Die Adres­se des Beru­fungs­klä­gers

Für die Zuläs­sig­keit eines Rechts­mit­tels ist es – anders als bei der Ein­rei­chung der Kla­ge – im Grund­satz nicht erfor­der­lich, dass der Rechts­mit­tel­füh­rer sei­ne Anschrift bekannt gibt 1. Anders liegt es nur dann, wenn er rechts­miss­bräuch­lich han­delt, indem er den Rechts­streit "aus dem Ver­bor­ge­nen" führt und sei­ne Anschrift nicht preis­gibt, um Kos­ten­er­stat­tungs­an­sprü­che des Geg­ners zu ver­ei­teln 2. Weil die Ver­mö­gens­lo­sig­keit als sol­che der Zuläs­sig­keit des Rechts­mit­tels nicht ent­ge­gen­steht, muss gera­de die ver­wei­ger­te Nen­nung der Anschrift auf eine Ver­ei­te­lungs­ab­sicht schlie­ßen las­sen. Dabei han­delt es sich um einen eng begrenz­ten Aus­nah­me­fall, des­sen Vor­aus­set­zun­gen nur bei ernst­haf­ten Anhalts­punk­ten von Amts wegen im Frei­be­weis­ver­fah­ren zu prü­fen sind.

Die Adres­se des Beru­fungs­klä­gers

Die danach erfor­der­li­che siche­re Über­zeu­gung von einer Ver­ei­te­lungs­ab­sicht hat der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall nicht gewin­nen kön­nen. Ob der Beklag­te – wie die Klä­ge­rin behaup­tet – unter sei­ner Kanz­lei­an­schrift nur ein Post­fach unter­hält, kann dahin­ste­hen, so der Bun­des­ge­richts­hof. Jeden­falls hat er auf wie­der­hol­te Auf­for­de­rung hin eine Wohn­an­schrift mit­ge­teilt und eine Mel­de­be­stä­ti­gung der Stadt über­reicht. Der Bun­des­ge­richts­hof kann weder fest­stel­len, dass der Beklag­te unter die­ser Anschrift kei­nen Wohn­sitz hat, noch las­sen die Gesamt­um­stän­de die Wür­di­gung zu, er han­de­le in Ver­ei­te­lungs­ab­sicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Janu­ar 2012 – V ZR 183/​10

  1. BGH, Beschluss vom 25.09.1975 – VII ZB 9/​75, BGHZ 65, 114, 117[]
  2. BGH, Urteil vom 11.10.2005 – XI ZR 398/​04, NJW 2005, 3773 f.; Beschluss vom 28.11.2007 – III ZB 50/​07; Beschluss vom 01.04.2009 – XII ZB 46/​08, NJW-RR 2009, 1009 Rn. 13 f.[]