Die bau­fäl­li­ge Brü­cke über die Bun­des­stra­ße – und der Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch des Lan­des

Der Anwend­bar­keit der §§ 677 ff BGB steht nicht ent­ge­gen, dass die Klä­ge­rin mit dem Abriss der Brü­cke, die auf­grund ihrer ledig­lich vier Meter betra­gen­den Durch­fahrts­hö­he teil­wei­se zu der Bun­des­stra­ße gehört haben dürf­te (§ 1 Abs. 4 Nr. 2 FStrG, vgl. dazu Müller/​Schulz/​Sauthoff, FStrG, Kom­men­tar, 2. Aufl., § 1 Rn. 36), einer eige­nen öffent­lich­recht­li­chen Hand­lungs­pflicht (§ 10 Abs. 1 Stra­ßen­ge­setz für das Land Sach­sen-Anhalt) nach­ge­kom­men sein könn­te.

Die bau­fäl­li­ge Brü­cke über die Bun­des­stra­ße – und der Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch des Lan­des

Ob die Klä­ge­rin ledig­lich eine pri­vat­recht­li­che Besei­ti­gungs­pflicht aus ihrem Mit­ei­gen­tum an der Brü­cke oder (auch) öffent­lich­recht­li­che Hand­lungs­pflich­ten tra­fen, kann offen blei­ben. Denn die §§ 677 ff BGB sind grund­sätz­lich auch im Ver­hält­nis zwi­schen Ver­wal­tungs­trä­gern und Pri­vat­per­so­nen anwend­bar, wenn der (hoheit­li­che) Geschäfts­füh­rer bei Erfül­lung einer öffent­lich­recht­li­chen Ver­pflich­tung zugleich das pri­vat­recht­li­che Geschäft eines Drit­ten besorgt.

Die Annah­me einer pri­vat­recht­li­chen Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag der Ver­wal­tung für den Bür­ger ver­bie­tet sich nicht ein­mal dann ohne wei­te­res, wenn die öffent­li­che Hand bei dem betref­fen­den Vor­gang haupt­säch­lich zur Erfül­lung öffent­lich­recht­li­cher Pflich­ten tätig gewor­den ist 1.

Dem­entspre­chend kommt es für die Abgren­zung zwi­schen öffent­lich­recht­li­cher und pri­vat­recht­li­cher Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag nicht auf die Rechts­na­tur der vom Geschäfts­füh­rer ergrif­fe­nen Maß­nah­men, son­dern dar­auf an, wel­chen Cha­rak­ter das Geschäft gehabt hät­te, wenn es vom Geschäfts­herrn selbst aus­ge­führt wor­den wäre. Nach § 677 BGB ist Anknüp­fungs­punkt für die Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag das für einen ande­ren geführ­te "Geschäft". Es bil­det dem­nach das Kri­te­ri­um, nach dem die öffent­lich­recht­li­che von der pri­vat­recht­li­chen Geschäfts­füh­rung zu unter­schei­den ist.

Eine öffent­lich­recht­li­che Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag liegt mit­hin vor, wenn der Geschäfts­füh­rer ein frem­des öffent­lich­recht­li­ches Geschäft für einen ande­ren ohne Auf­trag aus­führt.

Nimmt der (hoheit­li­che) Geschäfts­füh­rer zugleich eine pri­vat­recht­li­che Befug­nis oder Ver­pflich­tung für einen (pri­va­ten) Geschäfts­herrn wahr, gel­ten die §§ 677 ff BGB unmit­tel­bar. Es liegt dann eine bür­ger­li­che Rechts­strei­tig­keit im Sin­ne von § 13 GVG vor 2.

Die danach maß­geb­li­che fik­ti­ve Hand­lung des Geschäfts­herrn ist vor­lie­gend zivil­recht­li­cher Rechts­na­tur. Hät­te die Eigen­tü­me­rin den Brü­cken­ab­riss selbst vor­ge­nom­men, hät­te sie damit eine – von der für die Bun­des­stra­ße zustän­di­ge Lan­des­stra­ßen­ver­wal­tung gel­tend gemach­te – pri­vat­recht­li­che Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht erfüllt, deren Grund­la­ge ihr bestehen­des Mit­ei­gen­tum an der Brü­cke und ihre damit ver­bun­de­nen Eigen­tü­mer­be­fug­nis­se nach § 903 BGB sind. Die­se Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht der Brü­cken­ei­gen­tü­me­rin hat das Land neben eige­nen Hand­lungs­pflich­ten zumin­dest auch wahr­ge­nom­men, wor­auf es sich im vor­lie­gen­den Fall auch aus­drück­lich beru­fen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Juli 2018 – III ZR 273/​16

  1. st. Rspr.: vgl. nur BGH, Urtei­le vom 13.11.2003, aaO S. 397; und vom 19.07.2007, aaO Rn. 8; Beschluss vom 26.11.2015 – III ZB 62/​14, BeckRS 2015, 20626 Rn. 10; BGH, Urtei­le vom 20.06.1963 – VII ZR 263/​61, BGHZ 40, 28, 30; und vom 24.10.1974 – VII ZR 223/​72, BGHZ 63, 167, 169 f[]
  2. BGH, Beschluss vom 26.11.2015, aaO Rn. 11 mwN.[]