Die abge­lehn­te Erläu­te­rung des erstat­te­ten Gut­ach­tens im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren

Lehnt das Gericht im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren den Antrag auf – schrift­li­che oder münd­li­che – Erläu­te­rung des erstat­te­ten Gut­ach­tens ab, ist dage­gen die sofor­ti­ge Beschwer­de statt­haft. Zwar ist gegen die Ableh­nung der Ein­ho­lung eines wei­te­ren Gut­ach­tens gemäß § 412 ZPO auch im selbst­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren kein Rechts­mit­tel gege­ben [1]. Dies gilt jedoch nicht für den Antrag auf – schrift­li­che oder münd­li­che – Erläu­te­rung des erstat­te­ten Gut­ach­tens.

Die abge­lehn­te Erläu­te­rung des erstat­te­ten Gut­ach­tens im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren

Nach Abschluss des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens kann eine Anhö­rung des Sach­ver­stän­di­gen oder Ergän­zung des Gut­ach­tens durch den Sach­ver­stän­di­gen nicht mehr ver­langt wer­den.

Haben die Par­tei­en recht­zei­tig Ein­wen­dun­gen gegen das im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren erstat­te­te Gut­ach­ten erho­ben, ist – sofern nicht eine wei­te­re Beweis­auf­nah­me statt­fin­det – das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren jeden­falls dann been­det, wenn der mit der Beweis­auf­nah­me befass­te Rich­ter zum Aus­druck bringt, dass eine wei­te­re Beweis­auf­nah­me nicht statt­fin­det und dage­gen inner­halb ange­mes­se­ner Frist kei­ne Ein­wän­de erho­ben wer­den [2].

Das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren ist jeden­falls mit Ablauf von 1 Monat been­det, nach­dem das Gericht zum Aus­druck gebracht hat, dass kei­ne wei­te­re Beweis­auf­nah­me statt­fin­den wer­de. Ein selb­stän­di­ges Beweis­ver­fah­ren ist been­det, wenn die Beweis­si­che­rung sach­lich erle­digt ist. Erfolgt die Beweis­erhe­bung durch ein schrift­li­ches Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten, ist das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren mit des­sen Über­sen­dung an die Par­tei­en been­det, wenn weder das Gericht nach § 411 Abs. 4 Satz 2 ZPO eine Frist zur Stel­lung­nah­me gesetzt hat noch die Par­tei­en inner­halb eines ange­mes­se­nen Zeit­raums Ein­wen­dun­gen dage­gen oder das Gut­ach­ten betref­fen­de Anträ­ge oder Ergän­zungs­fra­gen mit­tei­len. Haben die Par­tei­en recht­zei­tig Ein­wen­dun­gen gegen das im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren erstat­te­te Gut­ach­ten erho­ben, ist – sofern nicht eine wei­te­re Beweis­auf­nah­me statt­fin­det – das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren jeden­falls dann been­det, wenn der mit der Beweis­auf­nah­me befass­te Rich­ter zum Aus­druck bringt, dass eine wei­te­re Beweis­auf­nah­me nicht statt­fin­det und dage­gen inner­halb ange­mes­se­ner Frist kei­ne Ein­wän­de erho­ben wer­den [3].

Dabei ist kein Hin­weis des Gerichts auf die Fol­gen einer Frist­ver­säu­mung erfor­der­lich, um die Been­di­gung des Ver­fah­rens mit Frist­ab­lauf her­bei­zu­füh­ren. Zwar kann eine Frist­set­zung ohne Hin­weis auf die Rechts­fol­gen nach der Recht­spre­chung des BGH kei­ne Prä­k­lu­si­on aus­lö­sen [4]. Das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren endet jedoch nach Ablauf einer gem. §§ 492, 411 Abs. 4 S. 2 ZPO gesetz­ten Frist und kann dann nicht mehr ver­zö­gert wer­den i.S.d. § 296 ZPO [5].

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 2. Janu­ar 2014 – 10 W 34/​13

  1. BGH BauR 2010, 932 5 ff.; OLG, Beschluss vom 23.09.2010, MDR 2011, 319[]
  2. BGH NJW 2011, 594[]
  3. BGH NJW 2011, 594 14[]
  4. BGH NJW-RR 2006, 428 8[]
  5. OLG Frank­furt, Beschluss vom 16.12.2009, 19 W 87/​09 3; BGH NJW 2011, 594[]