Die ver­säum­te Beru­fungs­be­grün­dungs­frist – und die geson­der­te Ent­schei­dung über das Wie­der­ein­set­zungs­ge­such

Eine geson­der­te Ent­schei­dung über das Wie­der­ein­set­zungs­ge­such, die das Beru­fungs­ge­richt nach § 238 Abs. 1 Satz 2 ZPO getrof­fen hat, muss mit dem statt­haf­ten Rechts­mit­tel ange­grif­fen wer­den.

Die ver­säum­te Beru­fungs­be­grün­dungs­frist – und die geson­der­te Ent­schei­dung über das Wie­der­ein­set­zungs­ge­such

Andern­falls wird die Ent­schei­dung über den Wie­der­ein­set­zungs­an­trag rechts­kräf­tig und für die Ent­schei­dung über die Ver­wer­fung des Rechts­mit­tels bin­dend 1.

Aller­dings ist die betrof­fe­ne Par­tei unter dem Aspekt der Rechts­kraft nicht gehin­dert, nach­fol­gend wei­te­re Wie­der­ein­set­zungs­grün­de gel­tend zu machen, über die noch nicht ent­schie­den wor­den ist, soweit die Wie­der­ein­set­zungs­frist des § 234 Abs. 1 ZPO gewahrt ist, die bei Gel­tend­ma­chung meh­re­rer Hin­de­rungs­grün­de erst mit der Besei­ti­gung des letz­ten Hin­de­rungs­grun­des zu lau­fen beginnt 2.

Gemes­sen hier­an war im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts über den Wie­der­ein­set­zungs­an­trag für sei­ne nach­fol­gen­de Ent­schei­dung über die Ver­wer­fung des Rechts­mit­tels bin­dend. Der Klä­ger hat es ver­säumt, gemäß § 238 Abs. 2 Satz 1 ZPO i.V.m. §§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO Rechts­be­schwer­de gegen den Beschluss über die Ver­sa­gung der Wie­der­ein­set­zung ein­zu­le­gen.

Dar­an ändert es auch nichts, dass er zu die­sem Beschluss schrift­sätz­lich Stel­lung genom­men und wei­ter zur Orga­ni­sa­ti­on der Fris­ten­kon­trol­le im Büro sei­ner Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten vor­ge­tra­gen hat. Ob die­ser Schrift­satz als Gegen­vor­stel­lung anzu­se­hen ist, kann dahin­ste­hen. Zum einen hat der Klä­ger damit nur den bereits von ihm gel­tend gemach­ten Wie­der­ein­set­zungs­grund zu bekräf­ti­gen ver­sucht und kei­nen neu­en Wie­der­ein­set­zungs­grund genannt. Zum ande­ren ist die Gegen­vor­stel­lung gegen­über dem ordent­li­chen Rechts­be­helf, hier der Rechts­be­schwer­de, nach­ran­gig 3.

Schließ­lich ent­fällt die Bin­dung an den die Wie­der­ein­set­zung ver­sa­gen­den Beschluss nicht des­halb, weil das Beru­fungs­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung über die Ver­wer­fung der Beru­fung die Grün­de, war­um eine Wie­der­ein­set­zung nicht zu gewäh­ren sei, wie­der­holt und ergänzt hat 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Febru­ar 2018 – IV ZB 17/​17

  1. BGH, Beschlüs­se vom 01.03.2017 – XII ZB 448/​16, NJW 2017, 1554 Rn. 8; vom 08.01.2016 – I ZB 41/​15, NJW-RR 2016, 507 Rn. 14; vom 16.04.2002 – VI ZB 23/​00, NJW 2002, 2397, 2398; jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 01.03.2017 aaO Rn. 9; vom 08.01.2016 aaO Rn. 14[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 01.03.2017 – XII ZB 448/​16, NJW 2017, 1554 Rn. 11 m.w.N.[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 01.03.2017 aaO Rn. 12[]