Die abge­wie­se­ne Aus­kunfts­kla­ge – und die Beschwer

Nach den in gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen zum Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands in Aus­kunfts­ver­fah­ren rich­tet sich die Beschwer des Klä­gers nach Abwei­sung sei­ner Aus­kunfts­kla­ge ent­spre­chend § 3 ZPO nach dem wirt­schaft­li­chen Inter­es­se an der Ertei­lung der Aus­kunft.

Die abge­wie­se­ne Aus­kunfts­kla­ge – und die Beschwer

Soweit die Aus­kunft die Gel­tend­ma­chung des Leis­tungs­an­spruchs erst vor­be­rei­ten und erleich­tern soll, beträgt der Wert des Aus­kunfts­an­spruchs in der Regel einen Bruch­teil des Leis­tungs­an­spruchs und ist umso höher anzu­set­zen, je gerin­ger die Kennt­nis­se des Anspruch­stel­lers von den zur Begrün­dung des Leis­tungs­an­spruchs maß­geb­li­chen Tat­sa­chen sind 1.

Wird dem­ge­gen­über der Beklag­te zu einer Aus­kunft ver­ur­teilt, so ist für die Bemes­sung des Werts des Beschwer­de­ge­gen­stands sein Inter­es­se maß­geb­lich, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen. Hier­bei kommt es grund­sätz­lich auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten an, den die Ertei­lung der geschul­de­ten Aus­kunft erfor­dert 2.

Hier­von abwei­chend will eine Ansicht in den Fäl­len, in denen es dem Klä­ger um die blo­ße Aus­kunft geht, nicht dage­gen um die Vor­be­rei­tung einer Leis­tungs­kla­ge, für die Wert­be­mes­sung allein auf den Auf­wand an Zeit und Sach­mit­teln abstel­len, der mit der Ertei­lung der ver­lang­ten Aus­kunft ver­bun­den ist 3. Ob die­ser Auf­fas­sung in den Fäl­len einer rei­nen Aus­kunfts­kla­ge gefolgt wer­den kann, erscheint dem Bun­des­ge­richts­hof jedoch zwei­fel­haft. Für die Bemes­sung des Werts der Beschwer des unter­le­ge­nen Klä­gers kann grund­sätz­lich der Auf­wand an Zeit und Kos­ten, der für den Beklag­ten mit der Ertei­lung der Aus­kunft ver­bun­den ist, kei­ne Rol­le spie­len. Viel­mehr liegt es nahe, dass auch in die­sen Fäl­len unter Anwen­dung von § 3 ZPO das maß­geb­li­che Inter­es­se zu schät­zen ist. Die­se Fra­ge muss hier jedoch vom Bun­des­ge­richts­hof nicht abschlie­ßend ent­schie­den wer­den. Das Beru­fungs­ge­richt hat sich, wie sei­ne wei­te­ren Aus­füh­run­gen zei­gen, selbst nicht an dem von ihm auf­ge­stell­ten Maß­stab ori­en­tiert. In sei­ner wei­te­ren Begrün­dung geht es auf den Auf­wand an Zeit und Sach­mit­teln, der mit der Ertei­lung der Aus­kunft ver­bun­den wäre, nicht wei­ter ein, son­dern stellt allein dar­auf ab, dem Klä­ger sei es um eine rei­ne Aus­kunfts­kla­ge ohne Vor­be­rei­tung einer Leis­tungs­kla­ge gegan­gen. Wel­cher kon­kre­te Auf­wand mit der begehr­ten Aus­kunfts­er­tei­lung ver­bun­den wäre, wird dem­ge­gen­über nicht dar­ge­legt. Das Beru­fungs­ge­richt wird sich im Rah­men sei­ner neu­en Ent­schei­dung ins­be­son­de­re mit dem vom Klä­ger gehal­te­nen beweis­be­wehr­ten Vor­trag zu befas­sen haben, die Aus­kunfts­kla­ge sei zunächst nur aus Kos­ten­ge­sichts­punk­ten statt der Stu­fen­kla­ge erho­ben wor­den, es sei jedoch von Anfang an beab­sich­tigt gewe­sen, im Fal­le der erteil­ten Aus­kunft mög­li­che Rück­zah­lungs­an­sprü­che auch durch­zu­set­zen. Die­ser Vor­trag des Klä­gers kann jeden­falls nicht gemäß § 531 Abs. 2 ZPO unbe­rück­sich­tigt blei­ben, da es auf Aus­füh­run­gen des Klä­gers zur Dar­le­gung der Beschwer durch ein erst­in­stanz­li­ches Urteil zwin­gend erst im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren ankom­men kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Okto­ber 2015 – IV ZB 21/​15

  1. BGH, Beschluss vom 12.10.2011 XII ZB 127/​11, NJW-RR 2012, 130 Rn. 1315; Zöller/​Herget, ZPO 30. Aufl. § 3 Rn. 16 "Aus­kunft"[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 04.06.2014 – IV ZB 2/​14, ZEV 2014, 424 Rn. 8; vom 09.11.2011 – IV ZB 23/​10, ZEV 2012, 149 Rn. 13; vom 10.03.2010 – IV ZR 255/​08, Fam­RZ 2010, 891 Rn. 6[]
  3. OLG Köln OLGR 2009, 680, 681; OLG Düs­sel­dorf OLGR 1995, 192; Zöl­ler aaO; Schneider/​Herget, Streit­wert­kom­men­tar 12. Aufl. Rn. 4467; LG Müns­ter, Beschluss vom 25.03.2015 – 6 S 71/​14[]