Die auf­ge­zeich­ne­ten Gesprä­che mit dem Alt­bun­des­kanz­ler

Durch die Auf­zeich­nung sei­ner Stim­me hat der Alt­bun­des­kanz­ler Dr. Hel­mut Kohl Eigen­tum an den Ton­bän­dern erlangt, auf denen Inter­views mit ihm fest­ge­hal­ten wor­den sind. Daher besteht ein Anspruch auf Her­aus­ga­be die­ser Ton­bän­der.

Die auf­ge­zeich­ne­ten Gesprä­che mit dem Alt­bun­des­kanz­ler

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Beru­fung des Jour­na­lis­ten zurück­ge­wie­sen, der sich damit gegen die vom Land­ge­richt Köln ent­schie­de­ne Her­aus­ga­be von 200 Ton­bän­dern gewehrt hat. Ursprüng­lich soll­te der beklag­te Jour­na­lis­ten Dr. Heri­bert Schwan als „Ghost­wri­ter” die Bio­gra­phie des ehe­ma­li­gen Bun­des­kanz­lers Dr. Hel­mut Kohl ver­fas­sen. Zu die­sem Zweck führ­te er umfang­rei­che Gesprä­che mit dem Klä­ger, die auf Ton­band auf­ge­zeich­net wur­den. Nach­dem der Klä­ger die Zusam­men­ar­beit mit dem Beklag­ten been­det hat­te, ver­langt er die Her­aus­ga­be der bespro­che­nen Ton­bän­der. Das Land­ge­richt Köln hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und zur Begrün­dung im Wesent­li­chen aus­ge­führt, nach Been­di­gung des Auf­trags­ver­hält­nis­ses über die Auf­zeich­nung der Lebens­er­in­ne­run­gen des Klä­gers sei der Beklag­te ver­pflich­tet, alles, was er zur Aus­füh­rung des Auf­tra­ges erhal­ten und erlangt habe, an den Klä­ger her­aus­zu­ge­ben. Dazu gehör­ten auch die Ton­bän­der. Nach die­sem Urteil hat der Beklag­te zur Ver­mei­dung der Zwangs­voll­stre­ckung 200 Ton­bän­der an den Gerichts­voll­zie­her her­aus­ge­ge­ben und gegen das Urteil Beru­fung ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Köln habe der Klä­ger einen Anspruch auf Her­aus­ga­be der Ton­bän­der, weil er durch die Auf­zeich­nung sei­ner Stim­me Eigen­tum an den Ton­bän­dern erlangt habe. Nach § 950 BGB erwer­be der­je­ni­ge, der durch Ver­ar­bei­tung eine neue beweg­li­che Sache her­stel­le, das Eigen­tum dar­an, sofern nicht der Wert der Ver­ar­bei­tung erheb­lich gerin­ger sei als der Wert des ver­ar­bei­te­ten Stof­fes. Als Ver­ar­bei­tung gel­te dabei u.a. auch das Schrei­ben oder Malen. Dem sei­en die Ton­band­auf­nah­men ver­gleich­bar. Nach der maß­geb­li­chen Ver­kehrs­auf­fas­sung wer­de jeden­falls dann eine „neue Sache” her­ge­stellt, wenn die Auf­zeich­nun­gen für eine län­ger­fris­ti­ge Nut­zung bestimmt sei­en.

Als Her­stel­ler der Ton­band­auf­zeich­nun­gen sei der Klä­ger anzu­se­hen. Maß­geb­lich für die Bestim­mung der Per­son des Her­stel­lers sei, in wes­sen Namen und wirt­schaft­li­chem Inter­es­se die Her­stel­lung erfolgt sei. Dies sei der Klä­ger, da die Ton­band­auf­zeich­nun­gen nach den in der Beru­fungs­in­stanz nicht bean­stan­de­ten Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts allein als Mate­ri­al­samm­lung für die Vor­be­rei­tung des Manu­skripts sei­ner Memoi­ren gedient hät­ten. Aus dem zwi­schen den Par­tei­en und dem Ver­lag geschlos­se­nen Ver­trags­werk fol­ge, dass die Ent­schei­dungs­be­fug­nis über den Inhalt der Auf­zeich­nun­gen und ihre Ver­wen­dung letzt­lich allein beim Klä­ger lie­gen soll­te. Die Situa­ti­on sei daher nicht mit einem Inter­view ver­gleich­bar, das ein Jour­na­list zum Zwe­cke der Bericht­erstat­tung zu einem tages­ak­tu­el­len Gesche­hen füh­re. Auch die ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen zu den Urhe­ber­rech­ten, nach denen die­se so weit wie mög­lich dem Klä­ger zuge­ord­net wer­den soll­ten, sowie das jeder­zei­ti­ge Kün­di­gungs­recht des Klä­gers sprä­chen dafür, die­sen als Her­stel­ler der Ton­bän­der anzu­se­hen.

Ein Recht zum Besitz ste­he dem Beklag­ten nicht zu. Ins­be­son­de­re kön­ne er sich nicht auf eine – angeb­li­che – Zusa­ge des Klä­gers, er dür­fe die Ton­bän­der nach dem Tod des Klä­gers ver­öf­fent­li­chen, beru­fen. Soll­te es sei­ne sol­che Zusa­ge gege­ben haben, wäre ihr mit der vor­zei­ti­gen Been­di­gung der Zusam­men­ar­beit der Par­tei­en die Grund­la­ge ent­zo­gen wor­den. Der Klä­ger sei berech­tigt gewe­sen, jeder­zeit und ohne Anga­ben von Grün­den die Zusam­men­ar­beit mit dem Beklag­ten zu been­den. Dies zei­ge, dass Grund­la­ge der Zusam­men­ar­beit allein das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen dem Klä­ger und dem Beklag­ten gewe­sen sei. Sei das Ver­trau­en des Klä­gers in den Beklag­ten ent­fal­len, sei auch die Grund­la­ge für eine etwai­ge Zusa­ge ent­fal­len. Die­se habe daher dem Beklag­ten kei­ne über die sei­ner­zeit geschlos­se­nen Ver­trä­ge hin­aus­ge­hen­den Rech­te ver­schaf­fen kön­nen.

Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat zwar das Urteil der vor­he­ri­gen Instanz im Ergeb­nis bestäigt, aber dabei offen­ge­las­sen, ob die Begrün­dung des Land­ge­richts zutref­fe. Zwar spre­che viel dafür, dass aus dem Ver­trags­werk ein Her­aus­ga­be­an­spruch fol­ge; es wäre aller­dings zu prü­fen, ob ein sol­cher Anspruch unmit­tel­bar dem Klä­ger oder nicht zunächst dem Ver­lag als dem direk­ten Ver­trags­part­ner des Beklag­ten zustün­de.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urteil vom 1. August 2014 – 6 U 20/​14