Die Arzt­kos­ten des Unfall­op­fers

Ein Unfall­ge­schä­dig­ter kann die durch eine ärzt­li­che Unter­su­chung oder Behand­lung ent­stan­de­nen Kos­ten vom Schä­di­ger nur ersetzt ver­lan­gen, wenn der Unfall zu einer Kör­per­ver­let­zung geführt hat (§ 249 Abs. 2 Satz 1 BGB). Die blo­ße Mög­lich­keit oder der Ver­dacht einer Ver­let­zung genügt dafür nicht.

Die Arzt­kos­ten des Unfall­op­fers

Ist eine Pri­mär­ver­let­zung nicht bewie­sen, fehlt es an einer Rechts­gut­ver­let­zung im Sin­ne der Haf­tungs­tat­be­stän­de der §§ 823 BGB, 11 StVG. Der blo­ße Ver­let­zungs­ver­dacht steht einer Ver­let­zung haf­tungs­recht­lich nicht gleich 1.

Der Begriff der Kör­per­ver­let­zung im Sin­ne der § 823 Abs. 1 BGB, § 11 StVG ist weit aus­zu­le­gen. Er umfasst jeden unbe­fug­ten, weil von der Ein­wil­li­gung des Rechts­trä­gers nicht gedeck­ten Ein­griff in die Inte­gri­tät der kör­per­li­chen Befind­lich­keit 2.

Sind bei dem Unfall­op­fer Beschwer­den vor­han­den und unfall­be­dingt, hat er Anspruch auf Ersatz der Kos­ten für erfolg­te medi­zi­ni­sche Unter­su­chun­gen und Behand­lun­gen, soweit die­se erfor­der­lich waren. Dazu zäh­len sol­che Heil­be­hand­lungs­maß­nah­men, die aus medi­zi­ni­scher Sicht eine Hei­lung oder Lin­de­rung ver­spra­chen. Zu erset­zen sind fer­ner die damit ver­bun­de­nen Auf­wen­dun­gen, zu denen auch etwai­ge Attest­kos­ten zäh­len 3.

Soweit dage­gen die geklag­ten Beschwer­den oder aber deren Unfall­be­dingt­heit nicht nach­ge­wie­sen sind, besteht kei­ne Grund­la­ge für einen Anspruch auf Ersatz der Arzt­kos­ten. Dies gilt nicht nur für Behand­lungs­kos­ten, son­dern auch für Befund­er­he­bungs- und Dia­gno­se­kos­ten. Die Auf­wen­dun­gen für den Arzt und für die von ihm auf­grund sei­ner Ver­dachts­dia­gno­se ein­ge­lei­te­ten Maß­nah­men und auch die Kos­ten eines von ihm aus­ge­stell­ten Attes­tes, das der Geschä­dig­te zur Durch­set­zung sei­ner Ersatz­an­sprü­che wegen der ver­meint­lich erlit­te­nen Per­so­nen­schä­den ver­wen­den will, sind nur ent­schä­di­gungs­pflich­tig, wenn die ange­nom­me­ne unfall­be­ding­te Kör­per- oder Gesund­heits­ver­let­zung tat­säch­lich veri­fi­ziert wird 4, weil nur sie und nicht schon der Unfall als sol­cher gesetz­li­cher Anknüp­fungs­punkt für die Haf­tung gemäß § 7 Abs. 1 StVG, § 823 Abs. 1 BGB ist 5. In Fäl­len der Kör­per­ver­let­zung oder der Her­bei­füh­rung eines Gesund­heits­scha­dens ist nur eine tat­säch­lich ein­ge­tre­te­ne Schä­di­gung haf­tungs­be­grün­dend. Die blo­ße Mög­lich­keit oder der Ver­dacht einer Schä­di­gung genügt dafür nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Sep­tem­ber 2013 – VI ZR 95/​13

  1. OLG Hamm, r+s 2003, 434, 436; Jahn­ke in Burmann/​Heß/​Jahnke/​Janker, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 22. Aufl., Vor § 249 BGB Rn. 87 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 09.11.1993 – VI ZR 62/​93, BGHZ 124, 52, 54 und vom 18.03.1980 – VI ZR 247/​78, VersR 1980, 558, 559, inso­weit in BGHZ 76, 259 nicht abge­druckt; vgl. auch BGH, Urteil vom 12.02.2008 – VI ZR 221/​06, VersR 2008, 644 Rn. 9[]
  3. vgl. Münch­Komm-BGB/Oet­ker, 6. Aufl., § 249 Rn. 409[]
  4. teil­wei­se anders KG, NZV 03, 281[]
  5. OLG Hamm, r+s 2003, 434, 436 ff.; AG Net­te­tal, SP 2007, 211; AG Bot­trop, SP 2008, 147 f.[]