Der Zustand einer Feri­en­woh­nung

Der Rück­tritt vom Miet­ver­trag einer Feri­en­woh­nung kann auch münd­lich erfol­gen. Vor­aus­set­zung ist aber, dass der Mie­ter eine Frist zur Abhil­fe der Män­gel setzt und so dem Ver­mie­ter die Mög­lich­keit zur Nach­er­fül­lung des Ver­tra­ges gibt.

Der Zustand einer Feri­en­woh­nung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Mie­ters abge­wie­sen, der für eine münd­lich gekün­dig­te Feri­en­woh­nung sei­ne bereits gezahl­te Mie­te zurück ver­langt hat. Die Feri­en­woh­nung Mon­te­ca­ti­ni in Ita­li­en wird von der Eigen­tü­me­rin, eine Mün­che­ne­rin, über das Inter­net ver­mie­tet. Dort ist es beschrie­ben als roman­ti­sches Land­haus vol­ler Atmo­sphä­re in einem Natur­pa­ra­dies mit Meer­blick. Der Klä­ger aus Nord­deutsch­land mie­te­te über die Inter­net­sei­te das Feri­en­do­mi­zil für einen Gesamt­preis von 535 Euro pro Woche inklu­si­ve End­rei­ni­gung für den Zeit­raum vom 19.8.12 bis 2.9.12 an. Als der Klä­ger vor Ort ange­kom­men war, äußer­te er gegen­über der beklag­ten Münch­ne­rin, dass das Objekt auf­grund des ver­wahr­los­ten Zustan­des nicht dem ver­spro­che­nen Objekt ent­spre­che. Das Feri­en­do­mi­zil wür­de wesent­lich von der Beschrei­bung im Inter­net abwei­chen. Das Grund­stück sei in einem ver­wahr­los­ten Zustand gewe­sen, teil­wei­se habe sich dort auch Gerüm­pel befun­den. Der Herd sei alt und ver­rot­tet, die Küchen­mö­bel sei­en alt gewe­sen, Holz sei ab gebrö­selt. Es sei eine spär­li­che und zusam­men­ge­wür­fel­te Geschirr­ein­rich­tung vor­han­den gewe­sen, ein unbrauch­ba­res Fens­ter und eine ver­schmutz­te Bett­wä­sche. Die Mün­che­ne­rin sag­te, dass sie mit dem Objekt noch nicht ganz fer­tig sei und noch etwas sau­ber­ma­chen müs­se. Dar­auf­hin kün­dig­te der Klä­ger das Miet­ver­hält­nis münd­lich und for­der­te die Rück­zah­lung der bereits bezahl­ten Mie­te und reis­te ab. Die beklag­te Ver­mie­te­rin bestrei­tet, dass ein Wider­spruch zu den Anga­ben im Inter­net bestehe. Ein her­ge­rich­te­tes und gepfleg­tes Grund­stück sei nicht zuge­si­chert gewe­sen. Sie sei ledig­lich mit der Rei­ni­gung und Her­rich­tung der Räu­me noch nicht ganz fer­tig gewe­sen, was sie aber inner­halb kür­zes­ter Zeit hät­te erle­di­gen kön­nen.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen sei die vor Ort münd­lich aus­ge­spro­che­ne frist­lo­se Kün­di­gung nach den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen unwirk­sam, da sie nicht schrift­lich erfolgt ist. Ein Rück­tritt vom Miet­ver­trag sei zwar auch münd­lich mög­lich, Vor­aus­set­zung sei aber, dass der Mie­ter eine Frist zur Abhil­fe setzt und so dem Ver­mie­ter die Mög­lich­keit zur Nach­er­fül­lung des Ver­tra­ges gebe. Dies gel­te sogar dann, wenn der Ver­mie­ter die geschul­de­te Leis­tung gar nicht erbringt. Es sei dem Mie­ter auch zumut­bar gewe­sen, eine Frist zu set­zen, da dies nicht mit einer län­ge­ren War­te­zeit ver­bun­den gewe­sen wäre. Die Ver­mie­te­rin hät­te dann auch die Mög­lich­keit gehabt, dem Klä­ger zum Bei­spiel ein ande­res Domi­zil anzu­bie­ten. Auch eine Min­de­rung der Mie­te kom­me nicht in Betracht, da die Gebrauchs­taug­lich­keit der Miet­sa­che nicht erheb­lich ein­ge­schränkt war. Hier sei ins­be­son­de­re der güns­ti­ge Miet­preis zu berück­sich­ti­gen. Zudem sei all­ge­mein bekannt, dass Feri­en­woh­nun­gen durch häu­fi­gen Mie­ter­wech­sel grund­sätz­lich einer stär­ke­ren Abnut­zung unter­lie­gen als nor­ma­ler Wohn­raum und dass gera­de in süd­li­chen Län­dern nicht der­sel­be Qua­li­täts­stan­dard erwar­tet wer­den kön­ne, wie dies bei einer Woh­nungs­aus­stat­tung im Inland der Fall wäre.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 26. Juni 2013 – 413 C 8060/​13