Der zurück­ge­nom­me­ne Mahn­be­scheids­an­trag – und die Kos­ten­fest­set­zung

Nach Rück­nah­me des Antra­ges auf Erlass des Mahn­be­schei­des vor dem Mahn­ge­richt ist für die Kos­ten­fest­set­zung nicht das Mahn­ge­richt, son­dern das­je­ni­ge Gericht zustän­dig, wel­ches im Fal­le eines strei­ti­gen Ver­fah­rens über die gel­tend gemach­ten Ansprü­che zu befin­den hät­te.

Der zurück­ge­nom­me­ne Mahn­be­scheids­an­trag – und die Kos­ten­fest­set­zung

Die Zustän­dig­keit des Streit­ge­richts folgt aus § 104 Abs. 1 S. 1 ZPO, wonach über den Fest­set­zungs­an­trag das Gericht des ers­ten Rechts­zu­ges ent­schei­det. Das ist nach dem Ver­hält­nis, in dem das gericht­li­che Mahn­ver­fah­ren zum eigent­li­chen Streit­ver­fah­ren steht, nicht das Gericht des Mahn­ver­fah­rens, son­dern das Gericht, das für den nach­fol­gen­den Rechts­streit zustän­dig wäre.

Das Mahn­ver­fah­ren ist kein eigen­stän­di­ges Streit­ver­fah­ren, son­dern ein die­sem nur vor­ge­la­ger­tes Ver­fah­ren zur ver­ein­fach­ten und beschleu­nig­ten Erlan­gung eines Voll­stre­ckungs­ti­tels1. Als Gericht des ers­ten Rechts­zugs ist daher nach Rück­nah­me des Antrags auf Erlass eines Mahn­be­scheids das­je­ni­ge Gericht für die Kos­ten­fest­set­zung zustän­dig, wel­ches im Fal­le eines strei­ti­gen Ver­fah­rens über die gel­tend gemach­ten Ansprü­che zu befin­den hät­te2.

Soweit ver­tre­ten wird, das Mahn­ge­richt sei das nach § 11 RVG für das ver­ein­fach­te Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren zustän­di­ge Gericht des ers­ten Rechts­zugs3 oder zustän­di­ges Kos­ten­fest­set­zungs­ge­richt sei nach Rück­nah­me eines Mahn­be­scheids­an­tra­ges immer das Gericht, wel­ches die Kos­ten­grund­ent­schei­dung getrof­fen habe4, ver­mag das Ober­lan­des­ge­richt dem nicht zu fol­gen. Zwar mag es zutref­fen, dass das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren auf­wen­di­ger wird, wenn allein zur Kos­ten­fest­set­zung ein bis­lang mit der Sache nicht befass­tes Gericht als zustän­di­ges Gericht fest­ge­legt wird und von die­sem nach Akten­ein­gang ein neu­es Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wer­den muss5, so dass Grün­de der Pro­zess­öko­no­mie für eine Kos­ten­fest­set­zung durch das Mahn­ge­richt spre­chen. Das Gesetz sieht jedoch ledig­lich in § 699 Abs. 3 S. 1 ZPO als Aus­nah­me von der grund­sätz­li­chen Zustän­dig­keits­re­ge­lung des § 104 Abs. 1 S. 1 ZPO für den Fall, dass ein Wider­spruch vom Antrags­geg­ner im Mahn­ver­fah­ren nicht erho­ben wird, vor, dass das Mahn­ge­richt in einen even­tu­ell zu erlas­sen­den Voll­stre­ckungs­be­scheid auch die zu erstat­ten­den Kos­ten auf­zu­neh­men hat. Eine gesetz­li­che Rege­lung der Zustän­dig­keit für das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren für den Fall einer Rück­nah­me eines Antrags auf Erlass eines Mahn­be­schei­des besteht jedoch nicht. Wer­den dem Antrag­stel­ler in einem sol­chen Fall ent­spre­chend § 269 Abs. 3 S. 2 ZPO die Kos­ten des Ver­fah­rens auf­er­legt, so ver­bleibt es für die nach­fol­gen­de Kos­ten­fest­set­zung mit­hin bei der gesetz­li­chen Rege­lung des § 104 Abs. 1 S. 1 ZPO6.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 9. Juli 2014 – 32 SA 46/​14

  1. BGH NJW 1991, 2084 []
  2. so die ganz h.M., vgl. BGH NJW 1991, 2081 zur inso­weit ver­gleich­ba­ren Zustän­dig­keit für die Fest­set­zung der Rechts­an­walts­ver­gü­tung nach § 19 Abs. 2 S. 2 BRAGO a. F. bzw. nun­mehr § 11 RVG; BayO­bLG Rpfle­ger 2003, 35; OLG Köln NJW-RR 1999, 1737; Hk-ZPO/Gierl, 5. Aufl., § 103 Rn 9; MünchKommZPO/​Schulz, 4. Aufl., § 104, Rn. 5; Musielak/​Lackmann, ZPO, 11. Aufl., § 104, Rn. 2; Prütting/​Gehrlein/​Schmidt, ZPO, 6. Aufl., § 103, Rn. 12; Thoma/​Putzo/​Hüßtege, ZPO, 34. Aufl., § 104, Rn. 1; Zöller/​Herget a. a. O., § 104 ZPO Rn 21, Stich­wort Zustän­dig­keit" []
  3. vgl. OLG Naum­burg NJW 2008, 1238 f. []
  4. so Beck­OK ZPO/​Jaspersen, Stand 15.03.2014, § 103, Rn. 38 []
  5. inso­weit zutref­fend OLG Naum­burg NJW 2008, 1238, 1239 []
  6. so auch BayO­bLG, a. a. O.; OLG Köln, a. a. O. []