Die beschnit­te­nen Stra­ßen­bäu­me

Scha­dens­er­satz ist zu leis­ten, wenn Stra­ßen­bäu­me ohne Erlaub­nis nicht nur im Rah­men ihres soge­nann­ten Licht­raum­pro­fils beschnit­ten wer­den, son­dern die Schnitt­maß­nah­men weit­rei­chen­der sind und auch gro­ße Stark­hol­zäs­te betref­fen. Der­ar­ti­ge Scha­dens­er­satz­an­sprü­che des Bun­des kann auch ein Bun­des­land im Rah­men der soge­nann­ten Auf­trags­ver­wal­tung gel­tend machen.

Die beschnit­te­nen Stra­ßen­bäu­me

Mit die­ser Begrün­dung hat das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Geschäfts­füh­rer einer Agrar­ge­sell­schaft zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz in Höhe von 10.620 Euro ver­ur­teilt, weil er die sei­nen Fel­dern zuge­wand­te Sei­te der Stra­ßen­bäu­me zu stark beschnit­ten hat. Die Agrar­ge­sell­schaft bewirt­schaf­tet Fel­der, die neben einer Bun­des­stra­ße bei Bees­kow-Ragow im Land­kreis Oder-Spree lie­gen. Im Febru­ar 2006 wand­te sich ihr Geschäfts­füh­rer an die zustän­di­ge Stra­ßen­meis­te­rei mit dem Anlie­gen, die den Fel­dern zuge­wand­te Sei­te der Stra­ßen­bäu­me beschnei­den zu dür­fen, da wegen zu tief hän­gen­der Äste die Fel­der nicht mehr ord­nungs­ge­mäß bear­bei­tet wer­den konn­ten. Er erhielt die Erlaub­nis, die Bäu­me im Rah­men ihres soge­nann­ten Licht­raum­pro­fils bis zu einer Höhe von 4,5 m zu beschnei­den. Die tat­säch­lich durch­ge­führ­ten Schnitt­maß­nah­men beschränk­ten sich jedoch nicht hier­auf, son­dern wur­den an min­des­tens 35 Eichen und Rot­ei­chen in einer Höhe von über 4,5 m vor­ge­nom­men und betra­fen auch gro­ße Stark­hol­zäs­te. Das Land Bran­den­burg nahm den Geschäfts­füh­rer der Agrar­ge­sell­schaft auf Scha­dens­er­satz in Höhe von 7.050 Euro in Anspruch. Die­ser Betrag muss nach einem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten für not­wen­dig gewor­de­ne Pfle­ge- und Kon­troll­maß­nah­men auf­ge­wen­det wer­den, damit die Bäu­me nicht ein­ge­hen. Das Land­ge­richt Frank­furt (Oder) wies die Kla­ge des Lan­des mit Urteil vom 4. Dezem­ber 2009 ab, da die Bäu­me im Eigen­tum des Bun­des und nicht im Eigen­tum des Lan­des ste­hen. Dar­auf­hin hat das Land Beru­fung ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richt kön­ne das Land Zah­lungs­an­sprü­che des Bun­des im Rah­men der soge­nann­ten Auf­trags­ver­wal­tung gel­tend machen.

Durch die unsach­ge­mä­ße Beschnei­dung der Bäu­me sei ein Wert­ver­lust und damit ein Scha­den für das betref­fen­de Stra­ßen­grund­stück ein­ge­tre­ten. Die­ser bemes­se sich nach den erfor­der­li­chen Auf­wen­dun­gen für Nach­sor­ge und Kon­trol­le zur Erhal­tung der betrof­fe­nen Bäu­me. Der Geschäfts­füh­rer der Agrar­ge­sell­schaft sei hier­für per­sön­lich ver­ant­wort­lich und habe des­halb den Scha­den in Höhe von 7.050 Euro und die Kos­ten für die Erstel­lung des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens in Höhe von 3.570 Euro, ins­ge­samt 10.620 Euro, zu tra­gen.

Bran­den­bur­gi­sches Ober­lan­des­ge­richt, Urteil vom 6. Febru­ar 2013 – 7 U 191/​09

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