in der Lie­gen­schafts­kar­te auf der Ebe­ne des Lie­gen­schafts­ka­tas­ters, das von den Ver­mes­sungs­be­hör­den in eige­ner Zustän­dig­keit geführt und ver­ant­wor­tet wird. Ein­tra­gun­gen in das Bestands­ver­zeich­nis des Grund­buchs kön­nen zwar dadurch erfor­der­lich wer­den, dass – wie hier – gleich­zei­tig eine Zer­le­gung von Flur­stü­cken erfolgt und daher neue Flur­stücks­num­mern ein­ge­tra­gen wer­den müs­sen. Die Berich­ti­gung des Zei­chen­feh­lers erfolgt in die­sem Fall aber nur anläss­lich der Flur­stücks­zer­le­gung.

Zutref­fend ist zudem der Ver­weis dar­auf, dass sich selbst wenn ein gut­gläu­bi­ger Erwerb erfolgt wäre – durch einen Zei­chen­feh­ler in der Lie­gen­schafts­kar­te nichts an dem Grenz­ver­lauf änder­te, wie er sich aus der maß­geb­li­chen Grenz­fest­stel­lung ergibt. Das Lie­gen­schafts­ka­tas­ter hat die ver­bind­lich fest­ge­stell­te Gren­ze wie­der­zu­ge­ben. Ob sich die mate­ri­el­len Eigen­tums­ver­hält­nis­se durch gut­gläu­bi­gen Erwerb oder Ersit­zung den unrich­ti­gen Ein­zeich­nun­gen ange­passt haben, ist ohne Belang 23. Die Siche­rung einer ver­mes­sungs­tech­nisch mög­lichst exak­ten Dar­stel­lung der (fest­ge­stell­ten) Grund­stücks­gren­ze in der Lie­gen­schafts­kar­te als der Prä­sen­ta­ti­ons­ebe­ne des Lie­gen­schafts­ka­tas­ters obliegt den Ver­mes­sungs­be­hör­den im öffent­li­chen Inter­es­se 24. Sie darf nicht durch das Grund­buch­amt blo­ckiert wer­den.

Der Rechts­schutz der betrof­fe­nen Grund­stücks­ei­gen­tü­mer gegen die Berich­ti­gung eines Zei­chen­feh­lers im Lie­gen­schafts­ka­tas­ter wird in ers­ter Linie gewähr­leis­tet, indem der Fort­füh­rungs­nach­weis vor den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten zur Über­prü­fung gestellt wer­den kann. Zur Ver­fol­gung der Rech­te aus einem ver­meint­li­chen gut­gläu­bi­gen Erwerb steht der Zivil­rechts­weg offen. Der betrof­fe­ne Grund­stücks­ei­gen­tü­mer kann sei­nen Nach­barn mit der Behaup­tung, die aus dem (fort­ge­führ­ten) Lie­gen­schafts­ka­tas­ter her­vor­ge­hen­de Gren­ze ent­spre­che auf­grund eines gut­gläu­bi­gen Erwerbs nicht (mehr) den Eigen­tums­ver­hält­nis­sen, auf Fest­stel­lung sei­nes Eigen­tums an der frag­li­chen Flä­che sowie auf Grenz­fest­stel­lung in Anspruch neh­men 25.

Schließ­lich hat das Grund­buch­amt auf­grund der Bin­dung an den Fort­füh­rungs­nach­weis nicht zu prü­fen, ob die Ver­mes­sungs­be­hör­de ihrer­seits den Zei­chen­feh­ler berich­ti­gen durf­te. Des­halb kann dahin­ste­hen, ob die in einer älte­ren Ent­schei­dung ver­tre­te­ne Ansicht des III. Zivil­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs 17 zutrifft, wonach die Ver­mes­sungs­be­hör­de einen sol­chen Zei­chen­feh­ler nur mit Zustim­mung der Betrof­fe­nen berich­ti­gen darf 26. Eben­so kann offen blei­ben, wie bei der Berich­ti­gung soge­nann­ter Auf­nah­me­feh­ler zu ver­fah­ren ist, wenn also die Gren­ze sowohl in dem Ver­mes­sungs­zah­len­werk als auch in der Lie­gen­schafts­kar­te auf­grund ver­mes­sungs­tech­ni­scher Feh­ler von Anfang an falsch dar­ge­stellt wird 27.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Juli 2017 – V ZB 47/​16

  1. Abgren­zung zu BGH, Urteil vom 01.03.1973 – III ZR 69/​70, VersR 1973, 617[]
  2. vgl. Lemke/​Schneider, Immo­bi­li­en­recht, 2. Aufl., § 2 GBO Rn. 6; KEHE/​Kel­ler, GBR, 7. Aufl., § 2 GBO Rn. 3; Meikel/​Nowak, GBO, 11. Aufl., § 2 Rn. 10[][]
  3. BGH, Beschluss vom 06.03.1981 – V ZB 18/​80, NJW 1981, 1563[][]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 02.12 2005 – V ZR 11/​05, NJW-RR 2006, 662 Rn. 8 mwN[][]
  5. vgl. BVerwG, NJW 1966, 609 f.[][]
  6. vgl. Nr. 33, 34 der säch­si­schen VwV Grund­buch­sa­chen vom 27.05.2005, Sächs­JMBl. S. 2, geän­dert durch Ver­wal­tungs­vor­schrift vom 08.12 2015, Sächs­JMBl. S. 167[]
  7. vgl. KEHE/​Keller, GBR, 7. Aufl., § 2 GBO Rn. 11[]
  8. vgl. BayO­bLGZ 1976, 106, 109 ff.: 0, 0514 ha statt zuvor 0, 0614 ha; Meikel/​Nowak, GBO, 11. Aufl., § 2 Rn. 21; unzu­tref­fend OLG Olden­burg, Rpfle­ger 1992, 387: Nach­prü­fung durch das Grund­buch­amt erfor­der­lich[]
  9. vgl. z.B. OLG Mün­chen, DNotZ 2012, 142, 143 f.: "Gebäu­de- und Frei­flä­che" statt zuvor "Grün­land"[]
  10. z.B. der Erklä­rung von Auf­las­sun­gen oder Bewil­li­gun­gen oder etwa der Neu­fest­set­zung von Ufer­li­ni­en; vgl. BayO­bLGZ 1981, 324, 329[]
  11. vgl. Bengel/​Simmerding, Grund­buch, Grund­stück, Gren­ze, 5. Aufl., § 22 Rn. 12[]
  12. vgl. OVG Sach­sen-Anhalt, Not­BZ 2016, 194, 196; OVG Greifs­wald, Not­BZ 2008, 433, 434; Bengel/​Simmerding, Grund­buch, Grund­stück, Gren­ze, 5. Aufl., § 22 Rn. 118[]
  13. vgl. Kriegel/​Herzfeld, Katas­ter­kun­de in Ein­zel­dar­stel­lun­gen, Heft 8 [2010], Anm.09.1[]
  14. Kriegel/​Herzfeld, aaO, Anm. 9.3[]
  15. vgl. zum Gan­zen OVG Sach­sen-Anhalt, Not­BZ 2016, 194, 196; Bengel/​Simmerding, Grund­buch, Grund­stück, Gren­ze, 5. Aufl., § 22 Rn. 22; Gomil­le in: Pra­xis der Kom­mu­nal­ver­wal­tung, Nie­der­säch­si­sches Gesetz über das amt­li­che Ver­mes­sungs­we­sen [2014] Nr. 3.03.02.03.02.; Kriegel/​Herzfeld, aaO, Anm.09.3 und 9.4[]
  16. zu die­ser Fall­kon­stel­la­ti­on zwei­felnd auch Bengel/​Simmerding, Grund­buch, Grund­stück, Gren­ze, 5. Aufl., § 22 Rn. 22 f.[]
  17. BGH, Urteil vom 01.03.1973 – III ZR 69/​70, VersR 1973, 617[][]
  18. BGH, Urteil vom 02.12 2005 – V ZR 11/​05, NJW-RR 2006, 662 Rn. 8 mwN; vgl. auch BGH, Urteil vom 12.10.2012 – V ZR 187/​11, NJW-RR 2013, 789 Rn. 14; Urteil vom 08.11.2013 – V ZR 155/​12, BGHZ 199, 31 Rn. 11[]
  19. so aller­dings BGH, Urteil vom 01.03.1973 – III ZR 69/​70, VersR 1973, 617; in die­se Rich­tung auch BGH, Urteil vom 08.11.2013 – V ZR 155/​12, BGHZ 199, 31 Rn. 12; zustim­mend Kummer/​Möllering in: Pra­xis der Kom­mu­nal­ver­wal­tung, Ver­mes­sungs- und Geo­in­for­ma­ti­ons­recht Sach­sen-Anhalt [2005] Nr. 6.02.3[]
  20. vgl. BGH, Urteil vom 02.12 2005 – V ZR 11/​05, NJW-RR 2006, 662 Rn. 8 mwN; Gomil­le in: Pra­xis der Kom­mu­nal­ver­wal­tung, Nie­der­säch­si­sches Gesetz über das amt­li­che Ver­mes­sungs­we­sen [2014] Nr. 3.03.02.03.3., Nr. 3.03.02.03.05.03.; Kriegel/​Herzfeld, Katas­ter­kun­de in Ein­zel­dar­stel­lun­gen, Heft 2 [2009], Anm.02.02.[]
  21. vgl. BGH, Urteil vom 02.12 2005 – V ZR 11/​05, NJW-RR 2006, 662 Rn. 8[]
  22. vgl. BGH, Urteil vom 18.01.2008 – V ZR 174/​06, Not­BZ 2008, 229 Rn. 10[]
  23. vgl. OVG NRW, NJW 1993, 217; OVG Greifs­wald, Not­BZ 2008, 433, 434; BayVGH, BayVBl.2011, 149, 150 f.[]
  24. vgl. dazu OVG NRW, NJW 1993, 217, 218; OVG Sach­sen-Anhalt, Not­BZ 2016, 194, 197[]
  25. vgl. OVG Nord­rhein-West­fa­len, NJW 1993, 217, 218; VG Frank­furt/​Oder, Urteil vom 18.12 2013 – 7 K 1234/​1020 ff.[]
  26. ableh­nend die stän­di­ge Recht­spre­chung der Ver­wal­tungs­ge­rich­te unter Hin­weis auf die Ver­mes­sungs­ge­set­ze der Län­der, vgl. nur OVG NRW, NJW 1993, 217, 218; OVG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Not­BZ 2008, 433, 434; BayVGH, BayVBl.2011, 149, 150; OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 24.11.2011 – OVG 10 B 14.09 40[]
  27. vgl. dazu Bengel/​Simmerding, Grund­buch, Grund­stück, Gren­ze, 5. Aufl., § 22 Rn. 114 ff.[]
  28. GVOBl. NEK S. 41, 46[]