Die abge­lehn­te Auf­he­bung eines Zwangs­gel­des – und die sofor­ti­ge Beschwer­de

Das gegen den Beschluss des Amts­ge­richts, mit dem die Auf­he­bung eines Zwangs­gel­des abge­lehnt wird, gerich­te­te Rechts­mit­tel ist zuläs­sig unab­hän­gig vom Streit­wert zuläs­sig.

Die abge­lehn­te Auf­he­bung eines Zwangs­gel­des – und die sofor­ti­ge Beschwer­de

Zwar erreicht der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands die gemäß § 61 Abs. 1 FamFG für ver­mö­gens­recht­li­che Ange­le­gen­hei­ten wie die vor­lie­gen­de 1 gel­ten­de Gren­ze bei einem Zwangs­geld von 500 € nicht, und das Amts­ge­richt hat die Beschwer­de auch nicht zuge­las­sen. Statt­haf­tes Rechts­mit­tel gegen die Ableh­nung der Auf­he­bung des Zwangs­geld­fest­set­zungs­be­schlus­ses ist aber die sofor­ti­ge Beschwer­de 2, auf die die Vor­schrif­ten der §§ 567 ff. ZPO ent­spre­chend anzu­wen­den sind. Die­se sehen eine Min­dest­be­schwer in Höhe von mehr als 200 € nur bei Ent­schei­dun­gen über Kos­ten vor (§ 567 Abs. 2 ZPO).

Aller­dings ist in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur nicht nur die Fra­ge strei­tig, ob ein for­mell rechts­kräf­ti­ger Zwangs­geld­fest­set­zungs­be­schluss im Sin­ne des § 35 Abs. 1 Satz 1 FamFG auf­ge­ho­ben und das bei­ge­trie­be­ne Zwangs­geld zurück­ge­for­dert wer­den kann, wenn der Ver­pflich­te­te die gericht­li­che Anord­nung erfüllt hat 3. Soweit dies für mög­lich gehal­ten wird, besteht auch Unei­nig­keit dar­über, auf wel­chem recht­li­chen Weg eine sol­che Auf­he­bung erfol­gen kann. Wäh­rend teil­wei­se ein Vor­ge­hen (ent­spre­chend) § 48 Abs. 1 FamFG 4 vor­ge­schla­gen wird, hal­ten ande­re eine Auf­he­bung nach § 48 Abs. 2 FamFG 5 oder aber ent­spre­chend §§ 776, 775 Nr. 1 ZPO 6 für mög­lich.

Unab­hän­gig davon ist das statt­haf­te Rechts­mit­tel gegen den die Auf­he­bung des Zwangs­geld­fest­set­zungs­be­schlus­ses und die Rück­zah­lung des bei­ge­trie­be­nen Zwangs­gelds ableh­nen­den Beschluss allein die sofor­ti­ge Beschwer­de.

Eben­so wenig, wie es sich beim Zwangs­mit­tel­fest­set­zungs­be­schluss nach § 35 FamFG um eine End­ent­schei­dung im Sin­ne von §§ 38 Abs. 1 Satz 1, 58 FamFG han­delt 5, stellt der die Auf­he­bung ver­sa­gen­de Beschluss eine End­ent­schei­dung in die­sem Sin­ne dar. Nach der in § 38 Abs. 1 Satz 1 FamFG ent­hal­te­nen Defi­ni­ti­on liegt eine End­ent­schei­dung vor, wenn durch die Ent­schei­dung der Ver­fah­rens­ge­gen­stand ganz oder teil­wei­se erle­digt wird. Mit der Beschwer­de nach §§ 58 ff. FamFG anfecht­bar sind daher nur Beschlüs­se, die ein auf Antrag (§ 23 FamFG) oder von Amts wegen (§ 24 FamFG) ein­ge­lei­te­tes Ver­fah­ren ins­ge­samt erle­di­gen oder sei­ne Anhän­gig­keit hin­sicht­lich eines der selb­stän­di­gen Erle­di­gung zugäng­li­chen Teils des Ver­fah­rens­ge­gen­stan­des (§ 301 ZPO ana­log) been­den 7. Das ist bei einem Zwangs­mit­tel­fest­set­zungs­be­schluss, der der Durch­set­zung einer gericht­li­chen Anord­nung im Vor­feld einer End­ent­schei­dung dient, nicht aber über den Ver­fah­rens­ge­gen­stand selbst ent­schei­det, nicht der Fall 8.

Daher ist die nur gegen End­ent­schei­dun­gen eröff­ne­te Beschwer­de nach §§ 58 ff. FamFG nicht gege­ben. Mit dem Antrag auf Auf­he­bung eines rechts­kräf­ti­gen Zwangs­mit­tel­fest­set­zungs­be­schlus­ses ver­folgt der Ver­pflich­te­te im Ergeb­nis das glei­che Rechts­schutz­ziel wie mit der Anfech­tung des Zwangs­mit­tel­fest­set­zungs­be­schlus­ses selbst. Für Letz­te­re hat der Gesetz­ge­ber jedoch in § 35 Abs. 5 FamFG die sofor­ti­ge Beschwer­de vor­ge­se­hen, so dass es fol­ge­rich­tig ist, dass sie auch vor­lie­gend das zuläs­si­ge Rechts­mit­tel dar­stellt. Für ein Vor­ge­hen ent­spre­chend §§ 776, 775 Nr. 1 ZPO ergä­be sich im Übri­gen das Glei­che aus § 793 ZPO.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Sep­tem­ber 2017 – XII ZB 42/​17

  1. vgl. OLG Ros­tock Beschluss vom 28.01.2016 1 W 65/​14 5; OLG Düs­sel­dorf Rpfle­ger 2012, 683; OLG Zwei­brü­cken FGPrax 2010, 169; Kei­del/­Mey­er-Holz FamFG 19. Aufl. § 61 Rn. 3; Unger/​Roßmann in Schul­te-Bun­er­t/Wein­reich FamFG 5. Aufl. § 61 Rn. 6[]
  2. eben­so im Ergeb­nis Münch­Komm-FamFG/Ul­ri­ci 2. Aufl. § 35 Rn. 25; Lorenz Fam­RZ 2016, 688, 691; anders LG Kas­sel Beschluss vom 20.12 2010 3 T 712/​10 11[]
  3. ableh­nend etwa Borth/​Grandel in Musielak/​Borth FamFG 5. Aufl. § 35 Rn. 9; Keidel/​Zimmermann FamFG 19. Aufl. § 35 Rn. 49; Haußleiter/​Gomille FamFG 2. Aufl. § 35 Rn. 11; im Ergeb­nis wohl auch Bahrenfuss/​Rüntz FamFG 3. Aufl. § 35 Rn. 21; Beck­OK FamFG/​Munzig [Stand: 1.07.2017] § 389 Rn. 23[]
  4. LG Kas­sel Beschluss vom 20.12 2010 3 T 712/​10 10 f.; Beck­OK FamFG/​Burschel FamFG § 35 Rn. 32; Prütting/​Helms/​Hammer FamFG 3. Aufl. § 35 Rn. 8; Cirul­lies Rpfle­ger 2011, 573, 576[]
  5. Schul­te-Bun­ert in Schul­te-Bun­er­t/Wein­reich FamFG 5. Aufl. § 35 Rn. 14[][]
  6. Münch­Komm-FamFG/Ul­ri­ci 2. Aufl. § 35 Rn. 25; Lorenz Fam­RZ 2016, 688, 691[]
  7. BGH, Beschluss vom 01.12 2010 XII ZB 227/​10 Fam­RZ 2011, 282 Rn. 12[]
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 01.12 2010 XII ZB 227/​10 Fam­RZ 2011, 282 Rn. 13 f. für eine Abga­be­ent­schei­dung nach §§ 4 Satz 1, 273 Satz 1 FamFG und BGH, Beschluss vom 29.02.2012 XII ZB 198/​11 Fam­RZ 2012, 783 Rn. 21 für eine Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ent­schei­dung[]