Der Zustands­stö­rer – oder: die Hecke beim Woh­nungs­ei­gen­tum

Auch der Zustands­stö­rer kann, wie der Bun­des­ge­richts­hof jetzt ent­schied, zur Besei­ti­gung einer Stö­rung (und nicht bloß zur Dul­dung der Stö­rungs­be­sei­ti­gung) ver­pflich­tet sein, ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in dem Rechts­streit einer Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft über den Schnitt einer Gar­ten­he­cke.

Der Zustands­stö­rer – oder: die Hecke beim Woh­nungs­ei­gen­tum

Anders als noch in der Vor­in­stanz das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen 1 in Über­ein­stim­mung mit dem Kam­mer­ge­richt 2 meint, kann auch der Zustands­stö­rer zur Besei­ti­gung einer ihm zure­chen­ba­ren Stö­rung ver­pflich­tet sein 3. Dies setzt aller­dings vor­aus, dass er nicht nur tat­säch­lich und recht­lich in der Lage ist, die Stö­rung zu besei­ti­gen, son­dern zudem, dass die Stö­rung bei der gebo­te­nen wer­ten­den Betrach­tung durch sei­nen maß­ge­ben­den Wil­len zumin­dest auf­recht­erhal­ten wird 4. Dar­an fehlt es etwa, wenn der Mie­ter einer Woh­nung auf Besei­ti­gung eines das Eigen­tum eines Drit­ten beein­träch­ti­gen­den Zustan­des in Anspruch genom­men wird, der auf das Han­deln des Woh­nungs­ei­gen­tü­mers zurück­zu­füh­ren ist. Der Mie­ter ist in einem sol­chen Fall ledig­lich ver­pflich­tet, die Besei­ti­gung der Stö­rung zu dul­den ((vgl. BGH, Urteil vom 01.12.2006 – V ZR 112/​06, aaO),) nicht aber ist er gehal­ten, die­se durch einen Ein­griff in das Eigen­tum sei­nes Ver­mie­ters zu besei­ti­gen. Die Stö­rung zu besei­ti­gen, bleibt in sol­chen Fäl­len Sache des Eigen­tü­mers.

Vor­lie­gend befin­det sich die in Anspruch genom­me­ne Woh­nungs­ei­gen­tü­mer nicht in einer Situa­ti­on, die der des Mie­ters im Bei­spiels­fall ver­gleich­bar wäre. Der ent­schei­den­de Unter­schied besteht dar­in, dass die Auf­recht­erhal­tung der von der Hecke aus­ge­hen­den Stö­rung hier allein auf dem maß­ge­ben­den Wil­len der Antrags­geg­ne­rin beruht und die­se nicht nur tat­säch­lich, son­dern auch recht­lich zur Besei­ti­gung der Stö­rung in der Lage ist. Zwar sind die Pflan­zen wesent­li­cher Bestand­teil des Grund­stücks und damit Gemein­schafts­ei­gen­tum gewor­den. Jedoch ergibt sich die Befug­nis zur Kür­zung schon aus der Rege­lung in der Tei­lungs­er­klä­rung, wonach die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer mög­lichst so zu stel­len sind, wie sie bei einer Real­tei­lung stün­den. Davon abge­se­hen folgt sie auch aus dem in dem Rück­schnitt­ver­lan­gen lie­gen­den Ein­ver­ständ­nis der übri­gen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. März 2010 – V ZB 130/​09

  1. OLG Mün­chen, Beschluss vom 03.08.2009 – 32 Wx 8/​09[]
  2. KG, NZM 2007, 845 f. m.w.N.[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 30.03.2007 – V ZR 179/​06, NJW 2007, 2182; Urteil vom 29.02.2008 – V ZR 31/​07, NJW-RR 2008, 827[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 01.12.2006 – V ZR 112/​06, NJW 2007, 432 f.[]