Die Aus­la­gen des Anwalts und der Vor­steu­er­ab­zug

Sind blei­ben­de Aus­ga­ben für vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tig­te Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te einer Par­tei in Form gezahl­ter Umsatz­steu­er wegen der Mög­lich­keit des Vor­steu­er­ab­zugs nicht gege­ben, dür­fen dem Man­dan­ten als Auf­trag­ge­ber die ent­spre­chen­den Umsatz­steu­er­be­trä­ge nicht in Rech­nung gestellt und kön­nen die­se bei der Kos­ten­fest­set­zung nicht berück­sich­tigt wer­den.

Die Aus­la­gen des Anwalts und der Vor­steu­er­ab­zug

Zur Ver­gü­tung eines Rechts­an­walts zäh­len neben den Gebüh­ren auch die Aus­la­gen (§ 1 Abs. 1 Satz 1 RVG). Was zu den Aus­la­gen zählt, ist in Teil 7 der Anla­ge 1 zu § 2 Abs. 2 RVG [1] auf­ge­lis­tet. Nach Vor­be­mer­kung 7 Abs. 1 Satz 2 VV RVG kann der Rechts­an­walt von sei­nem Auf­trag­ge­ber grund­sätz­lich Ersatz der ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen ver­lan­gen (§ 675 i.V.m. § 670 BGB). Hier­zu zäh­len die Kos­ten für Fahr­ten mit dem eige­nen PKW, Fahr­ten mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln, sons­ti­ge Aus­la­gen (wie Über­nach­tungs­kos­ten) und Tage- und Abwe­sen­heits­gel­der (Nr. 7003 bis 7006 VV RVG). Nach VV RVG Nr. 7008 hat der Anwalt auch einen gesetz­li­chen Anspruch auf Ersatz der auf sei­ne Ver­gü­tung nach dem Umsatz­steu­er­ge­setz ent­fal­len­den Umsatz­steu­er in vol­ler Höhe [2]. Ist ein Anwalt vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tigt, hat er gegen­über sei­nem Auf­trag­ge­ber für Leis­tun­gen, die er erbringt, Umsatz­steu­er zu ver­lan­gen und die­se an das Finanz­amt abzu­füh­ren [3]. Ande­rer­seits kann er Umsatz­steu­er, die er selbst für die Inan­spruch­nah­me von Leis­tun­gen zah­len muss, als Vor­steu­er abzie­hen (§ 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG).

Die Zah­lung der Umsatz­steu­er auf umsatz­steu­er­pflich­ti­ge Aus­la­gen stellt danach für den vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tig­ten Rechts­an­walt kei­ne blei­ben­de Aus­ga­be dar, weil die Umsatz­steu­er wirt­schaft­lich im Wege des Vor­steu­er­ab­zugs wie­der zurück­fließt. Der Rechts­an­walt darf sei­nem Auf­trag­ge­ber Umsatz­steu­er­be­trä­ge, die er als Vor­steu­er gel­tend machen kann, nicht in Rech­nung stel­len [4]. Er ist gehal­ten, in sei­ne Rech­nung gegen­über sei­nem Auf­trag­ge­ber die Auf­wen­dun­gen mit dem Net­to­be­trag auf­zu­neh­men, denn der Anwalt darf sich über sei­ne Gebüh­ren­rech­nung nicht auf Kos­ten des Auf­trag­ge­bers berei­chern. Wür­de er die auf­ge­wen­de­ten Rei­se­kos­ten als Brut­to­be­trä­ge abrech­nen, wür­de neben den Net­to­rei­se­kos­ten auch der Umsatz­steu­er­be­trag als Umsatz des Rechts­an­walts ver­steu­ert wer­den, obwohl es sich dabei jeden­falls nicht um Umsatz han­delt.

Soweit das Bun­des­dis­zi­pli­nar­ge­richt [5] unter Beru­fung auf den Beschluss des Bun­des­fi­nanz­hofs [6] die Auf­fas­sung ver­tre­ten hat, dass die mit den Fahrt­kos­ten gezahl­te Mehr­wert­steu­er Bestand­teil der tat­säch­li­chen Rei­se­auf­wen­dun­gen und damit der dem Rechts­an­walt zuste­hen­den Aus­la­gen ist, die unab­hän­gig von der Mög­lich­keit des Vor­steu­er­ab­zugs erstat­tungs­fä­hig sind, ver­mag der Bun­des­ge­richts­hof sich die­ser Auf­fas­sung für die zivil­recht­li­che Kos­ten­er­stat­tung nicht anzu­schlie­ßen.

Für das Außen­ver­hält­nis zwi­schen Auf­trag­ge­ber und Pro­zess­geg­ner, das auch der Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs zugrun­de lag, ergibt sich schon aus § 104 Abs. 2 Satz 3 ZPO, dass Umsatz­steu­er­be­trä­ge im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nur zu berück­sich­ti­gen sind, wenn der Antrag­stel­ler die Erklä­rung abgibt, dass er die Beträ­ge nicht als Vor­steu­er abzie­hen kann. Durch die­se Rege­lung soll ver­mie­den wer­den, dass der vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tig­te Antrag­stel­ler mit einer Fest­set­zung der Beträ­ge einen nicht gerecht­fer­tig­ten Ver­mö­gens­vor­teil erlangt [7]. Dar­aus kann gefol­gert wer­den, dass die vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tig­te Par­tei vom kos­ten­pflich­ti­gen Geg­ner kei­ne Umsatz­steu­er erstat­tet ver­lan­gen kann, mit­hin Umsatz­steu­er, die im Wege des Vor­steu­er­ab­zugs zurück­fließt, kos­ten­mä­ßig neu­tral bleibt. Nichts ande­res kann für das Innen­ver­hält­nis der Par­tei zu ihrem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten gel­ten. Auch der vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tig­te Rechts­an­walt ist grund­sätz­lich nicht berech­tigt, sei­nem Auf­trag­ge­ber Umsatz­steu­er in Rech­nung zu stel­len, wenn er die­se im Wege des Vor­steu­er­ab­zugs zurück­er­hält. Er wäre sonst in Höhe der Umsatz­steu­er berei­chert.

Der vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tig­te Rechts­an­walt ist gehal­ten, den Vor­steu­er­ab­zug in Anspruch zu neh­men, weil er andern­falls nicht not­wen­di­ge Kos­ten für sei­nen Auf­trag­ge­ber ver­ur­sacht. Da im hier ent­schie­de­nen Fall die Klä­ger­ver­tre­ter vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tigt sind, erhal­ten sie die nach den vor­ge­leg­ten Rech­nun­gen für die Rei­se­kos­ten erho­be­ne Umsatz­steu­er in der jewei­li­gen Höhe im Wege des Vor­steu­er­ab­zugs vom Finanz­amt zurück. Sind Auf­wen­dun­gen für die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers letzt­lich nicht gege­ben, dür­fen dem Man­dan­ten als Auf­trag­ge­ber die Umsatz­steu­er­be­trä­ge nicht in Rech­nung gestellt und kön­nen die­se im Kos­ten­an­satz nicht berück­sich­tigt wer­den. Dem­zu­fol­ge sind die Net­to­be­trä­ge der gel­tend gemach­ten Rei­se­kos­ten zu ermit­teln und der Kos­ten­fest­set­zung zugrun­de zu legen. Dage­gen spricht nicht, dass bei der Kilo­me­ter­pau­scha­le die Umsatz­steu­er nicht her­aus­ge­rech­net wird. Der Vor­steu­er­ab­zug setzt vor­aus, dass der Umsatz­steu­er­be­trag in der Rech­nung aus­ge­wie­sen wird (§ 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG). Für eine Pau­scha­le kommt er mit­hin nicht in Betracht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. April 2012 – VI ZB 46/​11

  1. VV RVG 7000 ff.[]
  2. vgl. BVerwG, Beschluss vom 09.04.2010 – 1 WDS – KSt 6/​09, ZfS 2010, 467 Rn. 22; OLG Dres­den, Jur­Bü­ro 2008, 372; Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, RVG, 19. Aufl., VV 7008 Rn. 12; Fel­ler in Göttlich/​Mümmler, RVG, 4. Aufl., Stich­wort: „Rei­se­kos­ten“, Anm.08.4 Umsatz­steu­er; Anwaltkommentar/​N. Schnei­der RVG, 6. Aufl., VV 70037006 Rn. 43 ff.; Ster­zin­ger, NJW 2008, 1254, 1255[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 27.06.1996 – IV B 69/​95, juris Rn. 2[]
  4. Anwaltkommentar/​N. Schnei­der aaO; Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, aaO Rn. 18 f.[]
  5. BDiszG, Beschluss vom 29.01.1987 – IV VL 37/​85, MDR 1987, 467[]
  6. BFH, Beschluss vom 03.02.1970 – VII B 129/​69, BFHE 98, 396 Rn. 398 f.[]
  7. vgl. BT-Drucks. 12/​6962, S. 111; sie­he auch BVerfG, NJW 1996, 382[]