Die Bau­stel­len­ab­si­che­rung auf der Auto­bahn

Wird eine im Bereich einer Auto­bahn befind­li­che Bau­stel­len­ab­si­che­rungs­an­la­ge durch ein Kraft­fahr­zeug beschä­digt, kann dem Unter­neh­mer, der die Anla­ge im Auf­trag der zustän­di­gen Behör­de errich­tet hat, ein Anspruch auf Ersatz des ent­stan­de­nen Scha­dens in Höhe des Werk­lohns zuste­hen, den ein gewerb­li­cher Betrieb für eine Repa­ra­tur in ver­gleich­ba­ren Fäl­len übli­cher­wei­se ver­lan­gen kann.

Die Bau­stel­len­ab­si­che­rung auf der Auto­bahn

Die Auf­fas­sung, ein Anspruch der Unter­neh­me­rin sei zu ver­nei­nen, weil die strei­ti­gen Posi­tio­nen nicht durch das kon­kre­te Unfall­ereig­nis bedingt sei­en, beruht auf einer rechts­feh­ler­haf­ten Anwen­dung des § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB, wonach dann, wenn wegen Beschä­di­gung einer Sache Scha­dens­er­satz zu leis­ten ist, der Gläu­bi­ger statt der Her­stel­lung den dazu erfor­der­li­chen Geld­be­trag ver­lan­gen kann.

Die­ser Ansicht kön­nen auch nicht die Aus­füh­run­gen des Bun­des­ge­richts­hofs in dem Urteil vom 31. Mai 1983 1 zugrun­de gelegt wer­den 2. Jene Ent­schei­dung greift Erwä­gun­gen des BGH-Urte­li vom 26. Mai 1970 3 auf. Die­sen Ent­schei­dun­gen liegt jeweils zugrun­de, dass ein Ver­kehrs­be­trieb unfall­be­dingt einen Scha­den an sei­nen Fahr­zeu­gen erlitt. Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass ein Ver­kehrs­be­trieb, der eine Werk­stät­te unter­hält, die nur zur Instand­set­zung der eige­nen Fahr­zeu­ge bestimmt ist, von dem Beschä­di­ger eines Fahr­zeugs nicht ohne wei­te­res Ersatz der höhe­ren Kos­ten einer nicht vor­ge­nom­me­nen Fremd­re­pa­ra­tur for­dern kann, dass viel­mehr in der Regel ledig­lich nach den Selbst­kos­ten einer sol­chen Betriebs­werk­statt zuzüg­lich antei­li­ger Gemein­kos­ten abge­rech­net wer­den kann, weil nur die­se Kos­ten im Sin­ne des § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB zur Her­stel­lung erfor­der­lich sind.

Bei der vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung lie­gen die Din­ge anders. Ein Ver­kehrs­be­trieb, der sei­ne eige­nen Fahr­zeu­ge in einer eige­nen Werk­statt repa­riert, ist nicht als Repa­ra­tur­be­trieb gegen­über Drit­ten gewerb­lich tätig. Er führt die Repa­ra­tu­ren durch, um sei­ne Leis­tun­gen als Ver­kehrs­be­trieb unter Inan­spruch­nah­me der repa­rier­ten Ver­kehrs­mit­tel erbrin­gen zu kön­nen. Es ist des­halb gerecht­fer­tigt, ihn auf die Selbst­kos­ten der durch­ge­führ­ten Repa­ra­tu­ren zuzüg­lich antei­li­ger Gemein­kos­ten zu ver­wei­sen.

Die Unter­neh­me­rin erbringt hin­ge­gen die Ein­rich­tung und War­tung von Bau­stel­len­ab­si­che­rungs­an­la­gen als typi­sche Fremd­leis­tung für die beauf­tra­gen­den Stra­ßen­ver­wal­tun­gen. Auch die Repa­ra­tur einer unfall­be­schä­dig­ten Bau­stel­len­ab­si­che­rungs­an­la­ge erfolgt, sofern nicht ohne­hin ein geson­der­ter Auf­trag für die Repa­ra­tur einer Fremd­an­la­ge vor­liegt, um die dem Auf­trag­ge­ber geschul­de­te Leis­tung ver­trags­ge­mäß zu erbrin­gen. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs hat aber ein Gewer­be­trei­ben­der, der die ansons­ten gewinn­brin­gend ein­ge­setz­ten Kapa­zi­tä­ten sei­nes Betriebs dazu benutzt, beschä­dig­tes Eigen­tum selbst zu repa­rie­ren, einen Anspruch dar­auf, dass ihm die Kos­ten einer Fremd­re­pa­ra­tur ersetzt wer­den. Dies gilt selbst dann, wenn das vor­han­de­ne Per­so­nal die Repa­ra­tur ohne geson­der­te Ver­gü­tung vor­nimmt. Eine Aus­nah­me gilt nur dann, wenn der Betrieb nicht aus­ge­las­tet ist und des­halb ansons­ten unge­nutz­te Kapa­zi­tä­ten für die not­wen­di­ge Repa­ra­tur genutzt wer­den kön­nen 4. Für Letz­te­res ist der Schä­di­ger dar­le­gungs- und beweis­be­las­tet 5, wobei aller­dings dem Geschä­dig­ten im Rah­men der sekun­dä­ren Dar­le­gungs­last eine kon­kre­te Dar­stel­lung der betrieb­li­chen Aus­las­tungs­si­tua­ti­on obliegt 6.

Dass der Betrieb der Unter­neh­me­rin nicht aus­ge­las­tet gewe­sen wäre, wur­de nicht fest­ge­stellt. Dem­ge­mäß muss dar­auf abge­stellt wer­den, wel­chen Werk­lohn ein gewerb­li­cher Betrieb für eine Repa­ra­tur in ver­gleich­ba­ren Fäl­len übli­cher­wei­se ver­lan­gen kann. Denn das ist der zur Her­stel­lung erfor­der­li­che Betrag im Sin­ne des § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB, wobei sich die Gren­zen aus § 632 Abs. 2 BGB erge­ben 7. Üblich im Sin­ne des § 632 Abs. 2 BGB ist eine Ver­gü­tung, die zur Zeit des Ver­trags­schlus­ses nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung der betei­lig­ten Krei­se am Ort der Werk­leis­tung gewährt zu wer­den pflegt, wobei Ver­gleichs­maß­stab Leis­tun­gen glei­cher Art, glei­cher Güte und glei­chen Umfangs sind und die Aner­ken­nung der Üblich­keit glei­che Ver­hält­nis­se in zahl­rei­chen Ein­zel­fäl­len vor­aus­setzt 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Novem­ber 2013 – VI ZR 363/​12

  1. BGH, Urteil vom 31.05.1983 – VI ZR 241/​79, VersR 1983, 755[]
  2. ähn­lich auch OLG Zwei­brü­cken, VersR 2002, 1566[]
  3. BGH, Urteil vom 26.05.1970 – VI ZR 168/​68, BGHZ 54, 82, 87 f.; vgl. auch BGH, Urteil vom 03.02.1961 – VI ZR 178/​59, JZ 1961, 420, 421[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 26.05.1970 – VI ZR 168/​68, aaO S. 87; vom 19.06.1973 – VI ZR 46/​72, BGHZ 61, 56, 58; BGH, Urteil vom 30.06.1997 – II ZR 186/​96, VersR 1997, 1287, 1288 f.; OLG Hamm, VersR 1991, 349 f.[]
  5. vgl. OLG Frank­furt, NJW 2012, 2977; LG Bochum, NJW-RR 1989, 1195; LG Mühl­hau­sen, Urteil vom 08.11.2011 – 2 S 95/​11, juris Rn. 10; a.A. wohl OLG Saar­brü­cken, r+s 2013, 520, 522[]
  6. LG Han­no­ver, SP 2012, 364; dazu Wen­ker, juris­PRVer­kR 1/​2013 Anm. 3[]
  7. vgl. BGH, Urtei­le vom 15.10.2013 – VI ZR 528/​12 und – VI ZR 471/​12, z.V.b.[]
  8. BGH, Urteil vom 26.10.2000 – VII ZR 239/​98, NJW 2001, 151, 152[]