Die Ände­rung von bereits im Fris­ten­ka­len­der notier­ten Fris­ten

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bleibt ein Rechts­an­walt auch bei sol­chen Fris­ten, die er nicht selbst zu berech­nen hat, ver­pflich­tet, durch all­ge­mei­ne Anwei­sun­gen sicher­zu­stel­len, dass sein Büro­per­so­nal nicht eigen­mäch­tig im Fris­ten­ka­len­der ein­ge­tra­ge­ne Fris­ten ändert oder löscht.

Die Ände­rung von bereits im Fris­ten­ka­len­der notier­ten Fris­ten

Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn eine außer­ge­wöhn­li­che Ver­fah­rens­ge­stal­tung Anlass zur Prü­fung gibt, ob die bereits ein­ge­tra­ge­nen Fris­ten maß­geb­lich blei­ben oder nicht [1].

Gegen die­se Sorg­falts­pflicht hat in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Beklag­ten ver­sto­ßen: In dem vom Per­so­nal des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ange­nom­me­nen Gesche­hens­ab­lauf lag eine außer­ge­wöhn­li­che Ver­fah­rens­ge­stal­tung, die beson­de­ren Anlass zur Prü­fung gab, ob die bereits ein­ge­tra­ge­nen Fris­ten maß­geb­lich blei­ben oder nicht. Denn es wider­spricht der gän­gi­gen Gerichts­pra­xis, dass eine bereits ver­län­ger­te Beru­fungs­be­grün­dungs­frist weni­ge Tage nach ihrer Ver­län­ge­rung ohne Antrag um ledig­lich drei wei­te­re Tage erneut ver­län­gert wird. Nach Dar­stel­lung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Beklag­ten hat die Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­te S. den­noch der zunächst rich­tig notier­ten ver­län­ger­ten Beru­fungs­be­grün­dungs­frist nebst Vor­frist eine neue fal­sche Beru­fungs­be­grün­dungs­frist nebst Vor­frist hin­zu­ge­fügt; in der Fol­ge hat sich die Büro­an­ge­stell­te D. ohne wei­te­re Prü­fung auf die falsch ein­ge­tra­ge­ne neue Frist ver­las­sen und die rich­ti­ge Frist nebst Vor­frist eigen­mäch­tig gelöscht. Dass sie dadurch gegen eine in der Kanz­lei bestehen­de orga­ni­sa­to­ri­sche Anwei­sung ver­sto­ßen hät­te, wonach Fris­ten nicht eigen­mäch­tig abge­än­dert wer­den dür­fen, ins­be­son­de­re bei einer außer­ge­wöhn­li­chen Ver­fah­rens­ge­stal­tung vor der Ände­rung der Frist mit dem Rechts­an­walt Rück­spra­che zu neh­men ist, ergibt sich aus dem Wie­der­ein­set­zungs­vor­brin­gen nicht. Das Feh­len einer sol­chen all­ge­mei­nen Anwei­sung begrün­det das Ver­schul­den des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Beklag­ten [2].

  1. vgl. BGH, Urteil vom 27.09.1989 – IVb ZB 73/​89, VersR 1989, 1316; Beschluss vom 17.04.1991 – XII ZB 40/​91, VersR 1991, 1309, 1310; Beschluss vom 08.02.1996 – IX ZB 95/​95, NJW 1996, 1349, 1350; Beschluss vom 08.03.2004 – II ZB 21/​03, NJOZ 2004, 1185, 1187; Beschluss vom 20.09.2007 – I ZB 108/​05, AnwBl 2007, 869 Rn. 5[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 20.09.2007 – I ZB 108/​05, AnwBl 2007, 869 Rn. 5[]